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Pantel, Etta [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 9, Teil 1): Stadt Wolfenbüttel — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44416#0091
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wohl ursprünglich aus dem 19. Jh. Das
giebelständig an der Nordseite des Platzes
stehende Haus Nr. 6 mit Hintergebäuden am
Kleinen Zimmerhof ist wohl in der Mitte des
17. Jh. errichtet worden. Es wird bereits seit
1750 als Wirtshaus erwähnt. Die Oberge-
schosse kragen über dem besonders niedrigen
Erdgeschoß auf Volutenknaggen mit breit
ausgebildeten Eckknaggen weit aus. Das
Gebäude wird z.Zt. renoviert. Auffällig ist
hier die jüngere Überbauung der Straße in
Richtung Kleiner Zimmerhof.
Unter der barocken Bausubstanz des 18. Jh.
dominieren die Häuser Nr. 13—15 mit ihren
auf Quaderpfeilern ruhenden Arkadenbögen.
Die Häuser Nr. 13 von 1742 und 14 von
1706 bzw. 1735, laut Datierungen, sind im
Obergeschoß verschiefert bzw. mit Asbest-
zementplattenbehang versehen. Das im Ober-
geschoß verputzte Haus Nr. 15 wurde wohl
1700 auf zwei Hausstellen errichtet. Es ist
mit sieben Arkadenbögen besonders breit ge-
lagert und vollendet durch den abgewinkel-
ten Grundriß den bogenförmigen Verlauf der
Häuserzeile. Unterfangen von Steinpfeilern
und gußeisernen Säulen setzt sich die Arkade

Krambuden 11,12 Südostecke


Krambuden 20—17


als Laubengang unter den Häusern Nr. 17
—20 und Stadtmarkt 1 fort, die bis auf das
jüngere Haus Nr. 20 (1. Hälfte des 18. Jh.)
vom Ende des 17. Jh. bzw. von um 1700
stammen. Die Ladenfronten darunter vom
Ende des 19. Jh. sind teilweise noch mit ih-
rer hölzernen Pilaster- und Gebälkrahmung
erhalten. Als Barockgebäude fallen zusätz-
lich die Wohn- und Geschäftshäuser Nr. 10,
linker Hausteil vom Anfang des 18. Jh., so-
wie Nr. 12 aus der 1. Hälfte des 18. Jh. auf.
Nr. 10 zeigt platzseitig eine schlichte annä-
hernd symmetrisch gegliederte Fassade mit
mittigem Hauseingang und hohem Walm-
dach. Dieses paßt sich nach Süden der Eck-
ausbildung des Hauses an. Haus Nr. 12 mit
wohl älterer Kernsubstanz fällt durch seine
gemusterte, verschieferte Fassade auf. Der
hohe gestrichene Fachwerkbau Nr. la, Ecke
Mühlenstraße (heute Mühlenstraße 6) aus der
Mitte des 18. Jh. zeigt bereits Rokkokoan-
klänge.
Dem modernen Kaufhausbau, der diesen be-
deutenden Platz nach Südwesen abschließt,
wurde das Fachwerkgefüge des Vorgänger-
baus vorgeblendet, und er wurde mit einem

Laubengang versehen. Eine Anpassung an die
historische Bebauung erfolgte auch bei den
Neubauten Nr. 3 und Nr. 19.
KLEINER ZIMMERHOF
Der nördliche Teil der Freiheit wird etwa
mittig von der Straße Kleiner Zimmerhof
erschlossen. Die Benennungen von 1661 als
,,Sage-Mühle-Gasse" und von 1754 „Kleiner
Zimmer Hoff" deuten auf die damalige Lage
der erstmals 1602 erwähnten Neuen Mühle
und Sägemühle in ihrem nördlichen Bereich
hin. Hier liegt heute noch der Mühlenkom-
plex Rosenwall 16. Der Straßenzug öffnet
sich hinter dem engen überbauten Eingang
an den Krambuden angerartig nach Norden
und mündet dort breit in den Schiffwall.
Die z.T. zeitgenössischen Hintergebäude bil-
den mit denen der Mühlenstraße die einzige
erhaltene „Gracht" in Wolfenbüttel, die
„Klein Venedig" genannt wird, und für das
Stadtbild eine besonders reizvolle Situa-
tion bietet.
Der Verlauf des ehemaligen Festungsgrabens
zwischen Dammfeste und Freiheit wird
durch die Rückseite der gegenüberliegenden

Krambuden 6, wohl Mitte 17. Jh.,
Übergang zu Kleiner Zimmerhof


Kleiner Zimmerhof 9, im Kem 1. H.
17. Jh./Erweiterung 1. H. 19. Jh.



Kleiner Zimmerhof, beide Straßenseiten

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