Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 159
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der Pfalz") finden sich u. a. zwei ziemlich unbe-
kannte Drucke Jakob Schmidts (1514—30),
welche ein Gutachten des bekannten Astronomen
Joh. Virdung von Haßfurt (f. über denselben
Günther in der „Allg, d. Biographie", 40. Bd.,
S. 9 f.) über eine merkwürdige Naturerscheinung,
uämlich die Deutung der „wuuderbarlichen Zei-
chen" enthalten, „die da gesehen worden sind bei
dem Moud auf dem Schloß Hoheu urach im
Württemberger Land im 1514. Jahre am Diens-
tag nach Erhardi (10. Januar) früh um 3 Uhr.
Der genaue Titel dieser Flugschriften lautet:

1. Die außlegung Magistri. johannis / Virdung
von Haßfurt zu dem durchlauchtigen hochgebornen
Fürsten vnd Herrn. Herren Ludwigen Pfaltzgraff
bey Rhein / Hertzog in Bayern, deß hl. Römi-
schen reichs Ertz Druch- / sessen. vnd Kurfürsten
:c. ober die wnderbarlichen Zeichen die do / ge-
sehn worde sein, bey dem Mon vsf dem Schloß
hohen vrach jm Wirttenberger (!) landt. Im
N. LLLLL. XIIII. Jare. Am Dinstag / nach
Erhardi frwe, vmb drey vren, do der Seorpion
jm an / fang der Sonnen gesehen wart. /

Am Ende: Gedruckt durch jaeob Schmyeden
zu Spyer / vou wegen Arnolt Schlicken Pfaltz-
grauischen / Organisten vsf sein Kaiserlich frey-
heidt vnd ma / daten, nicht nach zu drücken. /

O. I. (1514). Mit Titelholzschnitt. Quarto,
4 Bl.

Münchener Hof- und Staatsbibliothek und
Zwickauer Ratschulbibliothek.

Weller, Repertorium Nr. 863.

2. Blatt; 1. Vorseite: Eine sonderliche Prac-
tica Doetor / Johansen Virdung von Hasfurt, /
ober beyde finsterniß / der Sonnen vnd des
Möns, kürtzlich begriffen jm tau / sent Fünfshun-
dert dreyßig jare. / Holzschnitt / Gedrückt zu Speyer
mit Keyserlicher freyheit, bey peen / zehen mark
Lottiges goldes, durch Jacoben schmydt. /

Quarto, 4 Bl.

Nürnberg, germanisches Museuin. In das
Exemplar dieser „Auslegung Magistri Johannis
Virdung von Hassnrt" auf der Zwickauer Rat-
schulbibliothek ist nun, wie Or. O. Elemen (s.
28. Heft — 1907 — der gen. „Mitteilungen :e."
S. 141/42) entdeckt hat, folgender Roth, unbekannt
gebliebener, aus derselben Presse stammender
Einblattdruck in kol. eingeheftet:

Interplatio Ns^istri ^'ollÄnnis Virdnn^i
Haü- / tnrdensis Natlrimatici, pro illastris-
simo principe et domio. dno I^ndo^ico.
t^omite / Palatino Rkeni etc. principec^ne
electore de Iridibns visis circa I^nnam in
Rotw^ll / ^nno N. LLLLL. XIII j. (!)
Vndecnna die ^annari^ (!) post meridiem,
Iror^ octava.

Es handelt sich hier um ein ähnliches Gut-
achten, wie in der Auslegung der Erscheinung
auf dem Schlosse zu Höhen-Urach, nämlich um
eiuen dreifachen Mondregenbogen, den man zu
Rottweil einen Tag darauf, am 11. Januar
1514, abends 8 Uhr beobachtet hat.

Unter dem Titel befindet sich ein Holzschnitt,
der den Vollmond als Menschenantlitz mit drei
Regenbogensragmenten oben, links, rechts darstellt,
und darunter folgender Text:

"I>es Irides circa I^nnam in j^ottw^II
vi8e neminem in admirationem dncere de-

deant nec estim^ri, cjnod sit res admir^ndA
et mandits. NÄM ^.ristotelici et omnes na-
tnrÄÜnm rernm explor^tores tradidere, cz^nod,
8icnti vel per redexionem radiornm in nnbes
Ä(^no8ÄS, roridas, Arossas, connexas e^na,-
linm partium et diapkonÄS, vnum (!), duers
a.ut tre8 Act maximum circa se c^nancio^ns
^enerst Irides 8ic simili modo Irma tres
Irides cAnsars potest, tum precipue, cnin
plenuin erit ein8 Innren et cum visa inerit
aut in meridie aut in occidente ant in
oriente, in c^uo ipsa tnnc in visione iridum
erat. 8ed c^uod kec et consimiles vi8ic>ne3
vul^um in admirationem et stuporem du-
cunt, ob raritÄtenr eoruin (!) pi-ouenit et
cz^uod vt in pluriinnrn noctnrni8 temporidus
appÄrent et ob Irominnm somnolentiam non
videntur, et8i kec vi8io pnre nAtnrÄÜs 8it
et a rnnltis plulosoplris et a me prins visa.
^.ttarnen Semper Älic^uid indicat Inturum.
?tlro1omeus namc^ne tercio libro 8ni c^nadri-
partiti cÄpitulo vltimo dicitl Liarcus Iridis
Äpparnerit tempore Lereno, Iriemalem de-
monstradit aerem, cnmc^ue in temporidus
Iriemalis aeris lormabitur, serenum nuncia-
Kit. Oicunt et ali^j astrorum periti: cnm
Iris Äpparnerit tempore sereno Iriemali,
lortiter ssrenitatem ecuAmentÄdit, et si circa
orientem prosiliet, aerem serenat. Li vero
in occidente, plnere leuiter lacit. In meri-
die autem si exorta Luerit, adundantiam
ac^uarum adducet. ^lunc, cum Iroc visio
Iridnm Visa est orientem versus et Iriemali
et sereno tempore, nnUi dndinm, c^nin Iri^i-
ditÄS et serenitÄL sÄNNAri^', <^ne tnnc vi^nit,
per IrÄnc visionem prolon^atcr sit. timendnm
tamen erit ipSÄM multis in locis MÄAn^s
vndationes pressure ac^NÄrnm. et tantum
de Irac visione.

Beachtenswert ist, daß Virdung beide Natur-
erscheinungen ganz wissenschaftlich-nüchtern auf-
gefaßt hat nnd nur als Wetterprophezeiung
gelten läßt. Beide Schriften befinden sich weder
auf der Landesbibliothek zu Stuttgart, noch aus
der Universitätsbibliothek in Tübingen.

Briefkasten.

Nach St. Die beste Zusammenstellung aller
württembergischen, bezw. in ganz Württemberg
tätig gewesenen Künstler, insbesondere Maler, ist
immer noch die in dem Werke: „Das Königreich
Württemberg" (II 1; S. 280-295), Stuttgart,
1885, Druck und Verlag von W. Kohlhammer, im
wesentlichen eine Arbeit des durch seine klassischen
schwäb. Künstlerbilder ze. bekannten Direktors
Wintterlin. Vollständig ist ja die Liste nicht ent-
fernt; so fehlen z. B. nur aus dem Unterland,
aus den späteren herzoglichen Zeiten die würt-
tembergischen Hofmaler Bernhard Schaumann aus
der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, I. G. Tho-
mas Hop ff er ans d, I. 1674, welcher u. a.
in der Stadtpfarrkirche von Ebingen das lebens-
große Bild Luthers auf einer Emporbrüstung an-
brachte; Joh. Friedrich Grub er (am 19. Juli
1681 zu Stuttgart 1' und auf dem kath. Fried-
hof von Oeffingen begraben); Franz Ludwig
Staufs aus Luzern, der Schöpfer der mytholo-
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