Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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SPÄTGOTISCHER ALTAR IN DER KREUZKIRCHE ZU HILDESHEIM

DIE WERKE DER KLEINKUNST IN DER KIRCHE ZUM
HEILIGEN KREUZE ZU HILDESHEIM

Von Otto Gerland

DIE Kirche zum heiligen Kreuz zu Hildesheim
birgt eine Anzahl Kunstdenkmäler, die durchaus
nicht genügend bekannt sind und daher wohl
verdienen, allgemein bekannt zu werden, zumal wir
von allen, wenn nicht mit Bestimmtheit das Jahr
ihrer Entstehung, so doch ziemlich sicher die Zeit
anzugeben vermögen, in der sie geschaffen worden sind.
Es sind Werke I. der Malerei, II. der Bildhauerkunst
und III. der Edelschmiedekunst. Es mag dabei vor-
ausgeschickt werden, daß die Kreuzkirche in ihrer
ältesten Periode wohl ziemlich gleichzeitig mit dem
ältesten Dome erbaut, dann durch Bischof Hezilo
1079 mit einem Querhause und einem Choranbau
versehen und im Anfange des 18. Jahrhunderts stark
verzopft worden ist. Glücklicherweise haben sich
einzelne Teile der ältesten Anlage unter der Ver-
kleidung erhalten und werden hoffentlich von der
zur Erhaltung der Kirche verpflichteten Königlichen

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Klosterkammer zu Hannover bald wieder hergestellt
werden, so namentlich die Reste der alten Oberkirche.
I. Als Werk der Malerei ist hervorzuheben die
Darstellung der Verkündigung Maria in einem Fresko-
gemälde des nördlichen Querschiffes (Abb. S. 22), das
um das in der Ostwand dieses Raumes befindlich
gewesene, jetzt vermauerte, im Halbkreis geschlossene
Fenster herum gemalt ist, so daß sich auf jeder Seite
des Fensters eine Figur befindet. Mit größter Wahr-
scheinlichkeit ist anzunehmen, daß dies Gemälde 1503
entstanden ist; hiergegen spricht nicht, daß die Orna-
mente der Umrahmung des Bildes noch romanisch
sind; denn bekanntlich haben Ornamente und über-
haupt Werke der Kleinkunst lange nach Erlöschen
eines Stiles im allgemeinen diesen noch bewahrt;
wohl aber spricht dafür der der damaligen Kunstweise
durchaus angehörige spätgotische Stil des Bildes.
Als das verdeckt gewesene Bild 1899 entdeckt wurde,
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