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Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 12.1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.48360#0369

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265


C. E. STEPHAN UND E. MÖBIUS, DRESDEN
Die Villa des Herrn Oberstleutnant Serre zu Dresden. — Grundriß vom Erdgeschoß
Maßstab 1:400. — (Ansichten S. 263 u. 264)

EINIGE BAUTEN DES ARCHITEKTEN
ERNST PRINZ, KIEL

In diesen Zeiten des manchmal stark überschätzten Heimat-
schutzes, in denen nicht selten unklare Gefühlsduselei und
das Prunken mit bodenständigen Motiven und Motivehen
die wirkliche Heimatkunst ersticken, verdient das Schaffen
eines Architekten Berücksichtigung, dessen Kunst sich vor allem
durch das „Weglassen alles Unwesentlichen“ ihren eindring-
lichen heimatechten Stil geprägt hat. Was Ernst Prinz, Kiel
baut, ist groß im Linienzug, klar und durchsichtig in der Anlage
und streng in der Durchbildung und Unterordnung aller Einzel-
heiten ; er ist kein Schwärmer, sondern ein positiver exakter Geist,
ein Arbeiter von gesunder, wohl temperierter Männlichkeit.
Dafür ist das Haus Buchholtz in Bordesholm in seiner
geschlossenen Symmetrie ein typisches Beispiel. Das nach
dem Wunsche des Bauherrn eingeschoßige Gebäude gruppiert
sich um die Hauptaxe, die von der Mitte der Vorgarten-
treppe ausgehend den Vorgarten, den Vorhof, die Eingangs-
türe, die Vordiele und die gute Stube durchschneidet und
schließlich im Hintergründe des Gartens in einem Pavillon
endigt. Auch die eigenartigen Verhältnisse des Bauplatzes
der etwa zwei Meter unter dem Straßenniveau lag. sind der
achsialen Komposition mit Geschick dienstbar gemacht worden.
Der Vorgarten wurde etwa um einen Meter aufgefüllt und
das Haus mit Rücksicht auf den Einblick von der immer noch
höher gelegenen Straße sowie auf die nötige Vergrößerung
der nach Süden, Westen und Osten schauenden Fenster-
fronten um zwei Flügel erweitert, die nach Norden einen
kleinen mit Platten belegten Vorhof umschließen und dadurch
eine einladende Verbindung zwischen Straße, Garten und
Wohnung herstellen. Das Haus selbst ist in roten, weißgefugten
Handstrichsteinen erbaut, mit weißgestrichenen Fensterrahmen,
holländischem Pfannendach und kupfergedecktem Giebel an
der Gartenseite und fügt sich so auch farbig der Landschaft
vortrefflich ein.
Beim Wohnhause Vierth, das mit südlichen Terassen und
Erkern nach dem Plöner See schaut, haben dieselben Materialien
Verwendung gefunden. Das Häuschen wird im Erdgeschoß vom
Besitzer bewohnt, enthält im Obergeschoß noch eine Miet-
wohnung und erscheint besonders charakteristisch durch die

liebenswürdige Art, mit der so mannigfaltige Bedürfnisse ohne
großen Aufwand in geschlossener Einheit untergebracht wer-
den konnten.
Eine ganz andere Aufgabe hatte der Architekt beim Bau
des Kaufhauses Hettlage & Lampe in Kiel zu lösen.
Die baupolizeiliche Forderung, nach der an der Holsten-
strasse kein Bauteil höher als fünfzehn Meter sein soll und
kein Bauteil des Daches über eine im Winkel von 60° gegen
die Horizontale geneigten Schräge, die in Höhe von fünfzehn
Meter an der Bauflucht ansetzt, heraustreten darf, hat zu
interessanten Einzellösungen veranlaßt, zu dem Rücksprung
des obersten Geschosses an der Holstenstraße und zur Auf-
lösung des Baukörpers im Dache an der Nebenstraße. Auch
der obere Abschluß der Schaufenster ist gut gelöst. Ihre schräge
Abdeckung durch Luxfer Prismen, darüber das umlaufende
Balkongitter und dann die sorgfältig durchstudierten Ver-
schneidungen der Profile der Pfeiler und Fensterstürze, alles
trägt mit dazu bei, den sonst so störenden Eindruck, als laste
der große Steinkasten zu schwer auf den weiten Glasfenstern,
nicht aufkommen zu lassen. Das Innere des geräumigen Hauses
ist aufs reichste in Eichenholz vertäfelt worden. Da die Auf-
züge aus baupolizeilichen Gründen mit Elektroglas feuer-
sicher umschlossen werden mußten, wurden auch die breiten
Eisensprossen mit verzierten Eichenleisten verkleidet und
dadurch selbst die kalten nüchternen Eisenglasumrahmungen
den warmen und freundlichen Räumen aufs beste eingepaßt.
Die Perioden historischen Empfindens, die wir jüngst
durchwanderten, haben uns ungemein empfänglich gemacht
für die Originalität und die Besonderheiten der Künstler. Unser
verfeinerter Geschmack ist wählerisch geworden und erkennt
das Schöne meist nur noch im Seltenen, im Aparten, im
Pretiosen. Es erscheint mir ein Hauptverdienst des Archi-
tekten Ernst Prinz in Kiel, daß seine Schöpfungen ein der-
artiges ästhetisches Geniesen erlauben, ohne in elegante
Schöngeistigkeit zu verfallen, und doch daneben jenes gesunde
Vorwärtsstreben erkennen lassen, das sich auf ein verständiges
Zusammenfassen der künstlerischen Ergebnisse vergangner
Zeiten gründet. C. H. BAER
 
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