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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0066
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mußte dem an der Ostseite des Markts 1964/
65 errichteten Kaufhaus weichen; durch den
Bau des zugehörigen Parkhauses in der Rit-
terstraße wurde das Steinwerk auf dem
Grundstück Nr. 4 (um 1600) zerstört und
schließlich 1972 das ebenfalls vor dem Stadt-
brand erbaute Steinwerk des Hauses Marktö.
Verändert bzw. vollkommen beseitigt wurden
in den sechziger Jahren besonders auch
Straßenzüge der Altstadt mit der kleinmaß-
stäblichen Bebauung kleiner Kaufleute und
Handwerker: zwischen 1958 und 1961 wurde
die gesamte Mühlenstraße abgebrochen,
1964/65 zahlreiche Häuser in der Burgstraße
und 1965 drei Handwerkerhäuser aus dem
Ende des 17. bzw. Anfang des 18. Jh. in der
Baumgartenstraße, wo heute nur noch das
stark veränderte Haus Nr. 6 (wohl 17.Jh.) in
Geschoßbauweise mit zweifach vorkragen-
dem Giebel ein Beispiel der ehemaligen
Fachwerkbebauung bietet.
Ab 1967 wurde die Altstadt zum Fußgänger-
bereich erklärt, eine inzwischen fast vollstän-
dig realisierte Maßnahme, die eine verstärkte
Kommerzialisierung nach sich zog. Ihren ar-
chitektonischen Niederschlag fand diese Ent-
wicklung sowohl in den Großbauprojekten
von Kauf- und Bürohäusern als auch in der
durchgehenden Veränderung der Erdge-
schoßzonen denkmalwerter Gebäude, deren

Neugestaltung durch Schaufenstereinbauten
insbesondere die Architektur des 19. Jh. be-
einträchtigt.
Unbeschadet von Zerstörungen des Zweiten
Weltkrieges prägt die historistische Architek-
tur, hinter deren Fassade sich bisweilen eine
ältere Fachwerkkonstruktion oderein Gewöl-
bekeller aus der Zeit vor dem Brand verber-
gen mag, aber nach wie vor das heutige Alt-
stadtbild. Sie dokumentiert damit nicht nur
eine wichtige stadtbaugeschichtliche Peri-
ode, sondern tradiert, indem sie gleichzeitig
die seit dem Spätmittelalter gewachsene Par-
zellenstruktur in weiten Teilen bewahrt, bis in
die Gegenwart ein Zeugnis für den Maßstab
des historischen Lebensraums.

SCHLOSS, SCHLOSSUMGEBUNG
UND SCHLOSSGARTEN
DAS SCHLOSS
Auf der von Parade- und Schloßwall umrun-
deten Südspitze der heutigen Altstadt gele-
gen, beherrscht das seit 1923 als Landesmu-
seum genutzte Oldenburger Schloß mit sei-
nen beiden Flügeln die Umgebung von
Schloßplatz und Berliner Platz. Die in mehre-
ren Bauphasen während dreier Jahrhunderte
entstandene Anlage belegt nicht nur eine ar-

chitekturhistorische Stilentwicklung, sondern
dokumentiert auch in ihrer ehemaligen Funk-
tion als Residenz einen Teil der Geschichte
des Oldenburger Herrscherhauses.
An gleicher Stelle in der Hunteniederung
gründeten die Oldenburger Grafen im 12. Jh.
ihre auf Pfählen und Holzrosten errichtete
Burg mit Palas und Bergfried, um sich die
Herrschaft - verbunden mit einer Zollerhe-
bung - über den Flußübergang zu sichern.
Der Bastsche Stich von 1598 gibt den Zu-
stand der unter Graf Johann (reg.
1573-1603) umgestalteten, von einem Was-
sergraben ringförmig umschlossenen Burg
wieder.
Dem Beispiel anderer kleinstaatlichen Poten-
taten folgend, ließ Graf Anton Günther ab
1607 die Burg zu einem Residenzschloß um-
bauen. Die notwendigen Anregungen für die-
ses Unternehmen dürfte ihm seine ausge-
dehnte Reise im Jahre 1606 durch Italien,
Frankreich, England, die Niederlande und
nicht zuletzt an den kaiserlichen Hof nach
Prag vermittelt haben. Die Bauarbeiten leitete
zunächst bis 1608 der Mecklenburger Jörg
Reinhard, dann der Lombarde Andrea Speza,
der jedoch 1615 Oldenburg vor Abschluß der
Arbeiten verließ.
Unter Einbeziehung von großem und kleinem

Schloß, Westfassade am Schloßplatz


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