Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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NORDISCHE FREILUFT-MUSEEN

VON H. E. v. BERLEPSCH-VALENDAS
(Fortsetzung)

REICHHALTIG und bedeutungsvoll sind die Bau-
tenmuseen Norwegens. Der älteste derartige Ver-
such, die aus Telemarken nach dem Süden des
Landes versetzte Häusergruppe von Frognersäteren bei
Christiania, verdankt seine Entstehung der Liebhaberei
eines Privatmannes, der nicht anstand, Änderungen ein-
treten zu lassen, wo solche seinem persönlichen Bedürf-
nisse entsprachen. Die Häuser dürfen daher nicht
durchweg als bezeichnende Originale angesehen wer-
den; das zu dieser Gruppe von Holzbauten gehörende
kleine Museum enthält eine Reihe verschiedener, ganz
vorzüglicher Einzelobjekte. Weit interessanter als
diese nur zum Teil alten Häuser sind auf jenen
Bergeshöhen die modernen Holzbauten, in denen
meisterhaft gezeigt ist, wie man durchaus neuzeit-
lichen Anforderungen gerecht zu werden vermag
unter Verwendung von Kunstformen heimischer Art.
An den großen Hotels auf Holmenkollen, den Restau-
rationsgebäuden auf Frognersäteren, dem Pavillon
Hans Haugens bei Christiania und anderen Bauten
Munthes dürften sich die Gebirgshotelarchitekten der
deutschen Alpenländer die Überzeugung holen, daß
derartige Fremden-Karawanserais nicht gerade immer
zur Entstellung des landschaftlichen Bildes beizutragen
brauchen. Ebenso lassen sich inwendig behagliche
und komfortable Räume herstellen, ohne daß man
künstlerische Anleihen in England nötig hat oder
gar jenes vielfach recht dumme Zeug zur Verwen-

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dung bringt, was seiner oft recht fragwürdigen
Ornamentik wegen ganz mit Unrecht als »modern«
bezeichnet wird.

Weitaus wichtiger als Frognersäteren sind die
beiden dicht nebeneinanderliegenden Bautenmuseen
auf Bygdo, einer landschaftlich überaus abwechselungs-
reichen und in der Bodenbewegung mannigfaltigen
Halbinsel, deren felsige, zum Teil bewaldete Er-
hebungen weit hinausreichen in den Fjord von
Christiania. Der Grund zu dem einen, das vom
königlichen Landsitz Oskarshall den Namen bekam,
ist auf die Initiative König Oskars zurückzuführen,
der bereits im Jahre 1886 die Stabkirche von Gol
hierher überführen, wieder aufbauen und nach dem
Vorbilde der Kirche von Borgund restaurieren ließ
(Abb. S. 128). Dazu gesellten sich weiter eine Reihe
höchst interessanter Speicher- und Wohnhausbauten,
unter denen der Hof aus Hove in Telemarken als
ein wahres Prachtstück zu bezeichnen ist. Etwas
tiefer, in einer Mulde, zwischen Wiesen und Feldern,
über denen ein mit Tannenwald bestandener Hügel-
rücken ansteigt, liegen die Bauten des vom Alter-
tumsverein in Christiania (Abb. S. 121) begründeten
Bautenmuseums, das durch den Besitz ältester An-
lagen ebenso wichtig ist, wie durch die An-
gliederung von drei im Äußeren durchaus schlichten,
nichtsdestoweniger aber sehr zweckvoll ausgefallenen
Museumsgebäuden, in deren einem — es hat die

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