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Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 31): Stadt Oldenburg (Oldenburg) — Braunschweig, 1993

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https://doi.org/10.11588/diglit.44439#0086
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tingstraße zugewandten, dreifach geschweif-
ten Giebel des Satteldachs nieder.
Nach Abriß bedeutender Vertreter des neuen
Kaufhaustyps in Oldenburg (Kaufhaus Geh-
rels, Staustraße, erb. 1912 durch H. Schel-
ling; Kaufhaus Hitzegrad, Ecke Ritter-/Müh-
lenstraße, erb. 1913 durch Fritz Timpe, Ham-
burg; beide abgebr. 1965) dokumentiert das
1911 für den Kaufmann Lion Bokotzer von H.
Früstück errichtete Kaufhaus Achtemstr. 38
an der Einmündung zur Baumgartenstraße
noch am besten die damaligen innovativen
Tendenzen. Die Erdgeschoßzone einschließ-
lich der segmentbogigen Abrundung der Eck-
situation war mit großen Schaufenstern ver-
glast, zwischen denen lediglich schlanke
Stützen standen, die sich in den beiden Ober-
geschossen in Kolossalpilastern fortsetzen.
Die zwischen ihnen liegenden Wandfelder
werden durch die enge Reihung hoher Recht-
eckfenster nahezu vollständig aufgelöst, so
daß eine die Vertikale betonende Pfeilerstruk-
tur entsteht, die seit Messels Berliner Kauf-
haus Wertheim ein typisches Merkmal der
zeitgenössisch modernen Kaufhausarchitek-
tur darstellte.

Achtemstr. 38, 1911, Architekt H. G. Früstück


Kleine Kirchenstr. 11 a, 1884


Kaum von der Achternstraße aus einsehbar,
liegt traufständig am Ende einer kleinen
Gasse zwischen den Häusern 39 und 41 ein
kleiner zweigeschossiger Fachwerkbau in
Geschoßbauweise unter einem steilen Sat-
teldach (Achtemstr. 40). Wohl um 1680 nach
dem großen Stadtbrand vermutlich auf den
Grundmauern eines Vorgängers errichtet,
stellt es neben einigen Gebäuden in der
Bergstraße eines der seltenen Beispiele des
kleinen Handwerkerhauses dar. Ein weiterer
Fachwerkbau, der wahrscheinlich ebenfalls
nach dem Brand über einem älteren Sockel
wiederaufgebaut wurde, hat sich als Hinter-
haus des Gebäudes Nr. 8 erhalten, das trauf-
seitig zumindest noch teilweise seine Kon-
struktion in Geschoßbauweise mit eingehäl-
sten Ankerbalken erkennen läßt. Dagegen ist
das schmalere, niedrigere Hinterhaus in
Stockwerkbauweise errichtet. Hier hat sich
damit die von P. Bast 1598 festgehaltene, für
den nördlichen Bereich der Achternstraße ty-
pische Anordnung der Parzellenüberbauung
erhalten.

KLEINE KIRCHENSTRASSE
Als südlichste Abzweigung der Langen
Straße verläuft die Kleine Kirchenstraße in
leichtem Gefälle nach Südwesten, um
schließlich durch eine Biegung nach Westen
die erst 1871 geschaffene Verbindung zur
Bergstraße herzustellen. Die Straße ist nach
der urkundlich erstmals 1242 belegten St. Ni-
colai Kirche benannt, einer in die zweite Hälfte
des 11. Jh. zurückreichenden Wiefelsteder
Filialgründung. Bis zur Erbauung der Lamber-
tikirche diente sie als Hauptkirche der Markt-
siedlung, auf deren Einwohnerschaft das Pa-
trozinium des Hl. Nikolaus als Schutzheiliger
der Kaufleute und Schiffer Bezug nahm. Der
1872 abgebrochene gotische Neubau des 14.
Jh. lag zurückgesetzt östlich des „Knicks“.
Diese kleine Gasse wird sowohl bei Bast
1598 als auch bei Winckelmann 1671 als Be-
bauungsgrenze der Nordseite angegeben,
während sich die Bebauung der Südseite
noch ein wenig weiter nach Westen fortsetzt.
In dem westlich anschließenden Gartenge-
lände ist auf beiden Stichen eine Gebäude-
gruppe abgebildet, die mit dem ehemaligen,


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