Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,2.1916

Page: 4
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/deutscherwille29_2/0019
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
sein? Wohl hat er durch die Macht einen wichtigen Faktor bei allen
Bestrebungen in die Wagschale zu werfen, und zudem verfügt er über die
besten Organisationsmittel. Aber schon der Notruf von den Südsee-Inseln^,
der vor einiger Zeit im Kunstwart erscholl, läßt erkennen, daß der Staat
zu gebunden, zu mechanisch wirkt, als daß er die sehr empfindlichen Bil«
dungs- und Entwicklungsaufgaben allein lösen könnte. Er braucht die
Mitwirkung der Forscher, die feststellen, welche Kulturanfänge bei den
Naturvölkern vorhanden und welche davon entwicklungswert sind; er braucht
auch die Mitwirkung der unabhängigen Kräfte im Vaterland, die ein
unbefangenes Rrteil darüber abgeben können, was von unsern Kultur-
erzeugnissen fremden Völkern dienen kann.

And dann ist zu beachten, daß die Staatshilfe überhaupt nur für
die Völker in Betracht kommt, die als Kolonien dem SLaate unter»
stehn. Es bleibt ja über sie hinaus noch eine Anzahl Länder, die
auch unserer Kultur zu erschließen sind, die abet ihre politische Selb-
ständigkeit bewahren. Ich nenne nur China, Persien, Türkei. Auch
dort wird sich uns ein schier unabsehbares Arbeitsfeld und tzandelsfeld er-
schließen. Wer wird denn acht darauf geben, daß wir in diesem Lande
würdige Arbeit leisten? Der SLaat scheidet aus, nur Privatarbeit
kann hier eingreifen. And nicht Arbeit des einzelnen, sondern einer macht«
vollen Organisation, die von der tzeimat bis in die fernen Länder reichen
muß. tzier und jetzt muß die alte Kunstwartlosung zur Tat werden: Organi-
sation der Bildung! ^ Georg Kleibömer--Konstantinopel

Die Zugendlichen

elbstherrlich treibt ein guter Teil der städtischen Iugend ihre spiele-
i^^rischen Sonderinteressen weiter. Nicht nur, daß im Arbeiterquartier
^s^Knaben noch Indianer und Cowboy spielen können und beweisen, daß
die infame Schundliteratur tiefer wirkt auf die Phantasie als alle Schlach^-
ten des Weltkrieges. Auch der Fußballklub zieht lachend und die gelben
„Dreß^taschen schlenkernd am Sonntagmorgen zum „Match". Nicht, daß
die Iungen nicht mehr lachen und balgen sollen. Der Iugend ist Fröhlich-
keit Natur, und schließlich ist ja Fußballspielen noch sehr viel besser als
Saufen und Schlimmeres. Aber die völlige Gleichgültigkeit gegenüber
der Zeit, die Interesselosigkeit, wie die tzeere ziehen und die Flotten kämp-
fen, — wo jeder deutsche Iunge mit allen Fibern am Kampf der Brüder
hängen müßte, — das ist einfach würdelos. Braucht denn Iugend Würde
zu haben? Ia, wenigstens in dem einen, daß das, was in furchtbaren
Stürmen die Herzen der Alten erschüttert, doch für Stunden auch die
Iungen, Söhne und Töchter, packen und mit heiliger Begeisterung mit dem
Wunsche zum hohen Opfer beseelen sollte. Aber wo war davon etwas
bei den Tausenden, die am Sonntag hinausfluteten in die Sonnenland-
schaft, Burschen und Mädchen, teils geschmackvoll, Leils wüst und unordent-
lich gekleidet, um in oberflächlichster Liebelei den Tag hinzubringen? Die
singen kein Vaterlandslied; die singen nur Tanz- und Wanderlieder. Im

^ E. Krämer-Bannow, Heimatschutz in die deutschen Kolonien! Dürerbund«
flugschrift Nr. Preis 30 Pfg., für Mitglieder 20 Pfg.

4
loading ...