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Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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https://doi.org/10.11588/diglit.44415#0159

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Verkoppelung (1848/52 beendet) festgeleg-
ten Grundstückszuschnitt vorgeprägt worden
war.
Der Bau der Güterumgehungsbahn bestimm-
te im 1. Jahrzehnt des 20. Jh. die westliche
Peripherie neu. Einschneidend wirkte sich je-
doch die Anlage des Leineabstiegskanals und
vor allem des Zweigkanals Linden auf den
Stadtteil aus, da zum einen Land im Norden
verloren ging, zum anderen das Gebiet durch
den Wasserlauf getrennt wurde. Straßen
mußten verändert (z.B. Harenberger Straße)
und Planungen gekappt werden (z.B. Brun-
nenstraße), neue Bauwerke wurden notwen-
dig. Seitdem prägen in Verbindung mit Was-
serweg und Hafen Brücken und Schleusen
Abschnitte des Stadtteils und bilden in ihrem
weitgehend originalen Zustand gute Beispiele
der jüngeren Technikgeschichte von z.T. vor-
züglicher Qualität.
Direkt nach der Eingemeindung nach Linden
legte das dortige Stadtbauamt einen Plan für
die Verbindung der Lindener Nordstadt mit
Limmer durch ein großzügig angelegtes
Wohngebiet vor, der in den zwanziger Jahren
wieder aufgegriffen wurde. Nach einigen Ver-
änderungen begann man mit der Bebauung

des „Fössefeldes“, die allerdings stark verän-
dert erst nach dem Zweiten Weltkrieg beendet
wurde. Ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg
erfolgte durch den Bau des Westschnellwegs
und der Ansiedlung von TU Instituten mit der
daraus resultierenden Straßenverlegung im
Osten des Stadtteils der letzte große Eingriff in
das Straßensystem.
DER DORFKERN
Nach neueren Untersuchungen muß man die
verschwundene Burg der Grafen von Limmer
nahe der Schleuse des Ernst-August-Kanals
vermuten. Zwischen Wunstorfer Straße und
Leineabstiegskanal liegt der Dorfkern, dessen
nördlicher Bereich um die Kirche wahrschein-
lich die Keimzelle der Siedlung bildete.
Die Kirche steht herausgehoben aus der pro-
fanen Umgebung unter hohen Bäumen auf
dem hochgelegenen, von Mauern einge-
grenzten Kirchhof, dessen ursprüngliche Nut-
zung als Begräbnisplatz nur noch wenige
Grabsteine dokumentieren. Ein Findling mit
eingelassener Bildnis- und Schriftplatte erin-
nert an Pastor Sackmann.

Eichenbrink, Brücke über den Zweigkanal Linden, um 1917


Stockhardtweg, Schleuse des Leineabstiegkanals, um 1910


Schleusenweg, Brücke überden Leineabstiegskanal, um 1910


Das Kirchenschiff, ein fünf Achsen umfassen-
der spätbarocker bescheidener Naturstein-
saal (ehemals vermutlich verputzt) mit sparsa-
mer Sandsteingliederung entstand 1787-91
nach Plänen von C.H. Brückmann. Aus Geld-
mangel konnte erst 1898 der Turm errichtet
werden, gleichzeitig erfolgte eine Erweiterung
nach Westen durch Chor und Sakristei. Die
Bauleitung lag bei F. Jacob, der sich nach ei-
gener Aussage streng an Turmentwürfe von
C.W. Hase gehalten haben will. An einer 1909
vorgenommenen Veränderung war E. Wen-
debourg beteiligt.
Trotz der unterschiedlichen Architekturstile
bildet der Kirchenbau heute ein harmonisches
Ganzes, das den Dorfbereich entscheidend
prägt. Weithin sichtbar, die Silhouette des Or-
tes bestimmend, erhebt sich über den Baum-
kronen der Turm mit seinen charakteristi-
schen Drillings-Schallöffnungen und dem stei-
len Helm.
Um den Kirchhof gruppieren sich Gebäude,
an denen die bäuerliche Vergangenheit noch
immer ablesbar ist, welche - wie der Hof
Sackmannstraße 28 zeigt - vereinzelt bis in
die Gegenwart hineinreicht.

Sackmannstraße 26, ev. Kirche


Sackmannstraße 28, Wohnhaus, 1894


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