Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 20.1926

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BEMERKUNGEN.

ist uns erloschen« :) (Symbolik S. 77). »Nicht ein Verachten des irdischen Tagewerks
und ein unthätiges unserer Natur nicht ziemendes Schmachten nach der höhern,
nicht die allzueinseitig nach innen gerichtete Beschauung ruft jenes ächte hohe Seh-
nen, jenes Streben, welche über die Gränzen der Zeit hinausgeht, in dem Gemüth
hervor, vielmehr wird dieses nur in einem fröhlichen Fördern des jetzigen Tage-
werks gefunden« (Ansichten S. 322). Erst nach der Rückkehr zu der mütterlichen
Ordnung der Dinge schießen die toten Teile wieder zu einem lebendigen Gebilde
zusammen, steigen wieder die nährenden Säfte in die abgestorbenen Zweige; will-
fährig tun Geist und Natur wieder ihre Dienste, nicht mehr sich bekämpfend und
verdrängend, sondern sich helfend und ergänzend. »Das magische Dunkel unserer
Träume wird nun wieder zu einem hellen Licht von oben, der alte Zwiespalt unserer
Natur ist versöhnt, das verlorene Kleinod wird uns wieder. Das bange Sehnen in
uns hat den ihm angemessenen Gegenstand wieder gefunden und mit ihm volles
Genügen, Friede, Freude!« So zeichnet Schubert lockend und fordernd das Bild
der Zukunft im Schlußwort der »Symbolik«.

0 Vgl. Novalis, »Die Zeit ist nicht mehr, wo der Geist Gottes verständlich
war. Der Sinn der Welt ist verloren gegangen« (S. 198).
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