Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 21.1927

Page: 337
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/zaak1927/0349
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
HERBERT KÜHN. SYMBOL IN PRÄHISTORISCHER BELEUCHTUNG. 337

die unmittelbare Anschauung der Bildwirkung fordert ihre
Rechte. Diese bleiben immer neben dem analytischen Denken be-
stehen und verlangen geradezu dessen Ausschaltung, wenn wir uns
dem Genuß des Bildes hingeben wollen. Unter diesem Gesichtswinkel
muß natürlich das Symbol als ästhetische Bildwirkung scharf getrennt
werden von dem in einem nicht zergliedernden Denken verwendeten.
Dem primitiven Denken fehlt jedoch gerade diese Unterscheidung. Die
Kunst verschwimmt in Religion, Zauber, Mythus, Wirkungsbild. Aus
diesem Grunde ist auch das echte Symbol, geradeso wie die reine
Kunst oder die Betrachtung von Sachverhalten, unter nur rechtlichen
Gesichtspunkten, eine Errungenschaft erst späterer Geistesentwick-
lung.

Erwähnte Schriften: Herbert Basedow, The Australiern. Aboriginal, Adelaide
(S.A.) 1925; Eisdon Best, The Maori (Memoires of the Polynesian Society Vol. V)
Wellington (N. Z.) 1924; Kaj Birket-Smith, Ethnography of the Egedesnünde District,
in Meddelelsen om Grönland 66, 1924; Bruno Gutmann, Das Recht der Dschagga
1926; E. R. Jaensch, Die Völkerkunde und der eidetische Tatsachenkreis, Zeitschr.
f. Psychologie 91, 1922; A. L. Kroeber, Handbook of the Indians of California,
Smithson. Inst. Bar. Am. Ethn. Bulletin 78, Washington 1925; Olivier Leroy, Essai
d'introduction critique ä Vetude de Veconomie primitive,Paris (Paul Geuthner) 1925;
P. Schwarz, Traum und Traumdeutung nach Abdalgani an-NäbuIusi. Z. D. M. G. 67,
1913; Carl Strehlow, Die Aranda- und Loritja-Stämme in Zentralaustralien 1907 ff.;
Richard Thurnwald, Forschungen auf den Salomo-Inseln und dem Bismarck-Archipel I,
Berlin, Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), 1912.

Mitbericht.
Herbert Kühn:
Symbol in prähistorischer Beleuchtung.

Mit 2 Abbildungen.

Wenn die Ethnologie ein klares Bild des starken Symbolgehaltes
primitiver Erlebnisformen geben kann, so muß die Feststellung dieses
Gehaltes noch größeres Interesse erwecken in der Vorzeit Europas,
einmal weil diese Verhaltungsweisen dann noch rudimentär fortleben
müssen in heutiger Zeit unter uns selbst, und zweitens weil die Prä-
historie eine Alterschichtung schafft, eine direkte Feststellung des Früher
oder Später, eine klare Entwicklungslinie, die bei der ethnologischen
Forschung immer nur abgeleitet sein kann. So unterscheiden sich ganz
scharf die Bodenbauvölker des Neolithikums mit animistischer Welt-
auffassung von den nicht seßhaften Jäger- und Sammlervölkern des
Paläolithikums, der Eiszeit, mit magischer Weltauffassung.

Die Magie, der Zauber, die Bannung, ist heute ganz unzweifelhaft
zu erkennen, so unzweifelhaft, daß eine andere Auffassung nicht mehr
denkbar erscheint.
loading ...