Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 5.1907

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FRANCESCO DA SANT'

VON

WILHELM BODE

AGATA

ie Thätigkeit der Paduaner
Bronzekünstler des Quattro-
cento, vor allem die des
Riccio, reicht weit Iiinein
in das Cinquecento, das in
der Malerei des nahen Ve-
nedig schon fast mit seinem
Beginn den neuen Stil her-
aufführt. Wie Riccio in seinen späteren Werken
davon nicht unbeeinflusst blieb, so zeigen andere,
wohl nur wenig jüngere Paduaner Meister die neue
Kunst schon in ausgesprochenerer Weise, aber noch
mit charakteristischen Eigenschaften des Quattro-
centostils gemischt.

Der hervorragendste unter diesen Künstlern ist
Francesco da Sant' Agata, den wir allein kennen
dank einer gelegentlichen Erwähnung durch einen
zeitgenössischen Schriftsteller, und dessen bezeich-
netes, von jenem Zeitgenossen erwähntes Haupt-
werk uns zufällig erhalten ist. Das von ihm ge-
sicherte Werk ist die Buchsstatuette eines Herkules,
am Sockel bezeichnet: OPVS. FRANCISCI. AVRI-
FICIS. P. Bernardino Scardenone beschreibt sie in
seinem Buche „De antiquitate urbisPatavii" als „Her-
culeum buxeum Francisci argentarii Patavini" im
Besitze des Marc' Antonio Massimo in Padua und
als ein Wunderwerk würdig eines Polyklet und
Phidias. Der Künstler, den er Francesco da Sant'

Agata nennt (wohl nach dem Stadtviertel, in dem
jener wohnte), habe dieses sein Meisterwerk, das
angeblich auf hundert Dukaten geschätzt werde, im
Jahre 1520 „per ocium, ut audio" geschnitzt. Dies
ist alles, was wir über den Künstler wissen (der
Versuch Dr. v. Fabriczys, ihn mit einem Francesco
di Giuliano aus Verona zu identifizieren und der
Veroneser AdelsfamiJie Sant' Agata zuzuweisen,
ist als misslungen anzusehen); und doch ist dies
Wenige unschätzbar nicht nur für die Kenntnis
eines der interessantesten Kleinmeister der Renais-
sance, sondern für das Verständnis der Kleinplastik
dieser Zeit überhaupt.

Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, dass
von diesem Buchsherkules Bronzewiederholungen
vorhanden sind; die eine im Ashmolean-Museum zu
Oxford, die andere, geringere, im Louvre. Freilich
stimmen diese Bronzen nicht genau mit der Buchs-
figur überein. Dass die Formen einfacher und breiter
behandelt sind, brachte schon die Verschiedenheit
des Materials mit sich; aber auch der Kopf ist ver-
schieden: er zeigt ältere Züge, einen breiten Voll-
bart und einen Blattkranz auf dem Haar, während
wir in der Buchsstatuette einen eben zum Manne
gereiften athletischen Jüngling mit krausem Haar und
keimendem lockigen Vollbart erblicken. Die Buchs-
figur kann also nicht einfach abgeformt sein zur
Herstellung der Bronzen, sondern diese sind sehr

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