Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 12.1915

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DER KUNSTMARKT
XII. Jahrgang 1914/1915 Nr. 18. 29. Januar 1915

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BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

Februar
Berlin. *P. Lepke. Gemälde neuerer Meister
aus dem Nachlaß d. Prof. K. Frenzei (III.Teil)
u. a. Bes.
Februar
Berlin. Max Perl. Kupferstiche, Radierungen,
Schabkunstblätter, Lithographien usw. von
Künstlern des 15.—19. Jahrh.
9.
19.—20.
10.—11.
Berlin. *7?. Lepke. Bibliothek: Nachlaß Prof.
K. Frenzei, Baumeister P. Hentschel u. a.
23.-25.
Berlin. *AJ. Lepke. Antiquitäten. Alte Gemälde
d. 16.—18. Jahrh. aus d. Nachl. d. Kunst-
händlers Hecht-Berlin u. a.

Ueber die mit Sternchen versehenen Versteigerungen ist im Anzeigenteil dieser Nummer Näheres zu finden.

Berlin. In der Gemäldeauktion neuerer Meister, der
ersten Bilderauktion, die Lepke abhält, und zwar am
9. Februar, und die unter anderem den Nachlaß des Pro-
fessors Carl Frenzei enthält, ist besonders eine Sammlung
von Werken Carl Blechens bemerkenswert. Darin ist das
bedeutendste Bild die Kreidefelsen bei Stubbenkammer auf
Rügen, 88X70 cm groß; es stammt aus dem Nachlaß des
Prinzen Georg von Preußen. Weiter zeigt eine Ölstudie
eine Gebirgsschlucht mit Hütte neben einem Wildbach und
eine andere eine Felsenpartie mit dürren Bäumen. »Der
Friede in der Natur« betitelt sich eine Waldlandschaft mit
zwei Mönchen im Gespräch aus dem Nachlaß Ferdinand
Bellermanns. Vier weitere Landschaftsstudien sind eben-
falls besondere Stücke als Ölstudien auf Holz, in Größe
von je 16x23 cm, darunter die Küste von Sorrent mit dem
Haus des Tasso. Die Küste von Sorrent behandelt noch
eine andere Ölstudie 14x19 cm groß, mit Durchblick auf
das offene Meer. Schließlich sind noch zwei kleine Studien
zu nennen, Mandoline spielende Dame und Männer und
Frauen in einer Felsenlandschaft.
Der neue Katalog des Berliner Antiquariats Paul
Graupe betitelt sich »Moderne Literatur, Neuaus-
gaben, Luxusdrucke«, er enthält eine Fülle interessanter
und wertvoller Bücher. Ganz besonders erwähnenswert
erscheint uns die »Gründerausgabe des Pan« (1895—1900
in fünf Jahrgängen). Den Pan kann man in bezug auf Literatur
und Kunstbeilagen als eine Veröffentlichung ansehen, die
weder im Inland noch im Auslande in dieser Art trotz
vielfacher Versuche jemals wieder an Qualität erreicht
wurde. Vom Pan erschien eine Künstlerausgabe, die nur
in 37 Exemplaren gedruckt und nur an die hauptsächlich
beteiligten Künstler und Gründer abgegeben wurde. Diese
Ausgabe zeichnet sich dadurch aus, daß sie ganz auf Japan
gedruckt ist und daß ihr noch sämtliche ganzseitigen Tafeln
in Extraabzügen und signiert beigegeben wurden. Nicht
minder interessant erscheint uns die Sammlung moderner
Exlibris. Künstler von Rang wie Bastanier, Heroux,
Klinger, Greiner, Vogeler-Worpswede, Wilm usw. sind
vertreten. Die erste Seite des Kataloges nimmt die ge-
lungene Reproduktion der im Zossener Gefangenenlager er-
schienenen Zeitung der gefangenen Franzosen »Le Herauf«
ein. Von dieser Zeitung ist nur eine Nummer in kleiner
Auflage erschienen, die sofort nach der Ausgabe kon-
fisziert und vernichtet wurde. (Vergl. hierzu Schulz-Besser,
»Der Weltkrieg im Scherzbilde« in dem soeben erschiene-
nen Januarheft der »Zeitschrift für Bücherfreunde«.)

Von dem Rate der Stadt Leipzig ist nunmehr nach
Vernehmen mit den Aussteller- und Einkäufer-Kreisen die
Abhaltung der Leipziger Frühjahrsmesse in den Tagen
vom 1. bis 5. März d. J. endgültig beschlossen worden.
Die am Meßverkehr beteiligten Geschäftszweige werden
nach den Versicherungen ihrer Fachverbände wie in Frie-
denszeiten durch zahlreiche Aussteller vertreten sein, und
ebenso ist auf das Erscheinen zahlreicher Einkäufer nicht
nur aus Deutschland und Österreich-Ungarn, sondern auch
aus den neutralen Ländern Holland, Dänemark, Schweden,
Norwegen, Vereinigte Staaten von Amerika, Italien usw.
mit Bestimmtheit zu rechnen. In Leipzig selbst wird den
Ausstellern von den Meßhaus-Besitzern, auch vom Rat
der Stadt Leipzig durch Ermäßigung des Mietzinses für
die Ausstellungsräume um 50°/o in weitgehendem Maße
entgegengekommen werden; auch gelangen in den Hotels
und Gasthöfen nur die normalen Preise wie außerhalb der
Meßzeit zur Anwendung. Ausländischen Meßbesuchern
wird angesichts des Kriegszustandes dringend empfohlen,
sich mit ordnungsmäßigen Reisepässen und sonstigen Aus-
weispapieren zu versehen.
Kriegshilfe für bildende Künstler. Um es den
durch den Krieg in Not geratenen bildenden Künstlern zu
ermöglichen, ihrer Arbeit nachzugehen, haben Hans Balu-
schek, Curt Herrmann, Oskar Moll und Wolfgang Gurlitt
mit Unterstützung von Freunden der Kunst und der Künst-
ler eine Hilfsquelle errichtet. Einmal werden den Künstlern
Gutscheine gegeben, auf die sie unentgeltlich Arbeitsmaterial
erhalten. Ferner verhilft das Komitee Künstlern, die in Akt-
sälen, besonders des Abends arbeiten wollen, zum freien
Besuch solcher Ateliers. Zur unentgeltlichen Anfertigung
von Probedrucken für graphische Arbeiten steht eine Drucke-
rei zur Verfügung. In dringenden Fällen bekommen Künst-
lerfamilien, die von der Wohltat billiger Mittagstische keinen
Gebrauch machen können, Gutscheine, gegen die sie in ein-
schlägigen Geschäften Lebensmittel erhalten. Zum Besten
der Kriegshilfe veranstaltet die Hofkunsthandlung Fritz
Gurlitt eine Reihe von Ausstellungen, Bilder deutscher
Meister aus Privatbesitz. Die erste Ausstellung enthält
eine größere Kollektion Arbeiten von Anselm Feuerbach,
darunter einige bisher noch nie gezeigte und veröffentlichte
Werke. Es werden ferner gezeigt Arbeiten von Böcklin,
Slevogt, Thoma, Liebermann usw., sowie eine interessante
..Zeichnung von Thomas Couture, darstellend den General-
feldmarschall von Hindenburg als jungen Leutnant, die im
Jahre 1870 in Villers le Bel vor Paris entstanden ist.
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