Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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gischen Deckenstücke im Schlosse zu Winnenthal
(um 1688/89), Joh. Kaspar Huber aus Basel,
Karl Konrad Kaul aus Mainz 15. November
1762 zu Stuttgart und beerdigt ans dem kath.
Friedhof von Hofen a. N.), Von alten Malern
finden fich z B. Nikolaus Morbach aus Gmünd,
in Nördlingen (1476—147^), Valentin Schopf
um d. I. 1518 ebendaf. und aus späterer Zeit
Jak. Jele (Aele :e.) aus Gmünd, welch letz-
terer bei Martin Soger zu Würzburz lernte,
um d. I. 1580 in München arbeitete und
den 2. Februar 1602 zu Regensburg starb,
iu der Wintterlinschen Zusammenstellung nicht
aufgezeichnet. Dizinger erwähnt in seinen Denk-
würdigkeiten w. 1834, 1. Hest, S. 3 einen
Maler Wegwood (wohl einen Engländer), wel-
cher einige große Gemälde von Schlachten, in
welchen sich Herzog Karl Alexander von Würt-
temberg ausgezeichnet, au den württembergischen
Hof geliefert habe. Diese Bezeichnung ist wohl
unrichtig; wir fanden nirgends einen Maler dieses
Namens; vielmehr wird der Meister dieser Schlach-
tenbilder wohl Querfurt seiu. Diese Schlachten-
bilder wurden leider im 18, Jahrhundert durch
die Nachlässigkeit eines Aufsehers so verdorben,
daß man auf einigen, das was fie vorstellen soll-
ten, nicht mehr erkennen konnte. Auf Besehl König
Wilhelms I. wurden dieselben Ende der 1820er
Jahre etwas ausgebessert, so daß man wenigstens
einigermaßen den Gegenstand der Darstellung
wieder erkennen konnte. Herzog Karl Alexander
hatte 1736 von dem bekannten Lebemann, Mini-
ster Graf Gust. Ad. von Gotter eine Samm-
lung von 411 Oelbildern um 24 000 fl. erworben,
war aber, in Kunstsachen ganz unerfahren, mit
denselben schwer angegangen, da die Malernamen
meist unrichtig bezw, gefälscht waren und die
meisten Gemälde nicht dem dafür angesetzten
Werte entsprachen. Ueberhaupt bergen all die
kgl. Schlösser noch einen beträchtlichen Reichtum
von schönen und beachtenswerten Gemälden und
verdienten sehr eine sachliche Durchsuchung ans
dieselben und wäre ein Katnlog all derselben
wünschenswert; man denke nur an die schönen
Gainsborough im Schlosse zu Ludwigsburg (siehe
übrigens das neulich erschienene Buch von Fried.
Kübler, die Familiengalerie des württember-
gischen Fürstenhauses im kgl. Residenzschloß zu Lud-
wigsburg ebendas, 1905, Aignersche Hosbuchhand-
lung). Danach hat neben Nik. List noch der Ulmer
Maler Fried. Georg List Bildnisse dahin gemalt.
Das Porträt von Eberhard im Bart soll aus kei-
nen geringeren als den Niederländer Hen-
drik Goltzius zurückgehen, das Porträt Karl Ale-
xanders rührt von einem sonst weniger bekannten
Holländer Jan. Phil, van der Schlichten her.
Weitere Porträts lieferten in dieses Schloß im
vorvorigen Jahrhundert Gg. Sand und der
kgl. preußische Miniaturporträtmaler Aut. Fried.
König aus Berlin. Anna Dorothea Terbu-
f ch(i n), geb. Liseewska, welche wiederholt längere
Zeit in Schwaben tätig war und in Stuttgarts
Kunstleben im 18. Jahrhundert sogar eine ge-
wisse Rolle spielte, und auch nach ihrer Rückkehr
nach Berlin zu Anfang der 1760 er Jahre neben
dem bekannten Kunsthistoriker Joh. Kasp. Fußliu

als Ehrenmitglied der »Äcs,äeinia, des Ärts« zu
Stuttgart geführt wird, dürfte auch nicht in der
schwäbischen Künstlerliste fehlen. Ebenso vermißt
man in derselben den Neresheimer Klostermaler
Ottmar Bestle (geb. 1736 in Donauwörth,
-j- 1799 im Kl.), die Ludwigsburger Maler Ja-
kob Höfling er (geb. 1759, -j- 1837), welcher
u. a. ein Schillerbildnis genialt hat, und Georg
Friedrich Schmohl, den Schwager Lavaters;
endlich den aus Stuttgart gebürtigen geschickten
Historien- und Porträtmaler Joh. Gg. Zell,
welcher viel in Bayern, vorher auch einige Zeit
in der Schweiz, so m Solothurn, tätig war. Ein
paar alte idealische Köpfe von ihm in der fei-
neu Art Denners waren früher in der Samm-
lung eines Augsburger Kunstfreundes, P. Paul
v. Öbwexer, und erhielten in einer dortigen Aus-
stellung vom Jahre 1784 von Kennern vielen
Beifall. Solche (2 St.) waren auch um dieselbe
Zeit in den Kabinetten des Domdekans v. Rei-
schach und v. Göriz daselbst zu sehen. Im Jahre
1785 ging Zell wieder von Augsburg ab, ohne
daß uns seine ferneren Künstlerschicksale bekannt
wären (s. Hirsch ing, Nachrichten von Gemälde-
sammlungen :e. III, S. 305 und 493/494). Auch
fehlt von den welschen Malern der eine uud an-
dere iu der Wintterlinschen Uebersicht (f. meinen
Artikel im „D.-A." Nr. 6 S. 95/96); ebenso
viele der meist in Weyermanns Nachrichten :e.
verzeichneten Ulmer Maler. Dazu die schwere
Menge der oberschwäbischen, bezw. in Oberschwaben
tätig gewesenen Maler, welche Pfeiffer und ich
(u. a. in Nr. 7 dieser Zeitschrist XXI von
1903 nebst Nachträgen, sowie in meinen Serien
der „Kunstbeziehungen zwischen Schwaben und Vor-
arlberg-Tirol" in den früheren Jahrgängen dieser
Zeitschrift) zusammengetragen haben, Unrichtig-
keiten laufen ab und zu auch mitunter; so wird
a. a. O. S. 291 Diego Carlone aus Searia am
Comer-See als Maler und Stueeator auf-
geführt, während derselbe nur letzteres, und Maler
sein bedeutenderer Bruder Carlo Carlone war
Der bekannte Maler Joh. Mich. Kray aus Bi-
berach a. R. (S. 394, statt Frey), darf auch nicht
fehlen. Unter den neueren schwäbischen Malern
um die Wende des 18./19. Jahrhunderts suchten
wir die Namen K a atz aus Stuttgart, Lehrer Joh.
Heinr, Ferd. Oliviers in München (s. Adolf v. Scha-
den, artistisches München, 1835, S. 97), welcher
zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, kurz zuvor
aus Rom zurückgekehrt, in Dresden die Land-
schaft kultivierte uud „dem Höchsten, was diese
Gattung nur zuläßt, mit männlichem Ernste nach-
trachtete", sowie den Porträtisten Schweik (gg) ert,
welch letzterer sich zu Aufang des vorigen Jahr-
hunderts (um d. I. 1802) in Wien und Prag
aufhielt und zahlreiche Bildniffe in Oel- und Mi-
niatur malte, vergebens. -clv.

Württemberger (ausgenommen meine Mit-
arbeiter), welche fich um literarische Aus-
künfte an mich wenden, wollen ihrem An-
suchen die A b o nn em ents q uittu ng vom
laufenden Jahrgang des „D.-A." beischließen.
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Antwort! Beck.

Stuttgart, Buchdruckers! der Alt,-Ges. „TeutscheZ VolkZblatt"
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