Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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KLEINE MITTEILUNGEN

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Stellung vereinigt. Der große Engel für Großfürst
Sergius von Rußland zeigt Habich von bekannten
Seiten. Dagegen betritt der Künstler mit zwei Büsten,
die eine vom Großherzog von Hessen, die andere
von Herrn Stadtverordneten Schupp, nach einigen
früheren Versuchen nach der Richtung hin, zum ersten-
mal mit vollem Gelingen das Gebiet der Porträt-
plastik. Ich nehme nicht Anstand, die beiden Büsten
für das beste zu erklären, was Habich bis jetzt ge-
leistet hat und sie den größten modernen Porträt-
plastiken, die Adolf Hildebrands nicht ausgenommen,
gleichberechtigt an die Seite zu stellen. Auch die
Porträtbüste des Grafen Kanitz zeigt große Vorzüge.
Ein entzückend graziöser weiblicher Torso, vorläufig
in Gips, für Marmor gedacht, der nur leider durch

die denkbar ungünstigste Aufstellung einen großen
Teil seiner Wirkung einbüßt, ein lustiger alter Wasser-
speier an dem Brunnen im Platanenhain, sowie ver-
schiedene ältere in den einzelnen Räumen verteilte
Reliefs und Plaketten vervollständigen die kleine Sonder-
ausstellung, die wieder einmal das erfreuliche Bild
einer stet nnd rüstig fortschreitenden Vervollkommnung
des Künstlers bietet.

Als Ganzes betrachtet bietet die diesjährige zweite
Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie jedenfalls,
zu welchem endgültigen Urteil über sie man auch
kommen mag, wie ihre ältere Schwester im Jahre 1901
wieder eine reiche Fülle wertvoller Anregungen, und
nimmt unter den Kunstausstellungen des Jahres eine
bevorzugte Stelle ein. OTTO BERNHARD.

BRUNNEN MIT

MASKE VON

PROF. L. HABICH,

ZWEITE AUS-

STELLUNG DER
DARMSTÄDTER
KÜNSTLER-
KOLONIE

KLEINE MITTEILUNGEN

PARIS. In einer der jüngsten Nummern von
»Art et Decoration« behandelt M. P. Verneuil
den kunstgewerblichen Teil der Ausstellungen
der beiden diesjährigen Pariser Salons. Bei weitem
interessanter aber als die kritische Besprechung der
einzelnen Ausstellungsgegenstände sind ihr voran-
geschickte, mit großer Frische und Lebhaftigkeit ge-
schriebene allgemeine Betrachtungen über die Lage
und die Leistungen des französischen Kunstgewerbes.
Von beiden entwirft er, von rein praktischen Gesichts-
punkten ausgehend, ein im Vergleich mit dem deut-
schen und österreichischen Kunstgewerbe recht wenig
schmeichelhaftes Bild und sagt seinen Landsleuten
äußerst unverblümte Wahrheiten.

Hält man diese Betrachtungen einerseits mit den
im Junihefte dieser Zeitschrift mitgeteilten anerkennen-

den Urteilen des Generalkommissars und der Jury
der Pariser Weltausstellung 1900 über das deutsche
Kunstgewerbe zusammen, andererseits mit den Be-
fürchtungen in bezug auf den Wettbewerb desselben
in St. Louis, von denen das vorhergegangene Heft
berichtet hatte, so läßt sich eine Vorstellung davon
gewinnen, eine wie bedeutsame Rolle die Achtung
gleichwie die Befürchtungen vor dem deutschen Wett-
bewerb in den in Betracht kommenden französischen
Kreisen gegenwärtig spielen. Zur Vervollständigung
der durch die beiden vorhergegangenen Artikel ge-
zeitigten Anschauungen hiervon folgen die erwähnten
Betrachtungen im Auszuge.

»Die Frage des modernen Kunstgewerbes«, so
beginnt der Verfasser, »ist mehr denn je eine brennende,
und die Krisis, in welcher die künstlerische Ent-
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