Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 5.1907

Page: 257
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1907/0276
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DAS LITHOGRAPHISCHE WERK
HENRI DE TOULOUSE-LAUTRECS

VON

A. W. HEYMEL

I. Biographisches.

as letzte Wort über den Maler
Lautrec ist noch nicht gesprochen.
Seitdem Durand Ruel kurz nach
dem Tode des Künstlers eine reich-
haltige Ausstellung gemacht hat,
sind die Bilder schwer zugäng-
ich. Sie sind bei Lautrecs Verwandten und bei
Amateuren wie versteckt. Einige sieht man bei den
Kunsthändlern derRue Lafitte; manche mögen noch
dort in den Kellern liegen. Andere sind an zugäng-
lichen, aber dem gesitteten Bürger nicht immer
sympathischen Orten. Eine retrospektive Aus-
stellung, die einmal kommen muss, wird erweisen,
ob wir Recht haben, wenn wir in Lautrec eins

der stärksten malerischen Temperamente im letzten
Viertel des neunzehnten Jahrhunderts sehen, und
wird vielleicht Die überzeugen, die allzu akade-
misch in den Dokumenten dieses Malgenies nur die
Anlage bewundern wollen. Lautrecs lithographisches
Werk aber, das als seine grösste Leistung angesehen
wird, liegt geschlossen vor und ist in diesen Wochen
im Kunstsalon von Gurlitt in Berlin ausgestellt.

Das Leben Henris de Toulouse-Lautrec-Monfa,
der im Jahre i 864 zu Albi als Sohn einer sehr alten
französischen Grafenfamilie geboren wurde, ist
an äusseren Geschehnissen fast arm. In frühester
Kindheit tritt das Schicksal, wie bewusst, taktlos an
ihn hinan; es zerschlägt dem kleinen Jungen beide

»57
loading ...