Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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Bücherschau. — Nekrologe. — Wettbewerbe.

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dient gemacht hat und dessen Energie und rastloser
Thätigkeit auch ihr vorzügliches Gelingen zuzuschreiben
ist. Hofstede de Qroot gehört neben Bode und Bre-
dius zu den besten Rembrandtkennern unserer Zeit
und wird in dem die Publikation begleitenden
Text uns sicher viel Neues und Interessantes mit-
zuteilen haben, als Ergebnis seiner vergleichenden
Forschungen auf der Ausstellung.

Mit der Auswahl der Abbildungen kann man
sich im grossen und ganzen nur einverstanden er-
klären. Es fehlen nicht die Hauptwerke wie die
„Nachtwache", die „Staalmeesters" und die „Juden-
braut", und auch unbekanntere, noch nicht reprodu-
zierte Bilder, wie z. B. der „polnische Reiter" und
das herrliche Selbstporträt des Lord Iveagh, sind der
Sammlung einverleibt worden. Wir wollen nicht ver-
gessen zu erwähnen, dass die Photogravüren nach
neuen, eigens für diese Publikation gemachten Auf-
nahmen hergestellt sind, und es ist zu hoffen, dass
besonders die ausserordentlich günstige Aufstellung
der Nachtwache auch in der Reproduktion zur vollen
Geltung kommt. u. TH.

BÜCHERSCHAU.

Die Vereinigung bildender Künstler Österreichs (Wiener
Secession) hat sich im vergangenen Jahre durch Gründung
einer neuen Kunstzeitschrift unter dem Titel „Ver sacrum"
(der heilige Frühling) und durch eine interessante erfolg-
reiche Ausstellung im eigenen neuerbauten Hause rasch be-
kannt gemacht. Der neue Wiener Künstlerbund zählt eine
Reihe begabter und thatkräftiger Männer zu den Seinen.
Die künstlerischen Opfergaben, welche die Mitglieder der
Vereinigung ihrem „Kunstfrühling" weihen, sollen in der
Zeitschrift „Ver sacrum" auch fernerhin dem kunstsinnigen
Publikum dargeboten werden; die Zeitschrift selbst erscheint
von jetzt ab in dem Verlage von E. A. Seemann in Leipzig.

NEKROLOGE.

f Stuttgart. — Am 23. Januar starb der Historienmaler
German von Bohn. Er wurde am 25. Februar 1812 in Heil-
bronn geboren, studierte zuerst Jura, ging aber 1833 zur
Malerei über und wurde 1835 in Paris Schüler von Heinrich
Lehmann und Ary Scheffer. 1840 ging er nach Rom, lebte
1843 bis 1867 wieder in Paris und seitdem als Hofmaler in
Stuttgart. Napoleon III. ernannte Bohn 1852 zum Ritter
der Ehrenlegion. Sein erstes Gemälde „Der Tod der Kleo-
patra" (1840) befindet sich im Museum in Nantes, in Rom
malte er sein bekanntes Bild „Hagar und Ismael", in Paris
schuf er Wandgemälde in den Kirchen St. Roch und Ste.
Elisabeth, in der Kathedrale von Tours den hl. Martin. In
der Stuttgarter Zeit entstanden zahlreiche Bilder, darunter
das Ständchen (nach Uhland) und die hl. Elisabeth.

WETTBEWERBE.

Stettin. — Ein engerer Wettbewerb für die Ausschmückung
des Ständehauses durch ein Gemälde, darstellend die Landung
des grossen Kurfürsten, war unter den Malern Hans Bohrdt,
F. Gehrke, W. Hamacher und Cornelius Wagner ausge-

schrieben worden. Mit der Ausführung wurde Cornelius
Wagner beauftragt. -u-

Haarlem. — Für die Konkurrenz um das Frans Hals-
Denkmal wurden 17 Entwürfe eingeliefert. Es erhielten den
ersten Preis Bildhauer H. A. Scholtz (Amsterdam), den
zweiten Preis Bildhauer Ch. van Wijk (Haag), den dritten
Preis Bildhauer Bart van Hove und Architekt W. Kromhout
(Amsterdam). -u-

Barmen. — In dem Wettbewerb um die Errichtung
zweier KaiserstandbUder in der Ruhmeshalle erhielten je
einen ersten Preis (2000 M.) Professor Gustav Eberlein
(Berlin) und Joh. Hammerschmidt (Düsseldorf), je einen
zweiten Preis (1500 M.) Emil Cauer (Berlin) und H. Künzler
(Berlin), je einen dritten Preis (1000 M.) Joh. Boese (Berlin)
und Martin Goetze (Berlin). -u-

Weimar. — Einen Wettbewerb zur Erlangung von Ent-
würfen für ein Liszt-Dcnkmal schreibt das Denkmal-Comite
für alle in Deutschland und Österreich-Ungarn lebenden
Künstler zum 1. November 1899 aus. Ausgesetzt sind drei
Preise von 2000, 1000 und 500 M. Als Aufstellungsort des
Denkmals ist ein Platz in dem von hohen Bäumen be-
schatteten Teil des Parkes angenommen, der an das Liszt-
Museum angrenzt. Für Ausführung und Aufstellung des
Denkmals sind 40000 M. vorgesehen. Die Figur ist in Laaser
Marmor gedacht. Dem Preisgericht gehören u. a. an die
Herren: Reinh. Begas (Berlin), Adolf Hildebrand (Florenz),
M. Klinger (Leipzig), v. Zumbusch (Wien), Graf v. Görtz,
Prof. Thedy und Prof. Fritj. Smith. -11-

Breslau. — Von den fünf Künstlern, welche zur Teil-
nahme an der Konkurrenz um das Bismarck-Denkmal auf-
gefordert waren, haben ablehnend geantwortet: Professor
Dr. Siemering, der sich überhaupt nicht mehr an einer
Konkurrenz beteiligt, und Professor Fritz Schaper, der er-
klärt, etwas Besseres als seine in München-Gladbach aufge-
stellte Bismarck-Statue nicht schaffen zu können. Es sind
nun folgende fünf Bildhauer aufgefordert worden: Professor
Adolf Brütt, Professor Joseph Uphues, Fritz Schneider, Peter
Breuer, sämtlich in Berlin, und Karl Hilgers in Florenz, die
ihre Teilnahme zugesagt haben. Die Modelle sind bis zum
15. Mai d. J. einzuliefern. Das Preisgericht bilden unter
dem Ehrenvorsitz des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen
und dem Vorsitz des Fürsten Hatzfeld-Trachenberg die
Herren: Oberbürgermeister Bender, Geh. Kommerzienrat
Moriz-Eichborn, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Förster,
die Stadtältesten v. Korn, Dr. med. Robert Krause, Porträt-
maler Krusemarck, Landesrat Schober, HandelsrichterStentzel,
Redakteur Wagner und Bankier Gideon v. Wallenberg-
Pachaly. -u-

Altona. — Zur malerischen Ausschmückung des Fest-
saales im Rathause ist ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben
worden unter den Malern: O. Markus und Ludw. Dettmann
in Berlin, Arthur Kampf Klein-Chevalier und Karl Becker
in Düsseldorf und Hans Olde in Seekamp bei Friedrichsort.
Zur Darstellung sollen folgende Scenen aus der Stadt-
geschichte gelangen: a) Anfänge der Stadt (Gründung, Er-
bauung des ersten Hauses, Belehnung mit dem Stadtrecht),
b) Scene aus der Zeit des Schwedenbrandes, c) Aufnahme
der aus Hamburg durch die Franzosen Vertriebenen im
Winter 1813, d) Ende der dänischen Herrschaft (Einzug der
deutschen Bundestruppen 1863). Die Skizzen sind mindestens
in ein Viertel der Höhe und Breite einzuliefern. Jeder
Künstler erhält 2000 M. Für die Ausführung ist ein Honorar
von 60000 M. (abzüglich dieser Entschädigung) zur Ver-
fügung gestellt. Einzuliefern bis 1. Mai 1899 an die Ge-
schäftsstelle der grossen Berliner Kunstausstellung. -u-
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