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Böker, Doris [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0072
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Oldenburger Schloßgarten, der im Stadtbild
einen zwischen Altstadt und Außenbezirken
vermittelnden Grüngürtel darstellt, mit dem
alten Baumbestand, den typischen Wasser-
läufen und Wegeführungen sowie den reiz-
vollen Ausblicken auf die Villen der Garten-
straße in seinem Charakter als Landschafts-
garten bewahrt.

Eingriffs gestörten östlichen Traufseite, auf
deren Südostecke ein haubengedeckter
Turm in den Straßenraum ragt, bildet deshalb
heute als einziges Bauwerk auf der Westseite
des Schloßwalls eine städtebauliche Domi-
nante.

MARKT

DAS ELISABETH-ANNA-PALAIS
An die Stelle des Sommerhäuschens wurde
1895-97 für die Gemahlin des Großherzogs
Friedrich August, die preußische Prinzessin
Elisabeth-Anna, ein Palais errichtet und der
Garten neu angelegt (Schloßwall27). Ludwig
Freese entwarf es als dreigeschossigen
Backsteinbau übereinem Quadersockel, wo-
bei er für jedes Geschoß eine andere Fen-
sterform wählte. Dekorativ sind die Fenster
der Beletage durch rund- bzw. korbbogige
Lünetten mit Fächerrosetten herausgehoben.
Die Geschlossenheit des imposanten Bau-
blocks lockern die in Neurenaissanceformen
gestalteten Giebel der Risalite auf: je ein Mit-
telrisalit auf Nord- und Südseite; zwei, die drei
mittleren Fensterachsen rahmende Risalite
auf der dem Schloßgarten zugewandten
Westfassade.
Der Ostseite war ein bis zur Gartenmauer rei-
chender, zweigeschossiger Küchentrakt vor-
gelagert, der im Obergeschoß mit dem
Hauptbau verbunden war, so daß im Erdge-
schoß eine Durchfahrt bestand. Dem Diktat
moderner Verkehrsplanung unterliegend,
wurde dieser Trakt 1962 abgerissen, als
durch die Anlage des Straßenzugs „Schloß-
wall“ eine Verbindung zwischen Parade- und
Theaterwall geschaffen wurde. Das Elisa-
beth-Anna-Palais mit der aufgrund dieses

Der Umriß des Marktplatzes geht zwar erst
auf Veränderungen des 18. und 19. Jh. zu-
rück, istin den Grundzügen aber schon in der
Ansicht von 1598 zu erkennen: Im Süden
wurde er durch die östliche Friesenbrücke
und die 1424 erstmals erwähnte westliche
Neue Brücke als Fortsetzung des Inneren
Damms erschlossen. Seine südliche Begren-
zung bildete eine traufständige Häuserzeile
an der Hausbäke, vor die sich parallel die
Lambertikirche legte. Die Lambertikirche um-
gab ein Friedhof, dessen Mauer im Norden
dem bogenförmigen Verlauf der Rönnefolgte.
Das sich anschließende schmale Rechteck
des Marktes war im Westen durch das Rat-
haus abgeriegelt.
Die Marktfläche verdoppelte sich, als der
Friedhof in den Jahren 1791 bis 1797 einge-
ebnet und schließlich 1807 der freistehende
Glockenturm des 15. Jh. an der Nordwest-
ecke der Lambertikirche abgebrochen wurde.
Seit 1801 wurde hier der Wochenmarkt abge-
halten.
Die trichterförmige Einmündung in die Lange
Straße wurde durch das Vorrücken des Rat-
hausneubaus 1886 erweitert, ebenso der Zu-
gang zum Kasinoplatz durch Zurücklegung
der Häuserfront beim Neubau der Ratsapo-
theke 1907. Inzwischen zur Fußgängerzone
erklärt, erfuhr die Marktfläche 1979 eine Neu?

Schloßwall 27, Elisabeth-Anna-Palais, 1895-97, Architekt L. Freese


gestaltung, indem sie gepflastert und im nörd-
lichen Bereich von einer das leichte West-
Ost-Gefälle ausgleichenden Treppenanlage
unterteilt wurde.

DIE STADTPFARRKIRCHE
ST. LAMBERTI
Die Gründung der Pfarrkirche St. Lamberti
gehtaufeine Stiftung derOldenburgerGrafen
gegen Ende des 12. Jh. oder Anfang des 13.
Jh. zurück. Auf einen bestehenden Kirchen-
bau weist erstmals eine Urkunde von 1237
hin, die einen Pfarrer an St. Lamberti erwähnt.
Dagegen nennt eine anonyme Handschrift
aus der ersten Hälfte des 18. Jh. die Jahres-
zahl 1224, die zu jener Zeit im Gewölbebe-
reich des südlichen Langhauses zu lesen ge-
wesen sei.
Bei Bauarbeiten 1937 traten zwei Parallelrei-
hen großer Findlinge zu Tage, die vermuten
lassen, daß es sich bei dem ersten Kirchen-
bau wohl um einen Saal mit eingezogener
Halbrundapsis handelte.
Zur Konsolidierung ihrer Landesherrschaft
gründeten die Grafen Christian und Konrad
1374 u.a. an St. Lamberti als eigenes klerika-
les Zentrum ein Kanonikerstift. Die Stiftskir-
che St. Lamberti diente in der Folge seit Graf
Dietrich (gest. 1440) dergräflichen Familieais
Grablege. Wahrscheinlich bald nach der Um-
wandlung in eine Stiftskirche wurde der Bau
abschnittweise zu einer Strebepfeilerhalle mit
quergestellten Satteldächern über den Sei-
tenschiffen und einem Hallenumgangschor
über 5/10-Schluß erweitert.
Gegen Ende des 18. Jh. auftretende schwere
Bauschäden veranlaßten das Konsistorium,
mehrere Gutachten überden Zustand der Kir-
che einzuholen. Während der Architekt der
Hamburger Michaeliskirche, Ernst George
Sonnin, einen Neubau in Form einer Rotunde
empfahl, sprach sich der Werkmeister des
Münsteraner Domkapitels, Joseph Bernhard
Winck, für eine Entkernung des bestehenden
Baues aus, in den ein Oval eingepaßt werden
sollte.
Schließlich wurde auf Wunsch des Herzogs
Peter Friedrich Ludwig ab 1791 durch Winck
in das 28,6 m lange und 25,6 m breite Kir-
chenschiff eine klassizistische Rotunde ein-
gebaut. Sie wurde 1795 eingeweiht und zeigt
heute noch die ursprüngliche Form. Der
Raum istzweischalig angelegt, indem im Erd-
geschoß zwölf quadratische Pfeiler einen
Umgang ausgrenzen. Die mit Baumberger
Sandstein ummantelten Pfeiler tragen eine
Empore, auf der eine zweite im Hintergrund
errichtet ist, so daß die hier über den Pfeilern
angeordneten zwölf ionischen Säulen im Vor-
dergrund stehen und das der antiken Archi-
tektur verpflichtete Element von Stütze und
Last den Raum beherrscht. Über dem Gebälk
mit Zahnschnittfries wölbt sich die stuckierte
Holzkuppel mit dem zwölfgeteilten Oberlicht
im Zentrum. Die optische Fortsetzung der
Pfeiler-Säulen-Folge bilden hier zwölf roset-
tenbesetzte Bänder.

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