Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

Page: 389
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1899/0203
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
389

Wettbewerbe. — Denkmäler. —

Sammlungen und Ausstellungen.

390

Beispiele zur Anschauung zu bringen. Der nahe-
liegenden Gefahr, statt weniger guter Bilder viele
mittelmässige zu bekommen, ist man glücklich ent-
gangen. Die Durchschnittsqualität ist sogar sehr gut, ge-
rade weil der Strassburger Galerie der bei den meisten
mittleren Sammlungen sehr bedeutende Ballast der
mittelguten und mittelschlechten Bilder fast ganz fehlt.
Unter den 179 Bildern sind 45 Deutsche und frühe
Niederländer, 54 jüngere Vlamen und Holländer,
66 Italiener, 4 Spanier und 10 Franzosen.

Für die Anordnung war selbstverständlich der
Grundsatz massgebend, zusammen zu hängen, was
nach Entstehungszeit und Schule zusammen gehört.
Wer jemals eine ähnliche Aufgabe gelöst hat, wird
es begreiflich und entschuldbar finden, dass dieser
Grundsatz zuweilen durchbrochen wurde. Der Raum
gestattete vorläufig eine sehr lockere Anordnung mit
weiten Zwischenräumen. Nirgends hängen mehr als
zwei Bilder übereinander, wo es thunlich und nach
der Art der Bilder passend schien, wurde natürlich
die einreihige Aufhängung in Augenhöhe vorgezogen.
So erhält man im ganzen einen wohlthuenderen Ein-
druck als in den meisten älteren Galerien, wo aus
Platzmangel die Wände mit Bildern geradezu tapeziert
werden mussten.

Ein ausführlicher illustrierter Katalog wird dem-
nächst erscheinen. ERNST POLACZEK

WETTBEWERBE.

Chemnitz. — Wettbewerb um Entwürfe für die Erbauung
eines König Albert-Museums. Ausgesetzt sind drei Preise von
4000, 2000 und 1000 M. Das Preisgericht bilden die Herren:
Oberbürgermeister Dr. Beck, Stadtverordneten-Vorsteher
Justizrat Dr. Enzmann, Stadtbaurat Hechler, sämtlich in
Chemnitz, Geh. Hofrat und Baurat Professor Giese-Dresden,
Stadtbaurat Professor Licht-Leipzig, Professor Gabriel Seidel-
München und Baurat Professor Gottschaidt-Chemnitz. Ein-
zuliefern bis zum 1. Oktober d. J. bei dem Rate der Stadt
Chemnitz, der gegen 3 M. auch die Unterlagen versendet.

-u-

*, * Von der Berliner Kunstakademie. Bei der Bewer-
bung um den grossen Staatspreis, der in diesem Jahre für
Maler und Bildhauer im Betrage von je 3300 M. zu einem
einjährigen Studienaufenthalt in Italien ausgeschrieben wor-
den war, sind der Maler Franz Triebsch aus Berlin und
der Bildhauer Hans Everding aus Gelsenkirchen als Sieger
hervorgegangen. Letzterer, ein Schüler der Kunstakademie
in Kassel, ist auf der vorjährigen Berliner Kunstausstel-
lung für eine Gruppe „Achill mit dem Leichnam des
Hektor" mit der kleinen goldenen Medaille ausgezeichnet
worden. — Den für jüdische Bildhauer bestimmten Preis der
Michael Beer-Stif tung von 2250 M., ebenfalls zu einer Studien-
reise nach Italien bestimmt, erhielt der Ungar Alexander
Jaray.

Braunschweig. — Für das vor der Burg Dankwarderode
zu errichtende Denkmal Herzog Wilhelms sollen nach einem
beschränkten Wettbewerbe die Urheber der beiden besten
Entwürfe, die Bildhauer Professor Echtermeyer-Braunschweig
und Professor Manzel-Berlin zu einem engeren Wettbewerb
aufgefordert werden: -u-

DENKMÄLER.

Magdeburg. — Ein Standbild des Fürsten Bismarck,
mit dessen Ausführung nach einem engeren Wettbewerb
Professor Echtermeyer in Braunschweig gemeinsam mit dem
Architekten Professor Hermann Pfeifer ebendaselbst betraut
war, ist am 1. Mai enthüllt worden. Der Reichskanzler ist
in der Uniform der Halberstädter Kürassiere dargestellt.
Wegen der schnelleren Edelrostbildung ist die doppeltlebens-
grosse Figur in Kupfer getrieben. Unterbau und Denkmal
sind 9 m hoch, den ersteren schmückt ein mächtiger Adler,
der das Reichswappen, die Kaiserkrone, das Reichsschwert
und die Reichsverfassung schirmt. — Von Professor Echter-
meyer rührt auch ein Denkmal für Karl Immermann her,
dessen Thätigkeit als Bühnenleiter in Magdeburg durch die
Aufstellung des Denkmals im Stadttheatergarten die Stadt
ihren Dankeszoll darbringen wollte. Die Büste erhebt sich
über einem Wandbrunnen, dessen Wände Scenen aus dem
„Oberhof" schmücken. -u-

Bochum. — Von den für die Errichtung eines Kaiser
Wilhelm-Denkmals eingesandten Modellen ist dasjenige des
Bildhauers Clemens Buscher zur Ausführung bestimmt wor-
den. Die Gesamtkosten werden 75000 M. betragen, -u-

Schweidniiz. — Dem schlesischen Dialektdichter Max
Heinzel soll auf Veranlassung der „Dichterschule" ein Denk-
mal in Schweidnitz errichtet werden. Die erforderlichen
Mittel sollen durch öffentliche Sammlungen herbeigeschafft
werden. -u-

Joachimsthal. — Dem märkischen Dichter Brunold wird
in dem Städtchen Joachimsthal ein Denkmal errichtet, das
am 18. Juni d. J. feierlich enthüllt werden soll. -u-

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Graz. — Das Steiermärkische Landesmuseum wurde in
neuester Zeit durch eine Abteilung für kirchliche Kunst be-
reichert. Am schwächsten waren darin die Glasmalereien
vertreten, nur einzelne Fragmente von Glasfenstern, welche
anlässlich ihrer Restaurierung einigen steierischen Kirchen
entnommen waren. Diese Lücke im steierischen Kunst-
schaffen konnte vor kurzem durch Einreihung von neun
vollständig erhaltenen gotischen Glasgemälden aus der zum
Stifte Rein gehörigen Pfarrkirche Strassenengel ausgefüllt
werden. Das schöne, bei Gratwein an der Südbahn gelegene
Küchlein Strassenengel wurde in der Zeit von 1331 —1355
erbaut, während die Glasgemälde der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts angehören. Da die Kirche zur Verherr-
lichung des Marienkultus errichtet wurde, so geben die
Glasgemälde in dem Cyklus ihrer Darstellungen die Haupt-
momente aus dem Leben der Maria und ihres Sohnes
wieder. Sie sind von tiefer, sehr kräftiger Farbenwirkung,
die Figuren zeigen grosse Selbständigkeit in der Auffas-
sung und eine äusserst malerische Behandlung, der sich eine
reiche ornamentale Ausschmückung harmonisch anreiht.

-u-

Dresden. — In der Porzellansammlung hat Dr. E.
Zimmermann eine teilweise Neuaufstellung vorgenommen,
infolge derer eine Menge bedeutende Stücke so gut wie zum
erstenmal zu sehen ist. Es sind besonders japanische
Vasen u. s. w. aus älteren Perioden, die zum Teil unter
chinesischen versteckt, zum Teil an dunklen, schlechten
Plätzen aufgestellt, oder gar durch geringwertige Sachen
verdeckt waren.

Antwerpen. — Aus Anlass der Gedächtnisfeier zu Ehren
von van Dyck wird am 12. August d. J. im Neuen Museum
eine van Dyck-Ausstellung eröffnet werden. Am folgenden
loading ...