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Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 12.1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.48360#0099

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O. O. KURZ, MÜNCHEN
Friedhof-Studie


DIE ARCHITEKTEN OTHO ORLANDO KURZ UND ED. HERBERT
IN MÜNCHEN
Von ALEXANDER HE1LMEYER, München

In früheren Zeiten wies die Architektur als Raum-
kunst viel innigere Verbindungen mit anderen
raumschmückenden Künsten auf als heute, daher
auch der Architekt und der Bildhauer häufig aus
einer Persönlichkeit heraus entstanden.
Besonders die Gotik und die italienische Re-
naissance zeigen uns, wie wichtig es ist, wenn
der entwerfende Architekt zur selben Zeit auch
„der Bildhauer“ ist, der die Schmuckformen der
Architektur, figürliche und ornamentale Teile,
selber erfinden, entwerfen und gestalten konnte.
Der moderne Architekt schafft unter ganz anderen
Verhältnissen und Bedingungen als sein Kollege
aus der Renaissance. Unsere Zeit erheischt von
dem Architekten vielfache und nicht nur künst-
lerische Fähigkeiten; er soll Techniker, Praktiker
und Kaufmann und bis zum gewissen Grade auch
Sozialpolitiker sein. Alle diese Eigenschaften finden
sich in geschlossener Form selten in einer Person
beisammen. Es liegt daher nahe, daß bei den um-
fangreichen vielfältigen Geschäften eines modernen
Architekturateliers sich mehrere Architekten zu ge-
meinsamerTätigkeit zusammenschließen,wobei jeder
das mitbringt, was er als väterlichesTalent geerbt hat.
Es findet also hier, wie in so vielen anderen
Gebieten eine Arbeitsteilung statt, die gerade bei
der Kompliziertheit unserer Verhältnisse nur im

Interesse der gesamten Leistung sein kann. Einen
ähnlichen Fall haben wir bei den vorliegenden Arbeiten
auch. Während Architekt O. O. Kurz die eigent-
liche künstlerische Kraft repräsentiert, lernen wir
in Architekt E. Herbert den ruhig überlegenden
Praktiker kennen.
Die vielseitige Tätigkeit, welche O. O. Kurz
und E. Herbert in Wohnhaus- und Villenbauten,
im Kirchenbau, in Monumenten, Grabmälern usw.
entfalten, lassen erkennen, daß sie nicht einseitig
irgend eine Sparte der Architektur ausüben, daß
sie keine sogenannten Spezi alisten sind, sondern
Architekten, welche jede Aufgabe, die an sie heran-
tritt, technisch und künstlerisch zu lösen suchen.
Um ihre Stellung innerhalb der Münchener Archi-
tektur richtig einzuschätzen, ist es notwendig, die
architektonischen Bestrebungen in München etwas
näher zu charakterisieren.
München hat wie andere Städte auch eine durch
merkantile Betriebsamkeit hervorgerufene Bauweise,
deren Erzeugnisse in schamloser Nüchternheit an
der Straße stehen und für die in unverantwortlicher
Weise „Auch-Architekten“ als Redakteure zeichnen.
In München sproßt und blüht aber auch die
„volkstümliche, bodenständige“ Bauweise, die ihre
Formensprache dem Dialekt der ländlichen Bauarten
entlehnt. Dazu kommt eine gewisse romantische

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