Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 15.1904-1905

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ARCHITEKT RICHARD RIEMERSCHMID—MÜNCHEN.

Ausgeführt von den Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst.

Herrenzimmer.

Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst.

Schon öfter haben wir unsere Leser mit
den Erzeugnissen der Dresdner Werk-
stätten für Handwerkskunst bekannt gemacht.
Das Unternehmen verdient auch zweifellos
das Interesse, das ihm von allen Seiten ent-
gegengebracht wird, denn die Arbeiten, die
daraus hervorgehen, sind in Form und Aus-
führung als mustergiltig anzusehen. Man
muss es noch heute den Dresdner Werk-
stätten für Handwerkskunst hoch anrechnen,
dass sie in ihren Maßnahmen von vornherein
so gesunden Auffassungen huldigten, sich
mit den Forderungen der Zeit, auch nach
der wirtschaftlichen Seite hin, in Überein-
stimmung zu setzen. Äusserst geschickt war
es, sich die Mitwirkung der namhaftesten
Künstler des inneren Ausbaues zu sichern,
um so möglichst korporativ nach aussen zu
wirken. Welchen lebendigeren Wechsel ge-
währen sie uns in ihren Erzeugnissen, als
wenn sie in ihren Neuheiten lediglich von
der jeweiligen Entwurfs - Stimmung ihrer

Hauskünstler abhängig sein würden. So
aber verkörpern sie in allen ihren fühl-
baren Daseins - Äusserungen ein stetes
Schritthalten mit der Zeit. Die Räume
und Möbel, von Architekt Richard Riemer-
schmid — München und Architekt Anton
Huber—Charlottenburg, die wir in diesem
Hefte veröffentlichen, machen den Künstlern
und den Dresdner Werkstätten alle Ehre.
Alles ist einfach, streng und gesund. In
solchen Räumen, mit solchen Möbeln lässt
es sich behaglich wohnen. Das Speisezimmer
von Riemerschmid macht einen freundlichen,
einladenden Eindruck. Man glaubt bei einem
guten Freunde geladen zu sein, der seinem
Gaste ein gutes Mahl und ein offenes Herz
bietet und nicht beabsichtigt, ihn mit er-
borgter Pracht anzulügen. Der Salon von
Huber sieht etwas gar zu leer aus. Man
merkt, dass man einen Ausstellungs-Raum
vor sich hat, es fehlt noch das Band, das die
Möbel mit dem Raum in Beziehung setzt. —

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