Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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angedeutet, im Grunde nur die Form, rühren nicht
an den Kern der Brandt'schen Arbeit, der ich, alles
in allem genommen, mein volles Lob nicht versagen
will. Ich fasse dasselbe zusammen in dem Wunsche,
mit dem ich hier am Schluss meiner Besprechung zu
ihrem Ausgangspunkt zurückkehre, dass so manche
andere Fragen der schleswig-holsteinischen Kunstge-
schichte, dass vor allem auch die übrigen nach ihrem
Leben und Schaffen grösstenteils noch so unbekannten,
bedeutenden Künstler des Landes, ein Henni Heidtrider,
Hinrich Ringeling, Andres Salgen, Jürgen Oower,
Theodor Allers und wie sie alle heissen, recht bald
eine gleich verständnisvolle, tüchtige und sorgfältige
Behandlung finden möchten. TU. HAMPE.

BÜCHERSCHAU,
f Galeriestudien. (Dritte Folge der Kleinen Galerie-
studien.) Von Dr. Theodor von Frimmel. Geschichte der
Wiener Gemäldesammlungen. Erster Band. II. Lieferung:
Die Kaiserliche Gemäldesammlung. Leipzig, Georg Hein-
rich Meyer, 1898.
In der uns vorliegenden zweiten Lieferung des ersten
Bandes der Geschichte der Wiener Gemäldesammlungen
giebt Frimmel eine gründliche und übersichtliche Darstellung
der Entwicklung und Entstehung der Kaiserlichen Gemälde-
galerie, die in den »Kunstkammern" ihre Vorläufer hat,
während ihre Wurzeln noch viel weiter zurückreichen, wenn
man will sogar bis zu Kaiser Karl IV.! Es ist eine ausser-
ordentlich schwierige und verwickelte Aufgabe, die der
Verfasser zu lösen hatte, aber er leitet uns mit sicherer Hand
durch die anfänglichen Irrwege auf festen Boden und
führt uns die wechselvollen Schicksale der berühmten Wiener
Sammlung bis auf die neueste Zeit, die zweite Umstellung
im neuen Hofmuseum, vor Augen. Es würde uns leider zu
weit führen, auch nur einen flüchtigen Überblick der Aus-
führungen Frimmel's hier zu geben, wir müssen uns damit
begnügen festzustellen, dass die Lektüre des Bändchens
äusserst fesselnd und lehrreich ist, und die neue Publikation
jedem Freunde der Wiener Sammlung, wie der alten Kunst
überhaupt, angelegentlichst zu empfehlen. Die nächste
Lieferung, die schon in kurzer Zeit erscheinen soll, enthält
den Schluss des ersten Kapitels, welches die Kaiserliche
Sammlung behandelt. Ein kritischer Gang durch die Galerie
ist uns dafür in Aussicht gestellt, der bei Frimmers gründ-
licher und umfassender Kunstkennerschaft jedenfalls unge-
mein interessant zu werden verspricht.

Rom. — Der eben erschienene 120 Seiten starke Katalog
der römischen Aufnahmen Andersons empfiehlt sich schon
äusserlich durch gediegene Ausstattung und beigegebene
Abbildungen aus dem Appartamento Borgia und einigen
Privatsammlungen Roms. Die Zahl der neuen Nummern
ist ziemlich erheblich. Das ganze Kircherianum ist photo-
graphiert worden — wenigstens alle einigermassen bemerkens-
werten Stücke —, zahlreiche Monumente aus den Kirchen
Roms, vor allem Grabdenkmäler und Altäre der Renaissance,
die Mosaiken in S. Pudenziana, San Lorenzo u. s. w. sind
der Sammlung eingefügt. In Kirchen wie Aracoeli, S. Maria
del Popolo, S. Clemente, Lateran und St. Peter ist heute
kaum noch ein Denkmal der Plastik und Malerei erhalten,
das Anderson nicht aufgenommen hätte. Dann ist die
Kollektion des Appartamento Borgia vervollständigt worden,
und vor allem wird uns jetzt eine unschätzbare Zahl von

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Details aus den Stanzen Raffael's geboten. In der Reihe
der römischen Privatgalerien erscheinen u. a. zum ersten-
mal die Verkündigung von Filippo Lippi und die Fresken
Guilio Romano's aus der Villa Gante, heute im Besitz von
Miss Harry Hertz. E. ST.

WETTBEWERBE.

Preisausschreiben der Stadt Venedig aus Anlass der
III. Internationalen Kunstausstellung vom 22. April bis
31. Oktober i8gg. Gefordert wird eine Abhandlung über
die Einrichtungen der Ausstellungen von Venedig im Ver-
gleich mit anderen grösseren italienischen und ausländischen
Ausstellungen und über ihr Verhältnis in geistiger und wirt-
schaftlicher Beziehung zur heutigen künstlerischen Produktion.
Ausgesetzt sind drei Preise von 1500, 1000 und 500 Lire.
Die Arbeiten können in deutscher, englischer, französischer,
italienischer oder spanischer Sprache abgefasst werden.

-u-

DENKMÄLER.

* „ * Auf dem Egidienplatz in Nürnberg soll ein Denk-
mal Kaiser Wilhelm1 s I. nach dem Entwürfe des Bildhauers
Prof. Eberle und des Architekten Prof. Buhlmann in München
errichtet werden. Der Prinzregent von Bayern hat jetzt seine
dazu erforderliche Genehmigung erteilt.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

f London. — Der kürzlich verstorbene Baron Ferdinand
von Rothschild hat seine ausserordentlich kostbaren und be-
deutenden Kunstsammlungen den Museen Londons hinter-
lassen.

f London. — Die Royal-Academy of arts hat als dies-
jährige Winter-Exhibition vom 2. Januar bis 11. März eine
Rembrandt-Ausstellung veranstaltet, die, in aller Stille vor-
bereitet, für weitere Kreise eine grosse Überraschung bildet.
Sie zählt im ganzen 208 Nummern und führt uns fast ebenso
viele Ölgemälde als Zeichnungen vor. Der Hilfe des Aus-
landes hat England, wenigstens was die Gemälde betrifft,
nur im geringsten Masse bedurft, um eine Ausstellung zu
Stande zu bringen, die der so vortrefflichen Amsterdamer
Rembrandt-Ausstellung des letzten Jahres wohl kaum nach-
steht, wenn auch Hauptwerke, wie die Nachtwache, die
Staalmeesters u. s. w. in London fehlen. Von den 102 Bildern
sind nämlich nur sechs vom Festlande entliehen, alle anderen
sind englischer Besitz. Wir werden auf die interessante Ver-
anstaltung noch ausführlich zurückkommen.

f Das Ferdinandeum in Innsbruck ist kürzlich um eine
Porträtstatue des 15. Jahrhunderts bereichert worden, die
nicht nur in künstlerischer Beziehung, sondern ganz besonders
auch durch das Material, in dem sie hergestellt ist, allge-
meine Beachtung verdient. Dr. Robert Stiassny, der die
zuständige Behörde auf das seltene Bildwerk aufmerksam
machte und dadurch die Erwerbung für das Tiroler Landes-
museum veranlasste, teilt in der Beilage zur Münchener All-
gemeinen Zeitung (Nr. 289 und 290 vom 21. und 22. Dezember
1898) näheres über die Statue mit, doch würde es zu weit
führen, ihm hier auch nur auszugsweise zu folgen. Wir
wollen nur verraten, dass es sich um eine lebensgrosse Votiv-
statue aus Wachs handelt — wohl das einzig bekannte er-
haltene Exemplar einer solchen und deshalb von besonderem,
kunstgeschichtlichem Wert —, die in den achtziger Jahren
des 15. Jahrhunderts entstanden ist und sich bis jetzt fast
vergessen in der Kirche des Dorfes St. Sigmund im Unter-

Bücherschau. — Wettbewerbe. — Denkmäler. — Sammlungen und Ausstellungen.
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