Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 20.1926

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V.

Arno Holz und die deutsche Sprachkunst.

Von

Hans Lorenz Stoltenberg.

»Das Werk von Arno Holz«1) kann man in vier Teile zer-
legen, erstens in drei Gedichtbücher: das schon 1885 zuerst ver-
öffentlichte »Buch der Zeit«, den besonders bekannten »Dafnis. Ly-
risches Porträt aus dem 17. Jahrhundert (1903) und das Spottgedicht

Blechschmiede« (1902), zweitens in drei Schauspiele: das Lustspiel
»Sozialaristokraten« (1896), das Trauerspiel Sonnenfinsternis« (1908)
und das Trauerspiel >Ignorabimus< (1913), drittens in den Phan-
tasus« (zuerst in zwei kleinen Heften 1898/99), ein großes »Weltgedicht«
(X, 650) in neuartiger Form, und viertens in einige Lehrschriften
»Die neue Wortkunst. Eine Zusammenfassung ihrer ersten grund-
legenden Dokumente«, unter ihnen »Die Kunst, ihr Wesen und ihre
Gesetze« (1891), die »Selbstanzeige« des Phantasus (1898) und die

Revolution der Lyrik« (1899).

Im Vergleich zu den für Holz eigentlich kennzeichnenden Werken,
zu den sehr beachtenswerten Schauspielen und zum ebenso beachtens-
werten Phantasus sind die drei zuerst genannten weniger bedeutsam
und behalten auch, das eine jugendhaft ernst, das zweite im Stil einer
vergangenen Zeit und das dritte — wenn auch nur zum Teil — spott-
gedichthaft, die alte Dichtform bei -).

Bei der Schaffung dieses Werkes hat sich Holz — auf jeden Fall
kurz nach der Herausgabe seines Buches der Zeit, aber doch auch
schon, obgleich nur unbewußt, in diesem selber (wenigstens in der
Abkehr vom überlieferten Inhalt, in der Hinwendung zur »Großstadt-
lyrik«) — von einem Kunstgesetz leiten lassen, das er zuerst in seiner
Schrift »Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze« (1891) aufstellte und
das, in der späteren Fassung, wie folgt lautet (X, 83, 186 f.): »Die
Kunst hat die Tendenz, die Natur zu sein; sie wird sie nach Maß-
gabe ihrer Mittel und deren Handhabung.«

') 1924 25 in zehn Bänden bei J. H. W. Dietz Nachfolger, Berlin, erschienen.
2) Stellen aus der Blechschmiede führe ich mit Bl an, Stellen aus dem Phan-
tasus, wenn nötig, mit Ph, sonst nur mit der Seitenzahl.
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