Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 16.1905

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ZU UNSERN BILDERN

Die technische Erziehung auf der höheren Stufe
ist dabei nicht berücksichtigt worden. Es ist auch
nicht beabsichtigt, hier zu erörtern, ob sie der unsrigen
gleichwertig oder überhaupt direkt vergleichbar ist.
Jedenfalls aber gibt eine Vergleichung der in Amerika
in den allgemeinen und gewerblichen Schulen ange-
wandten Erziehungsmethoden mit den bei uns üblichen
vielfache Anregung zum Nachdenken; nach unserer
Auffassung könnte sie auch in mehr als einer Hin-
sicht die Anregung zu Verbesserungen in unserem
Erziehungssystem geben.

BUCHSCHMUCK VON OADSO WEILAND,
ARNIS A. D. SCHLEI

ZU UNSERN BILDERN

Die Ooldschmiedearbeiten Riegels, von dessen
neuesten Arbeiten wir in diesem Hefte wieder einige
Abbildungen bringen, zeichnen sich stets durch sichere
Beherrschung des Materials, der Technik und durch
künstlerisch eigenartigen Entwurf aus, der stets dem
Material neue, ihm voll und ganz gerecht werdende
Seiten abzugewinnen weiß.

Der Jagdaufsatz (Abb. S. 185) ist bei einer Höhe
von 77 cm ganz in Silber ausgeführt, nur die Innen-
seite der Schale ist vergoldet. Am Kapital und am
Knaufe sind Opale gefaßt. Der Fries mit den Eich-
hörnchen unten am Fuße ist aus dem Silber heraus-
gemeißelt. Der ebenfalls auf Seite 185 abgebildete
Silberbecher »Die sieben Raben« zeigt am Fuße schwarze
Opale, während die Raben aus Eisen in das Silber
eingesetzt und die Kronen und Augen aus Gold her-
gestellt sind. Der eine 20 cm hohe Silberbecher (S.
186) ist ganz vergoldet; der in zwei Abbildungen dar-
gestellte 22 cm hohe Silberbecher ist ebenfalls ganz
vergoldet und abgerieben. Die Fruchtschale (S. 187)
war für ein Hochzeitsgeschenk bestimmt. Sie ist bei
einer Höhe von 30 cm aus Silber hergestellt, nur innen
vergoldet und erhielt drei Henkel.

Albin Müller kann als Führer modernen Kunst-
schaffens in Magdeburg bezeichnet werden. Das Magde-
burger Zimmer, das von verschiedenen Magdeburger
Künstlern und Handwerkern unter Müllers Leitung ge-
fertigt und auf der Weltausstellung in St. Louis ausgestellt
war, hat ihm vollen Erfolg gebracht. Dabei ist Müller
nachzurühmen, daß er stets die Grenzen sachlicher

Gediegenheit und Klarheit in" seinen Ausführungen
innehält, und daß er die ihm durch Material und
Technik gegebenen Bedingungen erfüllt und in rich-
tiger Weise für seine künstlerischen Ideen zu ver-
werten versteht.

Die im neuen Hause der Weinfirma »Dank-
warth & Richters« in Magdeburg nach Albin Müllers
Entwürfen ausgeführten Restaurationszimmer (Abb.
S. 189 u. folg.) legen hiervon wiederum Zeugnis
ab. Der Architekt des Baues, Herr Raufer, der sein
Haus im Äußeren im Stile des Magdeburger Barock
durchführte, ließ Herrn Müller bei Ausgestaltung der
Räume ganz freie Hand. Bei der Ausführung kam
das neue Produkt der Koptoxylfabrik Harras in Böh-
lau i. Th. zur Anwendung, das das System der »ge-
sperrten Hölzer« verwertet, wobei durch gewaltigen
hydraulischen Druck fünf kreuzweise übereinander
gelegte, mit Trockenbindemassen versehene Holz-
schichten zu einer ca. 7 mm starken Platte zusammen-
gepreßt werden. Solche Platten können in gewaltiger
Größe hergestellt werden und sind gegen Feuchtigkeit
und Wärme gleich unempfindlich. Auch die Intarsien
werden auf diese Weise nach patentiertem Verfahren
hergestellt. Das Entree(Abb. S. 194) erhielt blaugebeiztes
Eichenholzwerk mit Messingeinlagen, der Wand- und
Deckenputz wurde hellgraublau getönt, die Fenster
gelb und meist mit unterem violetten Fries verglast.
Die zur Seßhaftigkeit einladen sollenden Weinstuben
wurden in gewissem Gegensatze dazu sehr ruhig ge-
halten und erhielten naturfarbiges Holz. Der große
Raum zeigt lachsfarbiges Mahagoniholz, gelbgrün-
lichen Wand- und Deckenputz, schwarze Marmor-
pilaster und Kupfermetallarbeiten. Die Intarsien der
Paneele sind aus verschiedenen grauen und braunen
Hölzern zusammengesetzt, Stühle und Bänke mit
naturfarbigem Binsengeflecht versehen. Der Boden
erhielt graublauen Belag, die zwei freistehenden Eisen-
träger gehämmerte und dunkelgetönte Kupferblech-
mäntel. Neben den Kleiderablagen im Entree wurden
auch solche in den Weinstuben vorgesehen durch
Anordnung dazu geeigneter Vertiefungen im Paneel.

In den beiden anderen Räumen kam gelbrötliches
Eschenholz mit braunen Intarsien zur Verwendung,
Wände und Decken wurden violettgrau getupft, Stühle,
Sessel und Bänke mit gelbem Leder bezogen. Die
Zwischenwände der kleinen Kojen lassen sich rasch
und bequem entfernen, falls für größere Gesellschaften
in der Schnelligkeit Platz geschaffen werden soll.

Herausgeber und für die Redaktion verantwortlich: Professor Karl Hoffacker, Karlsruhe i. B., Moltkestraße 13

Druck von Ernst Hedrich Nachf., o. m. b. h., Leipzig
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