Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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MAX SLEVOGT, ZIERSTUCK

DIE AMERIKANISCHE KONKURRENZ

IM KUNSTHANDEL UND IHRE GEFAHR FÜR EUROPA

VON

WILHELM BODE

EITDEM der Krieg um Cuba und
die Philippinen der amerikanischen
Politik ganz neue Bahnen gewiesen
hat und amerikanische Industrie und
Handel in die gleichen Wege der
Weltkonkurrenz eingelenkt und in den Traum
der Welteroberung sich eingewiegt haben, sind
in Europa die Zeitungen gefüllt von Berichten
über die Gründungen, mit denen die kühnen
amerikanischen Unternehmer ihre Pläne auf
eine friedliche Unterjochung der Welt unter
amerikanischen Unternehmungsgeist zu einem
erfolgreichen Ziele zu bringen suchen. Ein
Gebiet, etwas abseits und doch in aller Augen,
das die Amerikaner seither im Sturm genommen
haben und das sie, wie man annimmt, schon
vollständig beherrschen, ist der Kunsthandel.

Wo jetzt von einer Kunstsammlung die Rede
ist, welche verkauft wurde, nimmt man von
vornherein an, dass sie von einem Amerikaner
erworben worden ist; wo in Versteigerungen
oder im Kunsthandel der Streit über ein wert-
volles Kunstwerk entbrennt, kann man ziem-
lich sicher sein, dass die Amerikaner als Sieger
daraus hervorgehen. Es ist aus mit der Hoff-
nung auf weitere Erwerbungen von hervor-
ragenden Kunstwerken für uns arme Europäer,
so urteilt man jetzt fast allgemein diesseits des
atlantischen Meeres. Ist dies wirklich der Fall ?
ist es nur annähernd richtig? und ist die Ge-
fahr überhaupt eine so grosse, wie man glaubt?
Die amerikanische Konkurrenz im Kunst-
handel ist keineswegs erst von heute oder
gestern: sie besteht schon seit mehreren Jahr-

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