Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 14.1903

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Nekrologe — Kongresse — Wettbewerbe —

Vereine — Sammlungen und Ausstellungen 132

bung«. Es sind damit grosse Formate vermieden und
doch das vergleichende Einzelstudium ermöglicht. Hierbei,
wie bei der Auswahl überhaupt, ist das Bestreben sichtbar,
nicht nur auf die Liebhaber , sondern vor allem auf die
Forscher Rücksicht zu nehmen, so mit den Einzelaufnahmen
der »Speisung der Armen« des Braunschweiger Monogramm-
meisters und anderes mehr. Die Aufnahmen stehen den
früheren völlig gleich, sind in der Mehrzahl bei aller
Weichheit und Wärme des Tones doch scharf und detail-
liert, wie das besonders manche Landschaften, z. B. die
Ruinenlandschaft von Paul Bril, die Gebirgslandschaft von
Keirincx und anderen mehr erkennen lassen. Es ist
erfreulich, dass die Firma Bruckmann, die bestrebt ist,
möglichst schnell die grösseren deutschen Sammlungen in
dieser Form zu publizieren. Bei Korrektur dieser Zeilen
geht uns der Katalog der Bruckmann'schen Pigmentdrucke
nach Gemälden der Königlichen Galerie zu Dresden zu.
Nicht weniger als 1320 Blatt, also mehr als die Hälfte des
ganzen Bestandes dieser wichtigen Galerie sind nach Aus-
wahl der Direktion aufgenommen. Der zarte, warme Ton
der Pigmentdrucke kommt ganz besonders den Werken
der vlämischen und holländischen Schule zu gute, an denen
die Dresdner Sammlung so reich ist. Dafür täuscht er
uns bei manchen Werken, die mehr gezeichnet als gemalt
sind, eine dem Originale fremde Tonschönheit vor. Auch
eine Reihe von Bildern des 19. Jahrhunderts sind repro-
duziert, Liebermann, Karl Vinnen, Liljefors und Meunier
eingeschlossen. sch.

NEKROLOGE
In Wien verstorben ist im vorigen Monat der Maler Pro-
fessorjulius Berger (geb. 1850 in Neutitschein), der allgemein
bekannt geworden ist, durch sein 151 Meter langes Decken-
gemälde im Goldsaale des Kaiserlichen Hofmuseums in
Wien. Es stellt die Mäcene der bildenden Künste im
Hause Habsburg dar.

KONGRESSE
Athen. Der ursprünglich für das nächste Jahr geplante
internationale Archäologcnkongress zu Athen wird allem An-
schein nach eine Verschiebung in weitere Ferne erfahren.
In der letzten Sitzung der griechischen archäologischen
Gesellschaft wurde von den meisten Mitgliedern hervor-
gehoben, dass innerhalb der anfänglich gesetzten Frist die
Vorarbeiten, die ein Gelingen des Kongresses gewährleisten
könnten, nicht durchführbar seien. Dahin gehören in erster
Linie die Restaurierung des Tempels von Phigaleia, des
Löwen von Chaeronea, des Erechtheions, ferner die
Säuberung des Tempelbezirks des Olympischen Zeus in
Athen, die Durchführung der gegenwärtig begonnenen
Ausgrabungen in Samos und anderen Orten. Einige dieser
Arbeiten werden voraussichtlich noch zwei Jahre in An-
spruch nehmen. Von diesem neuesten Beschluss der
Archäologischen Gesellschaft ist auch der Ehrenpräsident
des geplanten Kongresses, Kronprinz Konstantin, in Kennt-
nis gesetzt worden; seine Entscheidung steht noch aus.

(Voss. Ztg.)

WETTBEWERBE
Wettbewerb um Wandschulbilder für Österreich.

Wie die Teschener Silesia mitteilt, hat die Direktion der
k. k. Hof- und Staatsdruckerei in der Wiener Zeitung vom
23. November d. J. eine Konkurrenz-Ausschreibung für
künstlerische Entwürfe zu Wandtafeln für Volks- und Bürger-
schulen veröffentlicht. Diese Wandtafel-Unternehmung,
deren Details die Ausschreibung kennzeichnet, verfolgt den
Zweck, der Volks- und Bürgerschule einen Bilderschatz an

die Hand zu geben, welcher dem Anschauungsbedürfnis
der Kinder entgegenkommt und diese Absicht in einer
Form zu erfüllen sucht, welche den Kunstsinn erweckt und
das Kunstverständnis befördert. Das Unternehmen wird
sich nicht darauf beschränken, lediglich lehrhafte Blätter
zu bringen, welche in einem den Anforderungen der Kunst-
erziehung angepassten Gewände erscheinen werden, sondern
es sollen auch reine Kunstblätter teils in Originaltafeln,
teils in Reproduktionen nach schon bestehenden Kunst-
werken hergestellt werden. Zu diesem Zwecke hat sich
die Staatsdruckerei die Mithilfe der Gesellschaft »Lehrmittel-
Centrale« gesichert, welch' letztere durch ihre über das
ganze Reich verbreitete Organisation den Zusammenfluss
aller Erfahrungen und Wünsche darstellt, die sich dem
Lehrer durch den täglichen Verkehr mit den Schülern er-
geben, und daher in der Lage ist, einen klaren Einblick
in das thatsächliche Bedürfnis der Schule zu vermitteln.
Die öffentliche Konkurrenz-Ausschreibung soll dazu dienen,
die ganze Künstlerschaft für das Unternehmen zu inter-
essieren und so die Möglichkeit zu schaffen, die geeignet-
sten künstlerischen Kräfte zur Führung des ausgedehnten
und vielseitigen Werkes heranzuziehen. Aber nicht nur
der Schule allein will dieses Unternehmen dienen, vielmehr
soll auch dem Kunstbedürfnis des Volkes Rechnung ge-
tragen werden. In der Reihe der Tafeln wird sich eine
grössere Anzahl solcher finden, die als Wandschmuck im
Hause geeignet sind, dem Volke künstlerische Nahrung zu
bieten, um auch auf diesem Boden Sinn und Liebe für
die Kunst zu erwecken und das Gefühl für das Schöne
auszubilden.

VEREINE

Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen.

In der Ausschusssitzung wurden die satzungsgemäss all-
jährlich vorzunehmenden Wahlen für den Verwaltungsrat
gethätigt und die nach dem Turnus ausscheidenden Herren
Fabrikbesitzer Gustav Bloem, Rentner Werner Dahl und
Professor Christian Kröner wiedergewählt. Ebenso wurde
das Amt des ersten Vorsitzenden Regierungsrat a. D.
v. Wätjen und des stellvertretenden Vorsitzenden Geheimen
Kommerzienrat Quack-M.-Gladbach wiederum übertragen.
Das Amt des Schatzmeisters behält Fabrikbesitzer Gustav
Bloem. Für die Herstellung eines grösseren Wandgemäldes
in der Schifferbörse zu Ruhrort bewilligte der Ausschuss
eine Beihilfe von 15000 Mark; desgleichen zur Beschaffung
eines Gemäldes für den Saal des Kreishauses zu Ottweiler
einen Zuschuss von 2000 Mark. Die Förderung von monu-
mentalen Kunstwerken bleibt das vornehmste Ziel der Be-
strebungen des Rheinisch-Westfälischen Kunstvereins.

(Köln. Ztg. 25. 11.)

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN

Berlin. Der letzte Tag der Klinger-Ausstellung bei
Keller & Reiner gestaltete sich zu einer wahren Wallfahrt;
es kamen auch Schüler höherer Anstalten, denen die Aus-
stellungsleitung Vorzugskarten gespendet hatte, in grosser
Zahl herbei, das Werk des Leipziger Meisters zu sehen.
Eine solche Massenhuldigung bei einem einzelnen Werke
ist eigentlich eine ganz ungewöhnliche Erscheinung. Die
Abrüstungsarbeiten zu beobachten, hatte sich auch Excellenz
von Menzel eingefunden. Max Klinger beaufsichtigte das
Auseinandernehmen und die Wegschaffung seines Werkes.

Berlin. Um den Abendbesuch im Kunstgewerbe-
museum zu heben, werden die Werkstätten und Lehr-
anstalten mit kunstgewerblichem Betriebe durch Karten
aufgefordert, ihren beteiligten Kräften den Genuss dieser
Neuerung zukommen zu lassen. Die Direktion des Kunst-
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