Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 21.1927

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FORM ALS SYMBOL.

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ich auf die Gegenstandsform des Räumlichen hin, die Meeresfläche,
die im Bilde klar einen zufälligen Ausschnitt aus der Wirklichkeit
darstellt und sich nach beiden Seiten bis ins Unendliche fortzusetzen
scheint.

Für die Epoche der ovalisiischen Dunkelumrahmung, für das 17.
und teilweise 18. Jahrhundert also, ist ein weiteres formales Kenn-
zeichen der relative Einheitston. Für dieses allgemein bekannte und
anerkannte Merkmal brauche ich keine Beispiele anzuführen. Während
in der Renaissance und im Klassizismus die reinen Lokalfarben in
größeren Komplexen wie Rot und Blau auseinandertreten, werden die
Farben in der Epoche dazwischen mehr oder weniger mit Braun
durchsetzt und einander angenähert. Auch die Dunkelgrundierung trägt
vielfach zum Erzeugen des Einheitstones bei. Was symbolisiert diese
Annäherung der Farbelemente? Wie der Mensch die Farben auf der
Bildfläche einander angleicht, wird er alle Einzeldinge untereinander
angleichen und sie als verwandt ansehen. Er wird die Ähnlichkeit
zwischen den verschiedensten Dingen erkennen und wird das Über-
einstimmende und nicht das Entgegengesetzte beten-
des Farbkomplexes im Bildganzen spiegelt das \=_ ^lryy
duums zum Ganzen. Das Individuum wird nich E 2 ^sMg^

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dem allgemeinen kontinuierlichen Zusammenhang ^5jf|^
formalen Tatbestand kann sich das Zurückdrängen E n
farbenkomplexes bis zum vollständigen UnterdriE
überhaupt steigern. So z.B. bei Rembrandt. Hie Erl-
aus, daß das Gefühl für den Zusammenhang al E~~ §
vollständigen Verneinung des Individuums gestei<;=-0 i_ 5
maierei symbolisiert die Unterdrückung der indi E-^ CO
zu Determiniertheit und Fatalismus. =- ^

Mit dem ovalen Zusammenschluß und der AniE-? O ®

verbindet sich ein drittes wichtiges Formmerkma=_ «_

der untereinander unterschiedlichen Teile. Nicht E_a> O

und Klassizismus werden untereinander gleichwE +_i

wie Rot und Blau gegeneinander ausgespielt, s>E s £■ |

dominiert auf der Fläche. Alle andern Farben sind = ~ O |

und beeinträchtigen nicht seine herrschende Stellt E" \J

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dieser stärkste Farbakzent mit der größten Hellig E-
Helligkeit verebbt nach den Bildrändern zu, IE- Q) c
Dunkelheit vor den Rahmenseiten den Abschluß E-^ *JZ 2
beispiel kann ein Werk Rembrandts wie die KE. 0
an dem die genannten Formmerkmale deutlich : -
ovale Abdunkelung, das Verschleifen der Farben E
das stufenförmige Schwächerwerden der Farbe = „ h; §

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