Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 2.1908/​9

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II. Jahrgang. Heft 1. Oktober 1908.

Das Mausoleum in Halikarnaß.

Von J. Bühlmann.

Mehrfache Nachrichten alter Schriftsteller geben Kunde von einem Wunderwerke
der Baukunst, welches das spätere griechische und römische Altertum hindurch als das
Höchste und Vollkommenste in seiner Art gegolten hat. Es war dies das Grabdenkmal
des Königs Mausolos von Karien, das nach ihm kurzweg Mausoleion genannt wurde und
späterhin allen ähnlichen Denkmälern den Namen lieh. Zunächst gibt eine Stelle des
Lukianos der Bewunderung Ausdruck, welche die Griechenwelt dem berühmten Denk-
mal zollte. In den «Totengesprächen» (XXIV. 1) läßt er den König sein Grabmal
mit folgenden AVorten rühmen: «Das Vornehmste aber ist, daß ich zu Halikarnaß ein
ungeheures Grabmal auf mir liegen habe, dem kein anderes weder an Größe noch
Schönheit der Ausführung gleichkommt. Es prangt mit den vollendetsten Kunstwerken,
mit Bildern von Menschen und Pferden aus dem schönsten Marmor, wie man nicht
leicht an einem Tempel finden wird.» Auch Pausanias, der die jonischen Kolonien
Kleinasiens nicht in seine Reisebeschreibung einbezogen hat, erwähnt doch das
Denkmal gelegentlich und sagt von ihm: «Dasselbe ist so umfangreich und in
seiner ganzen Ausführung so schön, daß selbst die Römer es außerordentlich bewun-
dern und ihre eigenen bedeutenden Grabmäler Mausoleen nennen». (VIII. 16.) Der
römische Architekturschriftsteller Vitruvius nennt in der Vorrede zu seinem VII. Buch,
wo er die Denkschriften berühmter Architekten über ihre Werke aufzählt, die Künstler,
welche das gepriesene Bauwerk mit seinem Bildschmuck ausgeführt haben: «Über das
Mausoleum schrieben Satyros und Phiteus1, denen durch ein wahrhaft glückliches Los
die höchste und größte Gunst zuteil ward. Denn solche, deren Kunst in alle Zukunft
des*hervorragendsten_und ewig ungeschwächten Ruhmes ^gewürdigt wird, haben zur

1 Wahrscheinlich mit Pytheos identisch.
Zeitschrift für Geschichte der Architektur. II. 1
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