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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0256
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NADORST


Das ehemalige Dorf Nadorst, bis in die Mitte
des 18. Jh. zur Etzhorner Bauerschaft, ab
1897 zur Gemeinde Ohmstede gehörig und
mit dieser 1933 in die Stadt Oldenburg einge-
meindet, entwickelte sich im Norden Olden-
burgs auf dem als Weideland genutzten sog.
Ohmsteder Heidfeld im Bereich der Nador-
ster Straße bzw. Wilhelmshavener Heer-
straße, eines ehemals als rein regionale Ver-
bindung nach Rastede genutzten Weges, der
seitdem 17. Jh. auch dem Fernverkehrdiente
und ab 1830 als gepflasterte Chaussee aus-
gebaut wurde. Das Ohmsteder Gebiet reichte
im Norden biszu der Etzhorner Austriftauf der
Linie Haseler Weg-Muttenpottsweg-Langen-
weg.
Obwohl ein erster Köter schon 1645 nach-
weisbar ist, entstand das Köterdorf erst unter
der dänischen Regierung zwischen 1667 und
1773. Bis 1705 hatten sich 20, bis 1751 30
Köter angesiedelt. Die Flurkarte von 1842, auf
der das Nadorster Gebiet vom Hochheider
Weg im Südosten bis zur Weißenmoorstraße
im Nordwesten reicht, zeigt eine Streusied-
lung kleiner Hofanlagen entlang der Nador-
ster Straße und den quer dazu laufenden We-
gen: Ammergaustraße, Kreyenstraße/Flö-
tenstraße, Eßkamp/Rennplatzstraße, Geb-
kenweg/Mühlenhofsweg, letztgenannter eine
alte Schaftrift für die Ohmsteder Hausleute. In
die bis in unser Jahrhundert hinein bewahrte
ländliche Siedlungsstruktur fanden entschei-
dende Eingriffe erst nach dem Zweiten Welt-
krieg statt, als aufgrund des starken Bevölke-
rungszustroms in Nadorst Neubaugebiete
ausgewiesen wurden und im nördlichen Teil,
insbesondere entlang der stark frequentier-
ten Wilhelmshavener Heerstraße, während
der beiden letzten Jahrzehnte ausgedehnte
Gewerbegebiete entstanden. Aus diesem hi-
storisch gewachsene Strukturen überlagern-
den Prozeß erklärt sich der stark reduzierte
Bestand an Baudenkmalen der bäuerlichen
Kultur.
Unter den im allgemeinen veränderten ehe-
maligen Wohnwirtschaftsgebäuden ragt ein
Haus an der Ammergaustraße heraus, die
noch heute ihrem auf der Vogteikarte vom
Ende des 18. Jh. verzeichneten Verlauf ent-
spricht. Das traufständig zur Straße liegende
Haus Nr. 52, am Sturz des Dielentors 1765
datiert, ist ein reetgedecktes Hallenhaus mit
massiv erneuerten Außenwänden. Die Fach-
werkkonstruktion hat sich nur am Wirtschafts-
giebel, wo der Vollwalm über die Vorderküb-
bungen abgeschleppt wird, erhalten. Die Be-
sonderheit dieses Hauses liegt in der Kon-
struktion des Zweiständergerüstes, das ei-
nen Brand 1979 mit nur geringfügigen Be-
schädigungen überstand. Es handelt sich um
eine Konstruktion mit durchgezapften Anker-
balken, wobei jedoch die Ständer nur gering
überstehen.
Südlich der Flötenstraße, auf der Ostseite der
Nadorster Straße steht zurückgesetzt das
ehemalige, massiv ummantelte Hallenhaus
einer 1736 angesetzten Köterstelle (Nr. 274).
Es besitzt gleichfalls Vorderkübbungen, so

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