Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 38
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gnädige Frau sollt ihn nur sehen. Seine
Reden laß ich beruhen. Sein Fähndrich
ist ans derselben (legend gebürtig, sein
Lieutenant kölnisch und katholisch, ist vor
Leipzig gefangen worden, war zuvor Diener
Bischofs Gottfried zu Bamberg. Alldie-
weil diese noch hier sind, haben wir es
gut. Pater Archangelus hat den Pfarrhof
inne, so Hab ich des Stallmeisters Ge-
mach eingenommen, gehen beide zur Tafel,
wie sonsten und bedürfen jetzt keiner Kon-
voi. Wenn's aber mutwillige Gast giebt,
die Fenster einschlagen und mit Pistolen
in die Oefen schießen, wie dieser Tage
geschehen, so essen wir in meiner Stube
allein und sind unangefochten. — Wann
dieser Kapitän sollte abgesordert werden,
hätte ich Bedenken ferner im Schloß zu
bleiben.
Am Anffahrtstage (20. Mai) hat man
die große Feldschlang, l6 Werkschuh lang,
an Gewicht bei 90 Zentner, treibt zehn
Pfund Eisen, nach Ellwangen führen
wollen, ist aber folgenden Tag wegen der
Last zurückgebracht worden. Unter dem
14. Juni hat man sie auf Räder gelegt und
nach Weißenburg geführt samt allen großen
Stücken auf Rädern. Es sind nur noch
Falkoneten, gemeine Qnartierstücklein, die
etwa ein halb Vierling treiben, und Doppel-
hacken vorhanden, sonst ist das Zeughaus
ganz ausgeleert. Kurz verschienener Zeit
als jedermann zu Nördlingen und niemand
im Schlosse unterwegs war, haben wir
alle neue Meßgewänder aus dem neuen
Kasten in unseres gnädigen Herrn selig
Kammer genommen mit samt den seidenen
Vorhängen von den Betten, auch sonst
alle Leinwand genommen, und Habens an
einem gewissen Ort verborgen, vermeinend es
werde alles gesichert sein. Es wurde aber
durch der Amtmännin Mägdlein einem
Reiter Lieutenant verraten. Da auch
ohnedies; der Kapitän der Beschließerin
stark nachsetzt und selbe mit Gewalt
haben will, also stehen dieser Sachen halber
ich und der Hausmeister in großen Aengsten
und Sorge», müssen einer Plünderung
gewärtig sein, besonders wenn man den
Kaiserlichen weichen müßte.
Den leidigen Fall mit unserm gnädigen
Herrn selig hat der Amtmann aus dem
Lager bei Asch hieher an die Herrn Räche
und seine Frau geschrieben. —. Damals

war die Jungfer Stozingerin noch krank
im Amthof — und ist der Brief an St.
Johannes Vigil früh um fünf Uhr ange-
konnnen. Man hat mich alsbald geholt,
da habe ich ein solches Heulen und Weinen
gefunden, daß ich genug zu thun hatte,
um zu trösten. Doch hat man sich ver-
stellt, als wenns nicht zu glauben wär,
weil man eine Plünderung befürchtete oder
sorgte, es käme ein Fremdes und man
ließe ihm die Unterthancn huldigen. Ich
aber habe mit den Seelenmessen fort-
gefahren.
Von neuen Zeitungen giebts hier wenig,
nur daß der König in Nürnberg sein soll,
der Oberst Sperrenter (unter welchem wir
auch sind) liegt in Weißenbnrg, dem muß
man Geld und Proviant genug ichicken,
oder die Herren Räche will man gleich in
Arrest nehmen. Die Kaiserlichen haben
die Festung Wilzbnrg (Markgräfisch) nur
-^4 Stunden von Weißenbnrg, noch inne,
wehren sich tapfer und thnn großen Schaden.
Die Wallersteiner Feldschlang wird dafür
gebraucht, richten aber wenig damit aus.
Während ich diesen Brief schreibe, kommt
unserm Kapitän die Nachricht, die Kaiser-
lichen seien 20,000 Mann stark in Weißen-
burg angekommen und belagern die Stadt.
Ihnen zieht das ganze schwedische Heer
entgegen, da muß das Nies abermals
herhalten. Gott wolle es znm Besten
wenden.
Schloß Wallerstetn, 12. Juli 1632.
Schwedischer armseliger Kaplan daselbst
Fr. Joachim Gottsteig.
DaF WAldkrrllderiMlB Bernstein,
GAI. Sulz.
Von vr. G i e f e l.
Vom Waldbrnderhaus Bernstein wußte
man bis jetzt nichts weiteres als das, was
uns die Oberamtsbeschreibnng Sulz bietet
und was den wenigen erhaltenen Urkun-
den des K. Staatsarchives entnommen ist.
Eine Chronik, die vor mehreren Jahren
ans dem Besitz des K. katholischen Kir-
chenrats in den des K. Haus- und Staats-
archives übergegangen ist, giebt uns Auf-
schluß über das Leben »nd Treiben, das
in dieser in Deutschland einzigartig da-
stehenden Stiftung geherrscht hat.
Die Chronik führt den Titel:
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