Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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KLEINE MITTEILUNGEN

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C. Westman-Stockholm. Das ist eine Arbeit, die ent-
schieden Eigenart verrät. Gar nicht elegant, nicht
ausgesprochen modern, aber sehr gesund und tem-
peramentvoll. Die Möbel aus heller, gelb gehaltener
Eiche in einfachen, durchdachten Formen. An den
Stuhllehnen Schnitzerei, an der Kredenz eiserne Be-
schläge mit Laubwerk und Tieren, — etwas germa-
nisches Gemüt! In dem schablonierten, bunten Eichen-

laubfries an der Wand wird der Künstler freilich
etwas kraus; aber er entschädigt durch die prächtige,
reiche Farbigkeit, die er dem Teppich und den Be-
zügen zu geben weiß: rotbraun, orange, gelb, ziegel-
rot und etwas lila. Diese Farben eines sonnigen
Herbsttages vereinigen sich mit dem gelben Eichen-
holz und dem weißen Putz zu einer kräftigen Har-
monie von einer eigenen, freien, lachenden Stimmung.

KLEINE MITTEILUNGEN

VEREINE

GRAZ. Dem Rechenschaftsbericht des Steler-
märkischen Kjinstgewerbevereins über das Ver-
einsjahr 1Q04 zufolge konnte der Ausschuß
des Vereins auf eine ersprießliche Tätigkeit zurück-
blicken. Dem steiermärkischen kulturhistorischen und
Kunstgewerbemuseum, dessen fördernder Einfluß auf
das steiermärkische kunstgewerbliche Schaffen immer
wahrnehmbarer zutage tritt, konnte zur Vermehrung
seiner kunstgewerblichen Mustersammlungen ein nam-
hafter Betrag überwiesen und die Vorbildersammlung
mit einer größeren Anzahl wichtiger illustrierter Zeit-
schriften und Vorlagenwerke bereichert werden. Die
Hauptaufgabe des Vereins bestand darin, die ständige
Ausstellungshalle stets anziehend zu gestalten und
einen regen Besuch zu vermitteln. Auch konnte die
Halle einer vollständigen Neuausgestaltung unterzogen
werden, was eine zeitweise Schließung nötig machte.
Sie wurde im Berichtsjahre von 60 Firmen beschickt.
Der Besuch selbst war ein recht günstiger, ein Zeichen
für das steigende Interesse im Publikum für das
steiermärkische Kunstgewerbe. Das Verkaufsergebnis
in der Halle blieb aus dem Grunde ihrer längeren
Schließung gegen das Vorjahr zurück. Die Bedeu-
tung der Halle für die heimischen Kunsthandwerker
liegt hauptsächlich darin, daß durch ihre Vereinigung
mit dem Kunstgewerbemuseum unter einem Dache
diesen die Gelegenheit geboten wird, ihre neuesten
Arbeiten zur Schau zu stellen und ihre Werkstätten
bekannt zu machen. Das Ministerium für Kultus und
Unterricht bewilligte dem Verein wiederum eine Bei-
hilfe von 2000 Kronen mit der Bestimmung, daß von
dieser Summe 1200 Kronen dem Kunstgewerbe-
museum zum Ankauf von kunstgewerblichen Muster-
gegenständen überlassen werden. Der Verein zählte
im Berichtsjahre 78 Gründer, 10 Ehrenmitglieder und
81 ordentliche Mitglieder. -u-

KREFELD. Nach dem 6. Jahresbericht des Vereins
zur Förderung der Textilindustrie über das Jahr
igo4 war das Berichtsjahr ein für die Seiden-
industrie nicht günstiges, und wie unter diesem Dar-
niederliegen der Hauptindustrie Krefelds sämtliche

Betriebe und damit zusammenhängende Anstalten
litten, so ist auch in der Statistik des Vereins ein
schwacher Rückgang im Besuch der Sammlungen be-
merkbar gewesen. Trotzdem aber kann von einem
Rückgang der Vereinstätigkeit keine Rede sein, viel-
mehr haben sich die Sammlungen wieder wesentlich
vermehrt und aus der ganzen Art ihrer Benutzung
ist deutlich ersichtlich, welch hervorragender Faktor
der Verein für Fabrikanten und Musterzeichner nach
und nach geworden ist. Er wird nicht nur zur Ver-
schaffung von Anregung zu neuen Musterungen auf-
gesucht, sondern er ist auch durch seine Verbindung
mit der königlichen Gewebesammlung in Fragen
historischer Stilformen, die gerade im letzten Jahre
wieder viel verlangt wurden, in der Lage gewesen,
gewünschte Auskunft zu geben. Auch boten die
Mustersammlungen bei Musterschutzstreitigkeiten mit-
unter interessantes, in der Zeit beglaubigtes Material,
welches entscheidend zu wirken imstande war. Der
Minister für Handel und Gewerbe bewilligte auch
für das Berichtsjahr einen Zuschuß von 3000 M.
unter der Bedingung, daß der städtischen höheren
Webeschule in Berlin von den für den Verein er-
worbenen größeren Stoffmustern geeignete Abschnitte
abgegeben würden. Dieser Anstalt wurden im Laufe
des Jahres 178 Abschnitte übersandt. Die Krefeldei
Handelskammer hatte schon im Vorjahre ihren Bei-
trag von 1500 M. auf 1000 M. ermäßigt und infolge
des schwachen Geschäftsganges in der Krefelder
Seidentrocknungsanstalt, aus deren Überschüssen die
Handelskammer den Beitrag nimmt, mußte dieser
Beitrag auf 500 M. herabgesetzt werden. Und als
die Anstalt überhaupt keine Überschüsse mehr erzielte
und auch dieser geringe Beitrag in Zukunft noch
herabgesetzt werden sollte, sah sich der Vorstand ge-
nötigt, den Jahresbeitrag von 50 M. auf 60 M. für
das Jahr 1905 zu erhöhen. Die Zahl der ordentlichen
Mitglieder betrug 63, der außerordentlichen 2. Durch
Ankäufe stieg die Zahl der verleihbaren Stoffmuster
auf 42 380 gegen 34 740 im Vorjahre. Neben diesen
Vereinssammlungen wurde den Mitgliedern durch die
Schätze der königl. Gewebesammlung Gelegenheit ge-
boten, sich für Musterungen im Charakter bestimmter
Stilformen, die die augenblickliche Mode wieder be-
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