Zeitschrift für Geschichte der Architektur — 2.1908/​9

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II. Jahrgang. Heft 12. September 1909.

Die Peterskirche in Leitzkau,
der älteste Steinbau östlich der Elbe.

Von Julius Kohte.

Im Jahre 949 hatte Kaiser Otto der Große das Bistum Brandenburg gegründet.
Aber was er mit starker Hand gewonnen hatte, ging unter seinen Nachfolgern wieder
verloren. Die Brandenburger Bischöfe mußten über die Elbe zurück flüchten. Um das
rechte Elbufer wieder zu gewinnen, wurde als Stützpunkt der Flecken Leitzkau gewählt,
zwischen Magdeburg und Zerbst im heutigen preußischen Kreise Jerichow I gelegen,
auf einem Ausläufer des Flämings, der, weithin sichtbar und die Landschaft beherr-
schend, sich in die Elbniederung vorschiebt. Wie wir aus der Chronik des Bischofs
Thietmar von Merseburg erfahren, besaß der Bischof von Brandenburg hier einen Hof,
welcher, als König Heinrich II. auf seinem zweiten Zuge gegen die Polen 1017 in Leitz-
kau sein Heer versammelte, verwüstet lag. Noch das ganze 11. Jahrhundert hindurch
mußten die Brandenburger Bischöfe außerhalb ihres Sprengeis weilen und in Magdeburg
Zuflucht suchen. Erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts gelang es dem 1102 berufenen
Bischof Herbert, in Leitzkau wieder Fuß zu fassen. Nachdem er zahlreiche Götzenbilder
zerstört hatte, baute er dort zunächst eine hölzerne Kirche. Als bald danach aber sein
Neffe Bernward gestorben und sein Kaplan Theoderich, der ihn vermutlich auf seinen Mis-
sionszügen begleitet hatte, ermordet worden war, erneuerte er die Kirche in Stein (lapideam
construximus basilicam) und weihte sie zu Ehren der Gottesmutter Maria, der Apostel Petrus
und Paulus und mehrerer anderer Heiliger; auch bewidmete er die Kirche mit Landgütern.
Über dies alles berichtet er in einer Urkunde vom Jahre 1114, in welcher er auch die Namen
der Gläubigen nennt, die ihn beim Kirchenbau unterstützten. So bot Leitzkau, vor-
läufig wenigstens, dem Bischof von Brandenburg einen Sitz innerhalb seines Sprengeis.

Im folgenden Jahre, 1115, besetzten die anhaltischen Markgrafen den Zerbster Gau.
1134 wurde Albrecht der Bär mit der Mark Brandenburg belehnt; ihm gelang es, sie

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