Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

Page: 121
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„Ein 'Gewaltstreich gegen das deutsche Wirtschaftsleben

o überschrieben, ist in einem Münchner Blatt eine Aufsatzreihe gegen
das „Deutsche Warenbuch", den „Dürerbund", den „Werkbund" und
die „Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft" erschienen. In einem
andern Münchner Blatt, dem meistverbreiteten dort, erschien sogar ein halbes
Dutzend von langen Artikeln unter andern Aberschriften, um uns zu töten.
Auch fonst noch werden in der Isarstadt und von dort aus im Reiche
Schlachtfronten gegen uns gerüstet. Nein, das darf man nicht sagen,
daß „die Gefahr" unterschätzt würde. Es rast der See, er will sein
Opser haben, und die Frage ist nur, ob er's auch bekommt.

Was ist geschehn?

^xver Dürerbund und der Deutsche Werkbund unterstützen durch ihren
. Beirat anderthalb tzundert Kaufleute, die als „Dürerbund-Werkbund-
Genossenschaft" im Verein mit den beiden Bünden hauptsächlich deutsche
Stapelware auf solche Gegenstände hin durchprüfen lassen, die ihnen zweck-
mäßig, gediegen und gut gestaltet erscheinen. Wir helfen nämlich bei dieser
Prüfung mit. Die ausgewählten Sachen werden dann durch eine Marke
kenntlich gemacht und in den Läden jener Geschäfte geführt.

Warum nun fördern wir diese Genossenschaft?

Erstens: wir streben danach, daß die Freude am Gediegenen sich so
weit wie nur möglich ausbreite, also auch auf den bescheidensten Gebrauchs-
gegenstand, damit sich für die höhere Kultur auf den von uns bearbeiteten
Gebieten ein gesunder Boden bereite. Wer sich „alltags" an Ge-
diegenheit gewöhnt hat, wird „Sonntags" keinen geputzten Schund und
keine Scheinkunst mögen. Deshalb gehen uns nicht nur die vorzugsweise
ästhetisch oder künstlerisch gewerteten Gegenstände etwas an, sondern auch
alle Gegenstände des tzausrats. Wir wünschen also auch die Ver-
breitung guter Stapelware zu sördern, die schlicht, materialgerecht, form-
klar, technisch gut, zweckmäßig und gediegen ist. Bochmals: wir wünschen
den Boden unsrer ästhetischen Kultur gesund.

2. Februarheft (XXIX,
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