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tjrst z. Allnstvivte Fcrrrrilieir-Deitnrrg. ^«hr, ML.




seine Btutter.

Er

Bravo!
Bor-
Schaukelstuhl

Elisabeth Lcisinger als „Elisabeth" in „Tannhäuser".
Nach einer Photographie von I. F. Schaarwächtcr, Hosphotograph in Berlin. (S. KV)

s g... _
gestandest, fast nur von den Zinsen Deiner
... Rolph unge-
Erbschafteu?"
streifte die

keine Fehlbitte thun, wenn sie ein einigermaßen hoch-
herziges Mädchen ist."
„Tas ist sie!"
„So versuche cs. Geh' gleich — schnell! Sie ist
allein."
Rolph stand noch einen Moment in sich versunken,
dann riß er sich gewaltsam los und eilte in das Wohn-
zimmer.
Baler Earisius sah ihm spöttisch nach, ,„
Das macht Dich vollends bei ihr unmöglich,
bereitet ist sie." Er warf sich in einen
und rauchte behaglich fort.
Im Wohnzimmer traf Rolph nur
„Wo ist Marie?"
„Fortgegangen!" sagte sie ärgerlich.
Augenblick!"

„Wohin?"
„Ich weiß es wirklich nicht. Sic war so kurz an-
gebunden wie noch nie. Wie weit bist Tu deuu mit
ihr, mein lieber Junge?"
„Mutter" — Rolph Lichtweg drückte die Hand der
Obersörstcrin erregt, „gib den Gedanken ans. Ich hei-
rathe Marie nicht. Ich kann nicht, so leid es mir
uni Deinetwillen thut, Mutter."
„Aber Rolph!" rief die gute Fran bestürzt, auf
einen Sessel sinkend. „Drei Millionen! Bist Du wahn-
sinnig geworden?"
„Ich liebe Lncie v. Trefflingeu, Mutter. Du hast
sie gesehen. Sic ist schön und vornehm, aber arm.
Run höre!" Er setzte sich auf die Stuhllehne und
umfaßte bittend die Schultern seiner weinenden Mutter.
„Dazu habe ich mir die Mühe gemacht und dieses
ewig gleichgiltige Geschöpf nm mich ge-
duldet," jammerte die Oberförstern«.
„Deinetwegen that ich es, Rolph!" An
das Bermögcu, welches sie dabei ge-
sammelt hatte, dachte sie nicht in ihrem
Schmerz. „Nimm sie, auch wenn Tu
sie nicht liebst. Drei Millionen!"
„Nein!" sagte Rolph entschieden, sein
schönes Antlitz frei erhebend. „Aber Tn
sollst Marie in meinem Namen bitten,
unser Glück zu unterstützen. Mit dieser
Aussicht darf ich uni Lncie werben.
Thue cs, Muttcr, mcin Lebcnsglück hängt
davon ab!"
„Ja, ja!" sagte die Oberförsterin,
ihre Thronen trocknend. „O Du thö-
richter Junge! Sie svll's aber thun!
Sie muß es thun! Laß nur! Wenn sie
kommt, werde ich es ihr sofort sagen."
„Earisius wartet, Mutter," flüsterte
Rolph aufstehend.
Der junge Manu trat ihm schon an
der Schwelle des Erkers entgegen.
„Fräulein Golz ist ansgegaugen. Ich
sah sie über die Straße gehen. Auch
meine Zeit ist nm. Verbindliche«« Tank!"
Er empfahl sich und verließ das
Hans. —
Unterdessen setzte Marie in beschleu-
nigter Hast ihren Weg fort. Eie hatte
es droben nicht mehr ertragen können.
Tie Luft benahm ihr den Athen«. Rolph
sollte einer Anderen angehöreu und selig
mit ihr sein! Ihr Kopf schwindelte vcn
den erhaltenen neue«« Eindrücken, die ihr
so tief in das Herz schnitten.
Unwillkürlich lenkte sie die Schritte
nach der Wohnung der Fran v. Nixen.
Gertrud's Nähe that ihr schon im Bor-
ans wohl. Eie stieg vorsichtig die schlecht
erleuchteten Treppen hinauf und zog au
der Glocke.
Sogleich ward die Thür geöffnet, uud
eine Stimme fragte hinter der Eicher-
heitskette nach ihrem Begehr.
„Gertrud, ich bin's ja — Marie!"
Die Kette siel klirrend bei Seite.

goldene Gans.
Roman
Heorg Kartwig.
(Fortsetzung.)
—- (Nachdruck verboten.)
gab aber eine Zeit, wo Du ehrlich ein-

zu leben,
"i"'
„Pah! Gibt's keine
gab Baler zur Antwort.
Äsche an eine««« Blumen-
topfe ab. „Wenn ihr nicht
euren Monatswechsel mit
Ruhe eiustreichen könnt, da meint ihr,
es gäbe sonst keine Eristeuzmittel auf
der Welt. Laßt euch nicht auslnchcu!
Möchtest Wohl auch einmal einen tiefe««
Zug thun mit dem Netz der Dame For-
tuna?"
Rolph nickte. Luciens Bild schwebte
ihm mit zauberischer Deutlichkeit vor
Augen. Ihr sollte er entsagen, die er
mit schwärmerischer Leidenschaft liebte!
„Ich weiß, Deine Herzensdame macht
Ansprüche," plauderte Baler scheinbar
harmlos weiter. „Sie selbst hat ein-
mal gar nichts zu erwarten. Aber eine
entzückende Schwiegermutter bekommst
Du mit — das ist ein Weib!"
„Sie behandelte mich gestern wie
einen Schulknaben," fiel er, noch bebend
in der Erinnerung, ein. „Ich soll Lncie
aufgeben, weil ich nichts bin, nichts
habe."
„Und willst es auch ohne Weiteres
thun?" fragte Baler spöttisch. „Mir
sollte man ein Hinderniß in den Weg
stellen!"
„Prahle nicht. Was soll ich thun?"
rief der junge Mann aufspringend.
„Versuchen, Dir zu helfen."
„Willst Du mir eine siebenzackige
Krone verschaffen? Einen Beutel «nit
Gold?"
„Das Letztere wäre möglich. Bitte
Marie Golz darum."
„Wen? Marie? Nein! Ich war
ihr einst nicht gleichgiltige wahrhaftig,
ich war es nicht. Sie erwartete «nehr
don mir. Es ist vorüber, ich weiß es.
Aber sie bitten —"
„Also gibst Du Lucie auf? Für sie
stehe ich ein, daß sie Dich liebst"
„Ich Unglücklicher!" rief Rolph,
Baler's Hand in der seinen pressend.
„Da Marie sich nichts mehr aus
Dir macht, so wirst Du, glaube ich,
 
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