Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 10.1899

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.

HERAUSGEBER:

ULRICH THIEME und RICHARD GRAUL

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstrasse 15.
Neue Folge. X. Jahrgang. 1898/99. Nr. 33. 21. September.

Redaktionelle Zuschriften nimmt ausser Herrn Dr. U. Thieme, Leipzig, Erdmannstr. 17 auch Herr Dr. A. Rosenberg,
Berlin W., Heinrich Kiepertstrasse 84 entgegen.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den Sommer-
monaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende
Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. - Für Zeichnungen, Manuskripte etc., die unverlangt eingesandt werden, leisten Redaktion und Verlags-
handlung keine Gewähr. Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen ausser der Verlagshandlung die Annoncenexpeditionen von Haasen-
stein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

DIE JAPANISCHE ABTEILUNG DER KGL. POR-
ZELLAN- UND GEFÄSSSAMMLUNG ZU
DRESDEN.

Der Umstand, dass die diesjährige Deutsche
Kunstausstellung wohl noch manche Freunde und
Forscher der dekorativen Kunst in diesem Monat
nach Dresden ziehen wird, veranlasst mich schon
jetzt mit einem Resultate an die Öffentlichkeit zu
treten, dem bis zu seiner völligen Feststellung noch
lange Studien gewidmet werden müssen, hoffend dass
man nicht länger an obiger Sammlung als einer toten
wird vorüber gehen können: es handelt sich um die
Neubegründung und Neuordnung der japanischen
Abteilung.

Die keramische Sammlung Dresdens, an Zahl
wohl die bedeutendste, die es giebt, hat letzthin in
der Wissenschaft stark an Ruf und Bedeutung ver-
loren. Die ungünstige magazinartige Aufstellung der
alten wertvollen Sachen, der Mangel einer wissen-
schaftlichen, ja selbst ästhetischen Gruppierung machten
es jedem, der nicht für ein Specialstudium Wochen
zur Verfügung hat, unmöglich, von dem Inhalte und
Werte derselben sich eine zuverlässige Kenntnis zu
verschaffen. Dieser Übelstand besteht in der Haupt-
sache auch heute noch. Nicht von heute auf morgen
ist hier eine so fundamentale Umgestaltung zu er-
reichen. Aber dadurch, dass dem Verfasser das Ver-
trauen geschenkt worden ist, die Sammlung von Grund
aus wissenschaftlich durchzuarbeiten und danach neu
zu ordnen, ist die Aussicht auf eine Besserung von
massgebender Stelle aus eröffnet worden.

Als erstes Resultat dieser Arbeit liegt die Neu-
ordnung der japanischen Abteilung vor. Keine Ab-
teilung der Sammlung stand bisher bei den Kennern
so sehr in Verruf, als gerade diese, keine drückte

überhaupt bei der Bedeutung der japanischen Kunst
für die unsere des heutigen Tages das Niveau der
ganzen Sammlung so tief herab. Dies entbehrte unter
den gegebenen Verhältnissen nicht der Begründung.
Was hier als Japan in gedrängter Fülle ausgestellt
war, war nichts als jene jetzt so berüchtigte Massen-
exportware, mit der Japan im letzten Jahrhundert
Europa bei dem relativ tiefen Stande seiner Keramik
hatte beglücken können, für die uns heute jedoch,
wo wir die wahre eingeborene Kunst der Japaner
kennen, das nötige Verständnis fehlt. Kein gut ge-
leitetes Museum würde jetzt nach den meisten dieser
Dinge seine Hand ausstrecken. Nur als dekorative
Setzstücke für das Privathaus haben sie ihren Wert
noch nicht verloren. Der „Sammler«, der dekorative
Sammler wird sie noch lange begehren.

Doch ist die japanische Keramik der Kgl-
Porzellansammlung besser als ihr Ruf. Nur durch
ein Versehen ist sie zu diesem nicht gerade schmeichel-
haften Renommee gelangt. Bei genauer Durchsicht
der chinesischen Abteilung fanden sich auf Schritt
und Tritt japanische Erzeugnisse, bald stellte sich das
höchst erfreuliche Resultat heraus, dass durch einen
weit über ein Jahrhundert alten Irrtum gerade die
besten Stücke japanischen Ursprungs für chinesische
gehalten und als solche auch in der chinesischen Ab-
teilung ausgestellt worden sind, wo sie, einige hundert
an Zahl, zwischen den ebensoviel Tausenden chine-
sischen Ursprungs bei der gedrängten Aufstellung
der ganzen Sammlung völlig verschwanden. Die
Tradition weiss nur zu berichten, dass der verstorbene,
um die Erforschung der ostasiatischen Keramik so
hochverdiente Sir Wollaston Franks vom Britischen
Museum hiervon schon eine Ahnung gehabt. Auf
seine Anregung hin hatten schon einige wenige der
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