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Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 12.1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.48360#0819

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PROFESSOR PAUL BON ATZ, STUTTGART
Die Universitätsbibliothek zu Tübingen
NEUE BAUTEN VON PAUL BONATZ UND F. E. SCHÖLER
Von Dr. JULIUS BAUM, Stuttgart

Geschlossenheit der Erscheinung, Wohlabge-
wogenheit der Verhältnisse und der Gliederung
und ein unfehlbarer Geschmack in der Verteilung
und Einzelgestaltung des Schmuckes, das sind die
Eigenschaften, die allen Bauten von Paul Bonatz
innewohnen und die in den neuesten Schöpfungen,
der Universitätsbibliothek in Tübingen, der Turn-
halle in Feuerbach und dem Wohnhause des Künst-
lers, gegenüber den früheren Werken noch gestei-
gert erscheinen. Seine Arbeiten haben die künst-
lerische Kultur, die wir an den Schöpfungen der
italienischen Renaissance und des 18. Jahrhun-
derts bewundern, eine Kultur, die auf der Tradition
beruht und doch auch allen Forderungen ihres
Zeitalters gerecht wird. Wenngleich demnach
Bonatz jedes seiner Werke mit größter Sorgfalt
vorbereitet, immer wieder ändernd und verbessernd,
so ist anderseits doch nicht in Abrede zu stellen,
daß sein angeborenes künstlerisches Vermögen ihn
befähigt, schwierige Probleme beim ersten Angriff
erschöpfend zu lösen. Wie er seinerzeit in dem

Henckellbau bei Biebrich den modernen Typus für
große Kellereien erschuf, so bedeutet auch seine
Anlage derTübinger Universitätsbibliothek
einen völligen Bruch mit der Tradition und die
Bildung eines neuen Typus von solcher Folge-
richtigkeit, daß wohl kein künftiger Bibliotheksbau
geschaffen werden kann, der nicht irgendwie auf
das Tübinger Vorbild zurückgreift.
Der Grundriß ist von geradezu verblüffender
Einfachheit und Logik. Um eine durch Oberlicht er-
hellte, als Verbindungsraum dienende Vierung legen
sich kreuzförmig die vier Hauptbestandteile der Bib-
liothek, nämlich nach rückwärts das Bücherhaus, an
das später Erweiterungsflügel angebaut werden sollen,
nach vorn der Hauptlesesaal, links der Katalog-,
rechts der Schaltersaal; an die beiden letzten Räume
sind jeweils die zugehörigen Arbeitszimmer der
Bibliothekare angeschlossen. Den Lesesaal um-
gibt auf drei Seiten das 6,5 m breite Vestibül, dessen
mittleren Teil eine unmittelbar von der Straße aus
zugängliche 34 m lange Halle bildet, während die

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