Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

Seite: 186
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aufs Land schicken. Wird das lediglich
so aufgefaßt, daß dem Landwirt, Ar°
beiter, dem Schüler Speisen verschafft
werden, so bleibt der größtmögliche Ge--
winn aus. Wird aber ein Verstehen
von beiden Seiten erstrebt, so erkennen
Bauern- und Stadtjungen bald, daß
sie für Geist und Herz einander ebenso-
gut was geben können wie für Scheuer
und Magen. Lernt der Ghmnasiast,
der schon am Verstießeln oder Ver-
flachen war, mit Pferd und Rind aus-
zukommen, Armgeschick und Standfestig-
keit zu entwickeln, so wird er auch —
bei gelegentlichen Hinweisen der Eltern
und Lehrer — Blick gewinnen für
Bau- und Einrichtungskultur des Dor-
fes. Seinen Wirten aber kann er ab-
geben von dem Reichtum an Lesestoff,
den er für Regentage mitgenommen
hat, von seiner Kenntnis der Verkehrs-
verhältnisse, von seinem „städtischen"
Wissen überhaupt. Der Durchschnitts-
bauer weiß sogar manches vom Pflan-
zen- und Tierleben nicht, was der
Städter lernt, ist aber dankbar, wenn
man ihm etwa von der Entwicklungs-
geschichte des Entenbandwurms oder der
Pferdebremse erzählt, vielleicht auch von
der Rolle der Insekten beim Pflanzen-
befruchten, kann aber dafür allerlei
Beobachtungen bringen, die ohne Buch-
wissen aus den Dingen selber geholt
sind. Am Sternenhimmel möchten viele
Landleute gern bekannter werden, von
fernen Ländern und alten Zeiten hören
alle gern. Ie bescheidener der Schü-
ler da Auskunft gibt, desto dankbarer
sind ihm seine Herbergseltern. Wie
hoch sie ihm gar anschlagen, wenn er
sich mitsorgt und mitbemüht für die
Bauernsöhne im Heere, welche Er-
leichterung vielen die Abnahme von
Schreibarbeit ist, das läßt sich täg-
lich beobachten. Alles Derartige führt
die Menschen näher zusammen als das
bloße Wirtschasten füreinander. Soll-
ten wir nicht gerade jetzt jeden Aufweg
zu geistigen Gefilden doppelt gern
suchen und betreten?

Ludwig Grimm

„Nicht militärisch"

Man schreibt uns aus dem Felde:
enn wir in Ruhelagern oder in
rückwärtigen Stellungen liegen,
und die Sonne macht ein freundliches

Gesicht, sa arbeitet oder faulenzt man
mit entblößtem Oberkörper. Nun kön-
nen auch die verlausten Hemden wieder
gewaschen werden, und dje Knochen
im Leibe vergessen Rheumatismus und
sonstige Abel, wie sie der feuchte Stol-
len, die Erdlöcher und Winternächte
unserem Körper angehängt haben. Da-
bei ist die Gelegenheit zum Sonnen-
bade im Feld recht selten. Doch war
leider die Freude hierüber einseitig,
von heute ab darf unser Regiment
sich nicht mehr derartig »bloßstellen«.
Arbeit und Ruhe mit ent-
blößtem Oberkörper ist ver-
boten. Warum? Weil es unmili-
tärisch ist; denn dieser Anzug
ist in keiner Dienstvorschrift
vorgesehen. Er läßt ja auch die
Dienstgrade nicht erkennen. — Solches
trotz aller Bemühungen um die Körper-
kultur und trotz unserer Nohstofflage
im Iahre W8."

Wir genügen der Bitte um Ver-
öffentlichung, bemerken aber, daß wir
selbstverständlich nicht etwa anneh-
men, es handle sich bei dieser Anord-
nung um mehr als eine vereinzelte
Entgleisung.

Bildkarten in den Feldbuchhandlungen

Aus einem Feldbriefe:

^>n den letzten Monaten nimmt in
«Oden Feldbnchhandlungen der Verkauf
von minderwertigen Postkarten über-
hand. Es handelt sich um die schönen
„Liebesserien". Ob die Feldbuchhand-
lungen daran besonders viel verdienen,
weiß ich nicht. Iedenfalls haben mir
mehrere Perkäufer gcsagt, daß sie ge-
gen die Lieferung dieser Postkarten
keinen Einspruch erheben könnten.
Könnte der Dürerbund da nicht ein-
greifen?

Ansere Leute schreiben gerne Post-
karten. Beim Kauf sind sie vollkom-
men auf die Feldbuchhandlungen an-
gewiesen, was die führen, das müssen
sie eben nehmen."

Zuschriften solchen Inhalts kommen
an Kunstwart und Dürerbund allcr
paar Tage eine, und sie fordern dann
„energischeren Vertrieb" der Kunst-
Wart-Postkarten und der andern guteu.
Wir haben das uns Mögliche ver-
sucht, um hier, und (was noch viel
wichtiger) bei den Vüchern zu bessern,

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