Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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Limit überstiegen. Ein flandrischer Gobelin aus
dem 16. Jahrhundert, eine figurenreiche Darstel-
lung, brachte 61 ooo Fr., eine zweite, nach einem
Entwurf von van Orley, vorzüglich erhalten,
46 000 Fr. Sonst wären noch folgende Preise zu
erwähnen: Darstellung einer Jagd in Email von
Limoges, in Form eines Hauses, Arbeit des 1 3.Jahr-
hunderts, 11 100 Fr., gemalte Emailleplatte, Limo-
ges, vonJean Penicaud, Einzug Christi in Jerusalem,
Arbeit des 16. Jahrhunderts, 16 000 Fr., Hierony-
mus-Statue, Marmor, italienische Arbeit des
16. Jahrhunderts, 10800 Fr., zwei grosse figürliche
Bronze - Kandelaber, Italien, 16. Jahrhundert,
19 yoo Fr., französische Tapisserien, 1 J.Jahrhun-
dert, 21 000 Fr., eine französische Tapisserie aus
dem Anfang des 16. Jahrhunderts, mit einer Dar-
stellung von sechs mit verschiedenen Spielen be-
schäftigten Personen, 36000 Fr. — Man darf der
Versteigerung des zweiten Teiles der Sammlung,
die die wichtigeren Werke enthält und die Ende
April stattfinden wird, mit der grössten Spannung
entgegensehen. —

Bei einer Versteigerung, auf der der Nachlass
der Witwe Braquenis zum Verkauf kam, erregten
12 dekorative Malereien von Claude Audran das
meiste Aufsehen. Diese Malereien dienten den
grossen Teppichwebereien von d'Aubusson, die
sich im Besitz der Familie Braquenic befinden, als
Modelle und es wurden nach ihnen verschiedene
Serien angefertigt „Monate und Götter". Der
Preis der Bilder war 42 000 Fr. —

In der Galerie Georges Petit findet eine Aus-
stellung von 100 Werken von Boudin, Lepine,
Jongkind, Sisley statt. Die Sammlung ist aus Privat-
besitz zusammengestellt und es erwecken in ihr
eine Anzahl Sisleys ungewöhnliches Interesse. —

Der zweite Teil der Sammlung j apanischer Kunst
Hayashi kam im Hotel Drout in den Tagen vom
16—21. Februar zurVersteigerung. Einzelne Preise

der Hauptstücke werden wir in der nächsten Num-
mer bringen.

NEWYORK

Auktion der Sammlung Henry Marquand. Von
A. von Pettenkofer, Der Karren der Verwundeten,
2500 Dollar, G. Romney, Das schüchterne Kind,
7800 Dollar, Reynolds, Porträt der Mrs. Stanhope,
7900 Dollar, John Crome, Laubwald mit Fluss,
8800 Dollar, G. Romney, Porträt der Mrs. Wells,
ij joo Dollar, John Constable, Das Thal von
Dedham, 13 700 Dollar, J. Hoppner, Porträt der
Mrs. Gwyn, 22 200 Dollar. Den grössten Preis
erzielte das bekannte Bild von Alma-Tadema, eine
Vorlesung aus Homer mit 30300 Dollar, während
einige kleinere Werke aus der Schule von Fontaine-
bleau mit 2—3000 Dollar bezahlt wurden.

In der Auktion Warren wurden die Bilder der
Schule von 1830 sehr hoch bezahlt. Die „Hirtin"
von J. F. Miller brachte 177 500 Fr. Dieses
Bild war 18 54 durch den Künstler anHerrn Letrone
verkauft worden; 1859 figurierte es auf dessen
Auktion unter dem Titel „Tricoteuse". Wieder
erschien es 1877 auf der Auktion Diaz, bei der es
für 6200 Fr. versteigert wurde. Im Jahre 1888
ergab es auf der Vente Spencer 37 500 Fr. Die
Steigerung war mithin eine stetige. Eine Zeichnung
Millets brachte 18000 Fr.; sie war in der Ver-
steigerung Gavet 187 y für 2800 und auf der Ver-
steigerung Marmontel 1883 für 11 000 Fr. ver-
kauft worden. — Weitere Preise der Auktion
Warren waren: Corot, Orpheus und Eurydice
107 500 Fr. Diaz, la descente des Bohemiens
68yoo Fr. (Das Bild brachte 1889 in der Vente
Secretan 33 000 Fr.) Die „Ankunft am Brunnen"
von Millet brachte 23 000 Fr., eine Landschaft
vonTh. Rousseau 22000 Fr., Sonnenuntergang von
Duprei j 000 Fr., Flussufer von Daubigny 297 50 Fr.

ZEITSCHRIFTENSCHAU

In der Deutschen Revue spricht der Graf Schön-
born, ehemaliger österreichischer Justizminister,
von seinen Begegnungen mit hervorragenden
Männern und kommt zu Erinnerungen an Meisso-
nier, Führich und Hans Makart. Von Makart er-
zählt er die Äusserung:

„Wenn ich eine Komposition mache, die einen
historischen Vorgang darstellen soll, so sehe ich
beimNachdenken imSpiegel meines geistigen Auges
zunächstkeineFiguren,sondernLicht-undSchatten-
partien. Diese ordne ich koloristisch an und in
die Licht- und Schattenpartien müssen dann die
Figuren hineingepasst werden."

Es ist kaum möglich,MakartsKunstbesser zu kenn-
zeichnen. Und uns kommt die Erinnerung an d ie Ge-
rüchte, die über Hans Makarts „Dummheit" um-
gingen, und wie man sich darüber aufhielt, dass er
nicht reden konnte! Hat man nicht Unrecht ge-
habt? Der grosse Schweiger, wie Hans Makart von
seinen Verehrern genannt wurde, ist sich über sich
selbst jedenfalls klar gewesen. Denn nichts könnte
charakteristischer und witziger gefunden werden
als jene Äusserung, die er über sich und zwar
selbst im Irrsinn that: es käme ihm so vor als wenn
sein Kopf ein Farbenkasten wäre, als wenn sein
Kopf keine Ideen, sondern Farben enthielte. Er

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