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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0084
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Ballin (Lange Str. 51) stammendes Sand-
steinportal etwa aus der Mitte des 18. Jh. ein-
gesetzt wurde. Von einem horizontalen, ver-
kröpften Gesims abgeschlossen, besitzt es
einen geschweiften Sturz, der ebenso wie im
oberen Bereich das Gewände ein feingear-
beitetes Rankenrelief zeigt. Das Oberlichtder
Tür wurde durch den Einsatz von Diagonal-
sprossen im 19. Jh. verändert.

ACHTERNSTRASSE
Das Straßenbild der Achternstraße, deren
Ansatz in der Neustadt nördlich der Kreuzung
Schütting-/Gaststraße gegenüber ihrem Ver-
lauf in der Altstadt leicht nach Westen versetzt
ist, wirkt im Gegensatz zur der weitestgehend
historistisch geprägten Langen Straße vor al-
lem auf der Ostseite durch mehrere parzel-
lenübergreifende Neubauten sehr zerglie-
dert. Hier vermitteln nur noch in wenigen Ab-
schnitten zumindest die Baukörperformen
der stark überformten Gebäude eine Impres-
sion der ehemaligen zweigeschossigen Be-
bauung. Als Beispiele seien die beiden gie-

belständigen, jeweils dreiachsigen Häuser
Nr. 15 und Nr. 16 genannt, wovon das erste
unter einem Krüppelwalm 1816, das zweite
unter einem Satteldach 1868 erbaut wurde.
Nur im Südteil finden sich neben dem von
Früstück 1869 errichteten ehemaligen Wohn-
haus des Buchhändlers Stalling (Nr. 26) zwei
kleinere Gruppen von Baudenkmalen (Nr. 32,
32A; Nr. 29, 30/31, Flitterstr. 1).
Die Westseite dagegen wird noch in größeren
Abschnitten von derseitden siebziger Jahren
des 19. Jh. vollzogenen Umgestaltung be-
stimmt, die mehrere Denkmalgruppen cha-
rakterisieren (Nr. 42/43, 44/45; Nr. 49/
50—56; Nr. 62, 63; Nr. 67-69). Mit dieser
Umgestaltung waren u.a. die Herstellung ei-
ner einheitlichen Fluchtlinie und durch
Grundstücksabtretungen teilweise auch eine
Verbreiterung der Achternstraße verbunden.
Die bisherige Giebelständigkeit wurde bei
Neubauten häufig zugunsten einer traufstän-
digen Orientierung aufgegeben. Außerdem
hob man Häusinge auf, beispielsweise bei
Zusammenlegung der Gebäude Nr. 53/54 im
Jahre 1902.

Die Mehrzahl der in der Regel dreigeschossi-
gen und zumeistauch dreiachsigen Gebäude
aus den achtziger und neunziger Jahren be-
vorzugt eine mit dem Dekor der Neurenais-
sance ausgekleidete Putzfassade (Nr. 29, 32,
32A, 52, 55, 62). Klassizistischem Formengut
steht der 1868 nach Plänen des Hofbaumei-
sters Gerhard Schnitger aufgeführte Bau Nr.
56 näher, dessen klaren und ausgewogenen
Aufriß jeweils drei rundbogige Fensterachsen
mit unterschiedlicher Rahmung im ersten und
zweiten Obergeschoß bestimmen. Ein star-
kes Gebälk über korinthischen Pilastern
schließt die Fassade ab.
Die eklektische Anwendung historischer
Stile, die dank ihrer Repräsentationsfähigkeit
bis über die Jahrhundertwende hinaus bei
Bauherren beliebt war, führte oftmals zu ei-
nem eigenwilligen Konglomerat, das sich bei-
spielsweise in der Kombination verschiede-
ner Fensterformen niederschlagen konnte,
so bei dem dreigeschossigen Haus Flitterstr.
1 (erb. 1903, Arch. August Töbelmann), über
dessen mittigem, zweigeschossigen Erker
ehemals ein Zwiebeldach saß.


Eine stilistisch homogenere Lösung in Anleh-
nung an die Deutsche Renaissance fand der
Architekt Ludwig Klingenberg 1890 beim
Neubau seines dreigeschossigen und mit
gelben Ziegeln verblendeten Wohnhauses
Achternstr. 51. Im Erdgeschoß begleiten zwei
segmentbogige große Schaufenster, deren
Laibungen dekorative Formsteine besitzen,
den mittig gelegenen Eingang. Darüber be-
tont die Mittelachse ein über die Traufe hin-
ausreichender, ursprünglich haubenbekrön-
ter Erker. Während dessen Drillingsfenster
von Diabolenpilastern unterteilt werden, ste-
hen zwischen den zwei seitlichen Fenster-
paaren Hermenpilaster. Die durch Überfang-
bögen ausgegrenzten Fensterlünetten ent-
halten eine Rankenmalerei. Seinem Ärger
über den Abbruch des von ihm geschaffenen
Lamberti-Turmhelms verlieh Klingenberg auf
einer Inschrifttafel am Erker Ausdruck: „Dies
Haus ist erbaut MDCCCLXXXX ein jar nach
der Zerstoerung d. massiven Turms von St.
Lamberti.“
Einer jüngeren Umgestaltungsphase um
1910 gehören auf der Westseite der Achtern-
straße drei dreigeschossige Geschäftshäu-
ser an, deren durch Zusammenfassung
zweier Parzellen gewonnene großzügige An-
lagen zu einem sich neu entwickelnden Typ
des städtischen Kaufhauses überleiten. Mit
der funktionalen Durchgestaltung ging die
Bemühung um eine sachliche, auf den Über-
schwang historistischen Dekors verzich-
tende Formensprache einher, die statt des-
sen auf den die Tektonik unterstreichenden
Klassizismus rekurriert. Entsprechende Ele-
mente beschränken sich bei der 1909 errich-
teten Fassade von Nr. 44/45 (Arch. Heinrich
Schelling) auf einen pilastergerahmten mitti-
gen Erker im ersten Stockwerk, begegnen bei
dem 1910 entstandenen Haus Nr. 42/43
(Arch. F. Hegeier) in einer kolossalen Pilaster-
ordnung sowie einem dreiachsigen Zwerch-
giebel des Mansarddachs und schlagen sich
schließlich bei Nr. 49/50 in einem der Schüt-

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