Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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Nadierungen auf Linoleum

Eine „Kriegstechnik" für Künstler

dieser Zeit der teuren graphischen Metallplatten ist es angebracht,
^ä auf einen Stoff aufrnerksam zu machen, der auch graphischer Gestal«
^?tung fähig ist, das Linoleum. Im Hochdruck spielt es schon lange eine
große Rolle, aber auch im Tiefdruck, in der Radierung kann es öfter
statt der Kupferplatte benutzt werden. So zum Beispiel für Vor- und
Probearbeit, um die Wirkung einer Radierung zu erproben, als will-
kommene Abwechslung in der Arbeit. Mcht zuletzt aber auch zur Erzielung
eines selbständigen künstlerischen Ausdrucks. Doch darf man dann
nicht die Kupferradierung als Ziel im Auge haben.

Wie bei der eigentlichen Radierung, gibt es auch hier eine Kalt-
nadeltechnik. Die Platte liefert das sogenannte Möbellinoleum von
hellbrauner Farbe. Es wird mit einem feinkörnigen, ebenen Schleifstein
und Wasser geglättet. Die Badel zum Einkratzen der Linien ist nicht kegel-
förmig, sondern vierkantig oder messerartig zugespitzt. Man kann helle,
dunkle, breite und seine Linien hervorbringen. Verbesserungen werden mit
einem Schleifstein vorgenommen. Zum Schluß werden die Mllen mit einem
Glaspinsel gereinigt. Der Druck erfolgt genau wie bei einer Kupserplatte.

Die Atzung geschieht mit Natronlauge. Auf der geglätteten Platte
wird mit Aatronlauge und Schreibfeder in der Art der Federzeichnung
gezeichnet, die Ieichnung ätzt sich sofort in die Platte ein. Was zuerst
gezeichnet wird, ätzt Liefer, das zuletzt Gezeichnete schwächer, so wird Lon-
abstufung erzielt. Nach Vollendung wird die Platte mit Bürste und
Wasser gereinigt. Nicht nur SLriche, auch ganze Töne von verschiedener
Tiefe können geätzt werden, wenn man die Lauge mit einem Papierröhrchen
aufträgt. Für die Ätzung können auch andere Linoleumsorten benutzt
werden.

Der Lackdruck. Sollen einzelne SLellen einer Radierung ganz weiß
erscheinen, so werden sie auf der PlaLLe mit Spirituslack gedeckt. Man
kann eine passende Arbeit auch allein mit PinseL und Lack ausführen,
wenn man der Platte vorher eine größere Aauhigkeit gibt. Gewisse Lino-
leumarten haben eine genügend starke Aauhigkeit schon von Batur. Beim
Druck verwendet man eine Farbe, die etwas mehr mit Öl gemischt ist als
gewöhnlich. Diese Lackdruckplatten sind leicht vergänglich.

Auch andere Instrumente können Verwendung finden. Die Breitnadel
ist ein Messer, dessen Spitze abgerundet ist. Der Nadelpinsel besteht aus
einem Büschel von 5—feinen Nähnadeln. Auch mit Nuletten kann
gearbeitet werden, namentlich mit den gröberen Arten.

Aus diesen kurzen Andeutungen ist ersichtlich, daß diese Technik recht ab-
wechslungsreich ist, namentlich wenn die verschiedenen Verfahren gemischt
werden. Das Einkratzen der Rillen ist nicht viel schwerer, als das Zeichnen
mit einem Stift. Äbelstände bei diesen Arbeiten sind, daß eine kupfer-
glatte Fläche schwer herzustellen ist, daß tiefreichende Verbesserungen eben-
falls schwierig zu bewerkstelligen sind, und daß beim Druck Massenauflagen
nicht erzielt werden können. Recht kräftig gearbeitete Platten halten immer-
hin manches Hundert von Drucken aus. Wie bei jeder Technik ist auch
hierbei Kenntnis des Stoffes erforderlich. Da dieser billig ist — ein Qua-
dratmeter geeigneten Linoleums kostete wenigstens in der ersten Kriegszeit
nur 3 bis ^ Mark — so wird man auch fehlgeschlagene Versuche nicht allzu-

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