Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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Aus dankbarem Andenken an diese wunder-
bare Hilfe ließ er diese ansehnliche Kapelle
erbanen, die übrigens in ihrer jetzigen Ge-
stalt von ihrer Renovation im Jahre 1749
herrührt." So die Sage, welche ans
einem auf Holz gemalten Bilde links am
Eingang der Kapelle verewigt ist mit der
Jahreszahl 1579. Eine weitere Ueber-
liefernng vermutet in dem genannten Ritler
einen Freiherrn vonWaldbnrg, etwaReichs-
erbtruchfeß Georg, welcher am 15. Jan.
1553 geboren ist, demnach znr Zeit des
Unfalls 24 Jahre alt gewesen wäre. Anch
soll derselbe in der Lkprofenkapelle seine
letzte Ruhestätte gefunden haben. Beim
Eingang in die Kapelle nämlich befindet
sich im Gegensatz zum übrigen ganz gleich-
mäßigen Bodenbelag diese Form:

< >

Hier soll der betr. Nltier ruhen —
vielleicht, daß eine spätere Oeffnnng an
der betr. Stelle die Ueberliefernng bestätigt.

Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls
reichen das nralte Madonnenbild mit wallen-
dem Haar und die beiden andern Statnen
der Heiligen Petrns nnd Panlns auf dem
Altar ins 16. Jahrhnndert, wenn nicht noch
weiter zurück, und in Anbetracht des anschei-
nend noch nicht gar so alten Ansbans der
jetzigen Kapelle liegt die Vermntnng nahe,
daß vordem eine kleinere Liebfrauenkapelle
beim Leprosenhaus staud (1505 war sicher
schon eine solche dort) uud daß dauu der
Ritter der Sage znm Dank für die Men-
schenfreundlichkeit der Leprosen dieselbe im
Jahre 1579 vergrößern bezw. mit dem
Leprosenhause verbinden nnd das alle
Liebfrauenbild darin aufstellen ließ.

Die weiteren am Chorbogen angebrachten
Statuen (rechts die Heiligen Antonius und
Ottilia, links die Heiligen Valentin und
Johannes der Täufer) gehören einer spä-
teren Periode an, ebenso die Plafonds-
gemälde; aller Wahrscheinlichkeit nach
stammen sie von der im Jahre 1749 vor-
genommenen durchgreifenden Restauratiou
her. Die Pla fo nd s g e m ä l d e, wenn
anch gerade keine Kunstwerke, sind sehr
passeud gewählt für eiue Leprofenkapelle.
Während das Chordeckengemälde (über dem
Altar), die Krönung Mariens darstellend,
die Kapelle als Muttergotteskapelle charak-

terisiert, nehmen die übrigen Darstellungen
im Schiffe der Kapelle Bezug auf die
Aussätzigen und sonstigen Kranken, die
anf dem Berg ihr bemitleidenswertes Leben
fristeten. Gegen Osten ist die Dar-
stellung der Heilung der 10 Aussätzigen
bezw. der Rückkehr des daukbareu Sa-
mariters (Lnk. 17, 11—19) mit der poe-
tischen Aufschrift:

„Der Heillant laßet sich dnrch heiße bitt

bewegen,

„Macht zehn auf eiumal Rein.

„Nur einer knmtt mit breis und danck

entgegen,

„Den Undanck straft die frag: wo bleiben

dann die neinn?"

In der Mitte ist eine Scene aus
dem Leben des hl. Bischofs Valentin, wie
zwei Personen einen presthaften Menschen
herbeitragen, der Kleidung nach den Sohn
des Rhetors Cveton, den der Heilige der
Ueberliefernng zufolge von einer unheil-
baren krüppelhaften Verkrümmung heilte.
Gegen Westen endlich präsentiert sich
nns ein Wunder, gewirkt auf die Fürbitte
des hl. Antonius an einem Aussätzigen,
mit der Zuschrift: „Durch die firbitt des
hl. Antonius wird ein aussetziger Rem
uud ein Ketzer, der seiner spottet, bekommt
an statt dessen solche Krankheit." Wie
nns nämlich in der Lebensbeschreibung des
hl. Antonius von Padua (vou Gabriel
Meier S. 131) erzählt wird, ließ sich
ein Aussätziger, welcher von den Wundern
des hl. Antonius gehört hatte, uach Padua
zum Grabe desselben tragen. Auf dem
Wege traf er mit einem Soldaten zu-
sammen, welcher vom Irrglauben befallen
war und daher nichts auf diese Wunder
hielt. „Wohin," sprach er, „gehst du Un-
glücklicher? Dein Anssatz soll über mich
kommen, wenn Antonius dich davou be-
freien kann." Der Kranke wnrde wirklich
vom Anssatz befreit und der ungläubige
Soldat damit behaftet. Anf dieses hin
ging der Soldat in sich und gelobte, nie
mehr solche Reden zn führen, worauf er
sogleich vom Aussatze frei wurde; — ge-
wiß recht sinnreiche Bilder, welche den Un-
glücklichen stets vor Augen führten, daß
allein Gottes Allmacht und die Fürbitte
der Heiligen sie von ihrem Elend befreien
können.

Die erste und älteste Spur, welche sich
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