Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

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Organ für Geschichte, Aitertmusliunde,

Kunst und Kultur der Diücese Kotteudurg und der angrenzenden Gebiete.
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Bur kl.-forinarionsgeschichre des
Kieses.
Vom Fürstlichen Bibliothekar Di-, Georg Grupp
iu Maihingen,
Wic ich in meiner Oettingischen Geschichte
der Rcformaiionszeit des weiteren aus-
einandersetzte, gab es im Anfang des
16, Jahrhunderts zwei Linien Dettin-
gen; man tan» sie nach späterem Sprach-
gebrauchs unterscheiden Dettingen-Dettin-
gen und Dettingen - Wallerstein. Unter
den Dettingen-Dettingen ragten hervor Lud-
wig XV. und dessen Sohn Ludwig XVI.,
welche beide der Reformation sich an-
schlossen. Namentlich Ludwig XVI.
war ei» begeisterter Lutheraner und hat
voll 1563 an das bis dahin nur sehr
lückenhaft bestandene lutherische Kirchen-
wesen vollends ansgebaut und an allen
Drten, wohin seine Hand und sein Ein-
fluß reichte, daS „reine Evangelium" anfge-
richtet. Seine beiden Brüder Wolsgang
»nd Friedrich V. aber blieben, trotzdem
auch der Vater der lutherischen Kirche zn-
neigtc, der alten Kirche getreu und na-
mentlich Friedrich war ein eifriger und
aufrichtiger Katholik. Die gleiche Energie,
die Ludwig XVI. für den neuen Glauben
entfaltete, verwandte Friedrich ans den
Schutz des alten. Dies war ibm dadurch
erfolgreich möglich, daß er als Schwieger-
sohn Martins von Oettingen-Wallerstein
dessen Herrschaft erbte und diese mit dem
AnSstcrben drohende Linie sortsetzte. Martin
zu Wallerstein, der znm Unterschied von
seine» Vellern in Dettingen katholisch
blieb, hatte nur eine Töchter und wenn
er diese außerhalb des Geschlechtes Det-
tingen verheiratete, so drohte seiner Herr-

schaft die Gefahr, in die Hand der prote-
stantisch gewordenen Grasen zu fallen.
Obwohl sich nun verschiedenL---BLlperbcr
um die Tochter Martins, Euphrostxe,
darunter auch ein Hohenlohe, einstellten,
so bekam Friedrich doch den entschiedenen
Vorzug, da seine Person die sicherste
Gewähr für Erhaltung des katholischen
Glaubens im Wallersteiner Herrschafts-
anteil bot.
Diese Berechnung schlug denn auch nicht
fehl, ja, als der schmalkaldische Krieg zu
Ungnnsten der protestantischen Stände ans-
fiel, mußten die beiden protestantischen
Grafen von Dettingen mit der kaiserlichen
Acht beladen das Land räumen und ihre
Herrschaft wurde vom Kaiser dem Fried-
rich (und Wolfgang) zur Verwaltung
übergeben. Da sich die beiden Ludwige
von Dettingen besonders stark kompromit-
tiert hatten und Ludwig XVI. sich über-
dem »»belehrt und unbelehrbar in alle
kaiserfeindlichen Unternehmungen einließ,
bliebe» sie sieben Jahre lang, bis znm I.
1553, geächtet und alle Versuche, die sie
und ihre Frennde anstelllcn, die kaiser-
liche Begnadigung zu erhalten, schlugen
fehl. Statt nun die Ursache der kaiserlichen
Ungunst bei sich zri suchen, suchten die
Leiden Verbannten die Ursache bei Fried-
rich, dem man schon die eine Thatsache
zum Verbrechen anrechncle, daß er die
Verwaltung dcö Landes überhaupt in die
Hand nah,», noch mehr aber, daß er das
kaiserliche Interim dnrchzufuhren versuchte.
Auch darüber beklagten sie sich, daß er
keine Unterstützung ihnen zukommen lasse,
auch keine Fürsprache für sie einlege u. s. f.
Waö sic eigentlich wünschten, war aber
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