Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

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Norden auch um uns hcrndelt. Es ist, als wollten bort Traumer aus
der seitherigen Einsamkeit anständiger Menschen jetzt Gesetze machen. sm)

Paula Rinck

L.

Ödlandumwandlungen und Heimatschutz

W^U dieser Frage haben wir im zweiten Ianuarheft M5 das Urteil eines
^^Künstlers gebracht, in Alfred Bachmanns Aufsatz „Die Rache der
^^Gefangenen". Die (56. Dürerbundflugschrift (Preis 25 Pfg.) behan-
delt die Arbarmachung der Odländereien gleichfalls. Heut geben wir
einem praktischen Landwirt, der der Heimatschutzbewegung nahe steht, das
Wort. Dabei weisen wir zugleich darauf hin, daß tzerr Ökonomierat
Hempel auch Verfasser der (08. Dürerbundflugschrift „Die Erhaltung der
Heimatschönheit auf dem Lande" (Preis 30 Pfg.) ist.

T

Die Preußische Regierung ist nach langer Vorbereitung entschlossen,
die noch brachliegenden Moore und tzeiden für die Volksernährung mit
nutzbar zu machen. Der ganze jetzt auf Tod und Leben geführte Krieg
gibt ihr recht, und es sind nicht wenige, die da meinen, die Äegierungen
sollten mit der Verwirklichung dieser Absichten weit schneller vorangehen
als bis jetzt.

Nur die Naturfreunde, namentlich in den großen und mittleren
Städten, fürchten, daß mit dieser Rrbarmachung großen Stiles und der
damit verbundenen Eile des Vorgehens mehr als nötig auch noch der
letzte Rest von Rrsprünglichkeit und natürlicher Schönheit der Landschaft
und alle Eigenart verschwinden nnd daß an deren Stelle ein Zustand
öder Vützlichkeit, Kahlheit und Wasserarmut Lreten werde.

Das klingt hart. Aber es wird sich ein Ausgleich finden. Es gibt
freilich manche „Kulturwüste" im DeuLschen Reich, aber größer sind doch
die freundlichen Strecken. Diese sollen uns — das sei vorweg gesagt —
als Muster dienen, jene sind künftig zu vermeiden. Die Waturfreunde
aber mögen dabei nicht abseits stehen, sondern helfen, wir warten darauf.

Als ich im Iahre (9(( zum ersten Male aufforderte, Grundsätze und
bestimmte Richtlinien für eine wirklich erreichbare tzeimatschönheit auf-
zustellen, schwebte mir der Zusammentritt gemischter Ausschüsse
vor, welche in den zunächst wichtigen Landesteilen an Ort und Stelle die
Bedingungen hierfür bei allen land- und forstwirtschaftlichen Maßnahmen
untersuchen sollten. — Ich halte das auch heute noch für den einzig rich-
Ligen Weg, um zu einer auf Erkenntnis der wirklichen Dinge aufgebauten
Verständigung zu gelangen. Manche jetzt übertrieben erscheinende Forde«
rung der tzeimatfreunde würde sich mildern und greifbarere Gestalt an-
nehmen. Die Ausführenden aber dürften bei diesen gemeinsamen ört-
lichen Bemühungen vielfach ganz neue Möglichkeiten entdecken, um mehr
als bisher das Zweckmäßige zugleich mit dem Schönen zu verbinden. Un-
möglich scheint mir das keineswegs, nicht einmal schwer, denn „zweckmäßig
und schön sind nicht Gegensätze".

Durch die Größe der jetzt bevorstehenden Landeskulturmaßnahmen füh-
len sich die tzeimatschutzvereine um so mehr bedrückt, als sie wohl ahnen,
daß unaufhaltsam noch Größeres folgen wird. Denn wir haben auf
völkischem Gebiete gewaltige Pflichten. Wohl mit Rücksicht Hierauf haben
die Vereine — abgesehen von einer Eingabe an die Ministerien — nichts
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