Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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MAX LIEBERMANN GEZ.

CHRONIK

BERLIN

ER Salon Schulte brachte eine
Ausstellung von etwa fünfzig
Arbeiten Peter Severin Kro-
yers, mit Porträts von Holger
Drachmann, Brandes, Björn-
son, mit Studien zu seinen
grossen Gruppenbildern und
Bildern aus seinem Hause. Am
meisten wirkte das „Frühstück", links mit dem halb
vom Rücken gesehenen Künstler, während rechts
der Freund und in der Mitte die anmutigeFrau sitzt.
Ausserdem waren Bilder von Herkomer, W.L. Leh-
mann, L. von Senger, G. Wenrzel, Käthe .Münzer
und F. Klein-Chevalier ausgestellt. Jetzt weist der
Salon eine Sammlung F. A. von Kaulbach auf,
Bilder vonNiemever und Radierungen von Munch.
Bei Keller und Reiner sind von Klinker aussre-
stellt der Beethoven, die von früher bekannte
kleine Gruppe der Leda, die in eine Wand ein-
gelassen ist und die ucch nicht bekannte Büste
Nietzsches, welche mit der Einrichtung des
Nietzsche-Archivs in Weimar, das im Dezember
eröffnet wird, in Verbindung steht. (Siehe Abb.)
I ™"stlcrhame sind Kinder in einem holländi-
schen Waisenhausc von Uhde, Bilder von Franz
• Leimach, Barrels, Schuster-Woldan, Walter
nor, Laszld, Gilbert v. Canal, Leo Putz, C. Lang-
nammer, Schlabitz, Seiheis, Engelhardt, Thierbach,
„e.r'1 Ioc,b O. H. Engel, C. Fehr und Adam Kuntz.
liei Wertbaw sind Bilder von Luden Simon,
Mottet und C. Menard, R. Ullmann, Andre Dau-

chez, Blanche und Felix Borciiardt. — Im Salon
Caspersieht man Werke von Emile Boulard, Gros-
venor Thomas, Skarbina, Liebermann, Barrels,
Stuck, Kuehl, Diaz, Emile Claus, van Gogh, Wil-
helm Schultz, de la Gandara, Lenbach und einen
Kopf in überlebensgrossem Format, den Menzel
im Jahre 1846 gemalt hat.

In der neueröffneten Schwarzweissaussrellung
Amclang sind Radierungen, Lithographien und
Zeichnungen von Menzel ausgestellt, unter ihnen
das Vaterunser und der Christus im Tempel, ferner
Blätter von Knaus, von Meyerheim, von Otto
H.Engel, von Ribarz, Hans Hermann, Langhammer,
R. Thimäus, H. Zille, Theodor Meyer-Basel.

Mit kühler Gleichgültigkeit hatten wir die Photo-
graphien nacli Klingers Beethoven an uns vorüber-
gehen lassen und uns gesagt: das ist der berühmte
Beethoven? mehr ist es nicht? Wir fassren den
Taumel nicht, der die Menschen ergriffen hatte,
denen das Bildwerk im Original entgegengetreten
war. Als wir aber von der Estrade bei Keller und
Reiner in dem grauverhängten Saal den vorzüg-
lich aufgestellten Beethoven erblickten, wie er,
das Haupt gebeugt, die Hände in einer packenden
Geste des machtvoll Schaffenden auf die Knie
gestützt, unter dem gedämpften Lichte dasass, ent-
stand ein Eindruck, wie wir nach der Photographie
nicht gedacht hatten, dass wir ihn erhalten würden.
Wie weit diese Wirkung von der Suggestion, dem

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