Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 5.1907

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zu erinnern. In diesem Museumssaal lassen sich die
starken Metallkörper nur halb verteidigen, die
Verhältnisse von Wand und Paneel, von Stuckplastik
und Raumgrösse sind nicht rein und das Ganze ist
im gewissen Sinne nur Experiment. Aber in diesem
merkwürdigen Produkt einer auf Stilbildung ge-
richteten Einbildungskraft ist Zukunft. An den
unendlich differenzierten plastischen Schwellungen,
an dem Formenreichtum der Stuckkörper entzündet
sich die Phantasie; Dekorateure und Tektonen
können von den ausdrucksvollen Linienführungen
und Formverbindungen neue Entwürfe herleiten;
dem Maler werden fruchtbare Gedanken über die
Möglichkeiten einer modernen Monumentalmalerei
kommen, vor diesem zur Hälfte missglückten Ver-
such eines Zusammenarbeitens van de Veldes mit
Ludwig von Hofmann; und die Architekten finden
in diesem Raum embryonisch gethan, was als In-
stinkt und Mahnung stets ihr praktischeres und
erfolgreicheres Schaffen begleitet. Nein, Architekt
ist van de Velde vielleicht nicht mehr als er
Handwerker ist. Aber trotzdem: wäre ich Fürst,
ich stellte ihm eine monumentale Aufgabe nach der
andern. Alle würden sie dann kommen, die Aka-
demiker und Sezessionisten, die Maler, Bildhauer,
Baumeister, Handwerker, Literaten und Laien und
alle würden einträchtig, im Diskant oder Bass, ihre
Entrüstungslitaneien anstimmen. Alle aber würden
auch gegen ihren Willen bereichert werden und
in den Werkstätten der Höhnenden würde der
Same dann aufgehen.

Man könnte diesen eintönigen Universalisten, alle
seine Fähigkeiten zusammenfassend, einen genialen
Ornamentiker nennen. Nur darf man dann nicht
einen Augenblick vergessen, dass sich aus diesem
Ornament Bauglieder haben machen lassen und ein
Möbelstil, gewerbliche Details und Interieurs,
Buchzeichnungen und monumentale Räume. Es
liegt keimhaft eine Idee darin, ausdehnungsfähig
wie das Leben und auch ein Irrtum, gefährlich
wie die Willkür. Dieses Ornament ist eine Baga-

telle absolut betrachtet; aber es stellt sich auch als
eine Zelle dar, die zum Mikrokosmos werden kann.
Es ist subjektivisch gefesselt und strebt doch zum
Objektiven im höchsten Sinne. Der Unwissende
sieht darin nichts als eine Handschrift; der Erken-
nende erblickt hinter den Linienzügen eine faustisch
arbeitende Seele. Von diesem Ornament hat sich
bereits eine grosse Kulturbewegung genährt und
es ist nicht abzusehen, was daraus noch werden
kann. Dass es nicht Willkür ist, sondern ein
Gebilde der Notwendigkeit, beweisen die nicht
durch Nachahmung entstandenen Beziehungen.
Obrist ist der nächste Geistesverwandte van de
Veldes; nur erlebt er ein noch härteres Schicksal als
der Belgier, weil er, der abstrakte Erfinder und
der Anreger des neuen Münchener Kunstgewerbes,
von dessen Erfolgen vollständig ausgeschlossen
worden ist.

Wenn van de Veldes Werke nicht bleiben soll-
ten, so wird doch sein Name gewiss nicht ver-
löschen. Die Geschichte rechnet Geister wie ihn
zu ihren lieben Kindern, weil solche Naturen den
Samen der Idee in ihren gebärfreudigen Schoss
versenken, damit sinnlich schönes Leben daraus
werde. Was van de Velde geschaffen hat, war vor-
her nicht einmal vorstellbar und ist nun nicht
wieder aus der Zeit fortzudenken. Während wir
es zweifelnd oder zustimmend, aber immer debat-
tierend betrachten, gewahren wir in uns selbst neue
Eigenschaften und Fähigkeiten der Empfindung und
lernen uns selbst von einer neuen Seite kennen.
Darin liegt aber das Kriterium des Bedeutenden,
Fortwirkenden. Mag man in van de Velde einen
Erfinder sehen oder einen Künstler, einen Stilbildner
oder Manieristen, einen Begeisterten oder Mono-
manen, einen Griechen oder Amerikaner, mag er
an die Figur des Brand in Ibsens Tragödie erinnern,
an einen Geistreichen der Salons, oder an alles
dieses zugleich — das Eine steht fest: er wirkt neues
Leben. Dasheisst: er erfüllt die höchste Bestimmung
aller Kunst.

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