Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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Frage der Monopole erschöpfend zu behandeln. Sre wollte nur die wich»
tigsten Gründe anführen, die für und gegen ein staatliches Eingreifen in
das Wirtschaftsleben sprechen. Wenn hierbei die Schale sich zugunsten
der Monopole neigt, so kann und will der Verfasser daran nichts andern.
Denn das Reich braucht Geld. And es kann allem Anschein nach die
Mittel, deren es bedarf, ohne Staatsmonopole nicht aufbringen. Diese
erscheinen überdies in sich selbst gerechtfertigt in allen Fällen, in welchen
ein Privatmonopol bereits entstanden oder im Entstehen begriffen ist. Riesen-
vermögen nach amerikanischem Vorbild, die regelmäßig auf Kosten der
Allgemeinheit erworben werden, stellen wirtschaftlich wie politisch eine
Gefahr für die Allgemeinheit dar. Deswegen ist es nur natürlich, nur
recht und billig, wenn das Reich als berufener Vertreter der Gesamtheit
sich anschickt, auch auf wirtschaftlichem Gebiet die Interessen der Gesamt«
heit gegenüber den Interessen weniger nachdrücklich und planmäßig zu
vertreten. Wenn nicht alles täuscht, ist es Deutschland beschieden, in tzin--
sicht auf eine maßvolle Beteiligung der Staatsgewalt an tzandel und Ge«
werbe zum Besten der Gesamtheit ebenso die Führung zu übernehmen, wie
dies mit bestem Erfolg auf dem Gebiete der Sozialpolitik geschehen ist. j

Georg Bamberger

Mttteleuropa, von Deutschösterreich aus gesehen

/V^^erden wir die Zwischenvölker zu zuverlässigen Teilnehmern der

I Hmitteleuropäischen Gemeinschaft gewinnen, und wie? Bis vor kur-
^'^^zem war es einigermaßen schwierig, über diese Kernfrage Zu reden,
ohne mißverstanden zu werden; am schwierigsten für die, welche „die nächsten
dazu^ waren und die meisten Erfahrungen mitbrachten: für die Deutschen
aus Ssterreich. Auf der jetzigen Stufe der Erörterung aber, zumal nach
Naumanns so verdienstvollem Buch (das seiner besonderen Aufgaben wegen
auch nicht allzu tief auf diese Schwierigkeiten eingehn konnte) kann und
muß wan von ihnen sprechen: innerhalb eines bestimmten ansehnlichen und
anerkannten Kreises gilt ja jetzt niemand mehr als Partei, der an Mittel-
europa mitarbeiten will. In diesem Sinne, des gemeinsamen Wohles
wegen, möchten jetzt um so aufmerksamer die Deutschösterreicher gehört sein.

Wir können die madjarische ganz allgemein von den slawischen Fragen
trennen. Die Madjaren haben ein klares politisches Iiel, mit dem man
sich auseinandersetzen kann, das seinem Wesen nach nicht Mitteleuropa
widerspricht, nur die Gefahr birgt, daß Angarn vermöge seiner günstigen
Lage in Mitteleuropa aus einer mitteleuropäischen Gemeinschaft größere
VorLeile zieht^ als den Gemeinschaftszielen entspräche. Immerhin: die
madjarische Frage ist als Macht- und Verhandlungsfrage ziemlich klar
gestellt und kann in Kommissionen und Ministerien gelöst werden. Es
handelt sich da im wesentlichen um politische Schwierigkeiten — alle sonst
noch vorhandenen kulturellen WiderstLnde, Sprachenfragen usw. fließen nur
aus diesen politischen, die in einer bestimmten herrschenden Schicht wur-
zeln. (Freilich ist das nur die madjarische Frage, wie sie jetzt gestellt ist.
Sobald ein andres Wahlrecht durchdringt, verwickeln sich auch hier die
Politisch- und die kulturell-nationalen Fragen.)

Grundsätzlich anders steht's aber jetzt schon mit den slawischen Fragen.
Sie bedürfen noch gründlichen SLudiums und sehr vieler praktischer Ver-
suche, ehe eine endgültige Lösung gesehn werden kann. Wer nicht in den

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