Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

Page: 197
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1899/0107
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
197

der allen Forschern, Kennern, Liebhabern und Samm-
lern ebenso willkommen wie unentbehrlich sein dürfte.
Derselbe enthält in der Vorrede einen kurzen Abriss
des Lebens und der Kunstthätigkeit Rembrandt's. Dann
folgt ein beschreibendes und erklärendes Verzeichnis
der ausgestellten Werke, nach fortlaufenden Nummern
und in der Hauptsache im Interesse des besuchenden
Publikums geordnet. Und diesem wurde ein chrono-
logischer Index, und endlich eine Liste hinzugefügt,
welche ein Namensverzeichnis der augenblicklichen Be-
sitzer aufweist. Wie aus den Erläuterungen ge-
schlossen werden kann, steht kaum zu erwarten, dass
der, jetzige Besitzstand sich erheblich ändert, denn
gerade die englischen Bilder bilden in der Mehrzahl
einen integrierenden Teil des Majoratseigentums der
grossen Familien.

Unter den 102 Ölbildern sind elf Selbstporträts
des Meisters vorhanden, in denen wir ihn zu allen
Perioden seiner Künstlerlaufbahn vor uns sehen. Das
frühest datierte derselben zeigt uns den jungen Rem-
brandt im Alter von 26 Jahren, während das letzte
aus dem Jahre 1665 stammt. Zwei Porträts sind im
Katalog ohne Jahreszahl angeführt, aber jedenfalls
müssen sie vor 1632 gesetzt werden. Aus dem Jahre
1633 weist der Index nur eine Arbeit, allein ein
Meisterwerk auf. Es ist dies das der Königin Victo-
ria gehörige Bild „Der Schiffsbaumeister und seine
Frau".

So wie in Amsterdam, so werden sich auch in
London in den kommenden Monaten die ersten Fach-
autoritäten ein Rendez-vous geben, und es kann wohl
mit Sicherheit angenommen werden, dass uns wiederum
durch Bode, Bredius, Hofstede de Groot und andere
Kunstgelehrte wichtige Beiträge zur Rembrandt-For-
schung beschert werden. o. v. SCHLEINITZ.

BÜCHERSCHAU.

f Kunstgeschichte in Bildern. Systematische Darstellung
der Entwicklung der bildenden Kunst vom klassischen
Altertum bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Abteilung III.
Die Renaissance in Italien. Bearbeitet von O. Dehio,
Professor an der Universität Strassburg. Leipzig, E. A. See-
mann, 1898.

Als eine gründlich neugestaltete, vermehrte und ver-
besserte Ausgabe der „Kunsthistorischen Bilderbogen", zu
denen die früheren Auflagen der Springer'schen Orundziige
der Kunstgeschichte als Text dienten, ist die «Kunstgeschichte
in Bildern" zu betrachten, von der uns als erste Probe der
dritte von Q. Dehio bearbeitete Teil »Die Renaissance in
Italien" vorliegt. Er zeigt uns auf 110 Foliotafeln eine Un-
zahl der hervorragendsten italienischen Kunstwerke, die uns
in der That einen vollständigen Überblick der Entwicklung
der italienischen Renaissancekunst bieten. Die Auswahl ist
vorzüglich getroffen und die Abbildungen stehen zum grössten
Teil auf der Höhe der modernen, so weit vorgeschrittenen
Reproduktionstechnik. Die «Kunstgeschichte in Bildern"
zeichnet sich gegenüber den früheren Ausgaben der „Kunst-
historischen Bilderbogen" nicht nur durch die bessere Aus-

198

stattung und den grösseren Umfang aus, sondern auch durch
die streng systematische Anordnung der Abbildungen —
Architektur, Skulptur und Malerei sind die drei gesonderten
Hauptabteilungen —, die es ermöglicht, mit Hilfe der bei-
gegebenen Register einzelne Stücke leicht und schnell auf-
| zufinden. Das gesamte Werk wird in fünf Teilen erscheinen,
der vorliegende inbegriffen, von denen die beiden ersten
das Altertum und das Mittelalter behandeln, während die
beiden letzten der Renaissance ausserhalb Italiens und der
Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts gewidmet sind. Bei
dem verhältnismässig billigen Preise wird die neue Publi-
kation gewiss viele Liebhaber finden.

f Zeitschrift für Bücherfreunde. II, 7. Velhagen &
Klasing.

Die Zeitschrift für Bücherfreunde, die wir schon zu
wiederholten Malen rühmend erwähnt haben, beginnt mit
Heft 7 den zweiten Band des laufenden zweiten Jahrgangs.
Auch dieses Heft zeichnet sich wieder durch gediegene, ge-
schmackvolle Ausstattung und interessante Artikel aus.
Dr. Franz von Weinitz eröffnet die Reihe .nit einer vor-
trefflichen Arbeit über den genialen Berliner Illustrator,
Theodor Hosemann, Fedor v. Zobeltitz bespricht die zahl-
reichen litterarischen Erscheinungen über die fabelhafte
Päpstin Johanna, welche seit dem 15. Jahrhundert bis in die
neuere Zeit auf dem Büchermarkt aufgetaucht sind, und
W. L. Schreiber beginnt eine umfangreichere Arbeit über
die Totentänze. Diesen grösseren, reich illustrierten Auf-
sätzen folgen einige kleinere Artikel. Professor Dr. A. Klette
ergreift das Wort über die Streitfrage des Geburtsjahres
Heinrich Heine's, Dr. J. Loubier behandelt «Französische
Originalzeichnungen für Wandteppiche aus dem XV. Jahr-
hundert", und Dr. A. Schulze „Eine neue deutsche Biblio-
graphie". Eine in vielfacher Beziehung anregende Chronik
schliesst das Heft ab. Als willkommene Beilage ist der
seinerzeit vielbesprochene, berühmte Brief in Faksimiledruck
beigegeben, den Bismarck über seine religiöse Stellung und
die bekannte Photographie, die den Fürsten mit Pauline
Lucca zeigt, an den Gutsbesitzer Herrn Andrae-Roman
schrieb. An Vielseitigkeit lässt also auch dieses Heft nichts
zu wünschen übrig. Dem verdienstvollen Unternehmen
wünschen wir einen gleich guten Fortgang.

f Sammlung Göschen Nr. 74 und 80. Die Baukunst
des Abendlandes von Dr. Karl Schaefer und Stilkunde
von Karl Otto Hartman/!.
Die kleinen uns vorliegenden Bändchen der beliebten
Sammlung Göschen sind sehr zu empfehlen. Es sind kurze
Leitfaden, welche in gedrängter Kürze unter Hervorhebung
des Hauptsächlichsten einen Überblick über den behandelten
Stoff geben. Die klare und übersichtliche Fassung des Textes,
den zahlreiche Abbildungen erläutern, macht die kleinen
Kompendien sowohl zum Selbststudium passend, als zum
Unterricht an höheren Lehranstalten, ihr Inhalt bietet auch
eine solide Grundlage für eingehendere Fachstudien.

„Vasari's tives of the Painters." London, George
Bell & Sons. Quartausgabe. Herausgegeben von E. H.
und E. W. Blashfield und A. A. Hopkins.
Der Text ist in der Hauptsache der von Mrs. Jonathan
Foster's Übersetzung (Bohn's Ausgabe) mit einigen ver-
besserten Stellen nach neueren Informationen. Gleichfalls
finden sich in dem Buche mehrere Originalaufsätze über
Vasari. Das Hauptverdienst der Arbeit besteht in den
zahlreichen Anmerkungen, in denen das Resultat der
neuesten Forschungen niedergelegt und zusammengefasst

Bücherschau.
loading ...