Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Seite: 20
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Emporkömmling und rächte sie sich an
seinem merkwürdigen Glücke durch Spott-
gedichte (iwch nach seinem Tode durch bos-
hafte Grabinschriften) und die Beinamen
der „Knoderer", oder „Gürtelknopf", auch
„Kugelmann" (woraus dann in verstüm-
melter Weise der — dann ganz unrichtig gar
zum Geschlechtsnamen genommene „Göckhel-
mann" entstand), worin eine Anspielung
auf den Knotengürtel der Barfüßermönche,
bezw. ans die zu seinem Ordenskleide ge-
hörige Kapuze (Kukulle, Kugel, Gugel)
liegen sollte. Leider sollte sein umfassen-
des Wirken nicht mehr von langer Dauer
sein; und ereilte ihn der Tod, zu frühe
für sein Hochstift, welchem er nur so kurze
Zeit verstehen durfte, und seinen könig-
lichen Herrn, zu Hagenau auf einem mit
letzterem ins Elsaß von Mainz aus unter-
nommenen Zuge; wie im Leben, so war
auch im Sterben sein unzertrennlicher könig-
licher Gefährte bei und um ihn; und mag
wohl niemand Heinrichs Verlust schmerz-
licher empfunden haben wie der König.
Heinrich wurde im Dom zu Mainz vor
dem St. Peter- und Paulaltare beigesetzt;
sein Grabdenkmal ist nicht mehr erhalten.
In ihm ist der wohl bedeutendste Staats-
mann des damaligen römisch-deutschen
Reiches, ein Würdenträger von hervor-
ragenden Geistesgabeu, staatsmännischer
Klugheit, ungemeiner Gewandtheit in den
Künsten des Friedens und Kriegs, sowie
von rastloser Thätigkeit und unbedingter
Ergebenheit gegen seinen königlichen Herrn
dahingegangen, ohne welchen Rudolph nicht
zum mächtigen Haupte des Reiches geworden
wäre. Auch dieser Dignitär war in seinem
Wirkungskreise seinem engeren Vaterlande
Schwaben — von der Visitation der Diöcese
Konstanz und seiner diplomatisch-militäri-
schen Thätigkeit in den Fehden zwischen
König Rudolph und Graf Eberhard ab-
gesehen — ziemlich entrückt; ein Neffe von
ihm, Eberhard von Jsny, vordem Schv-
lastikus zu Basel und rector ecclesiae von
Kilhvfen, wurde im Jahr 1286 Kanonikus
und hernach custos am Dome in Mainz.
Ob Heinrich II. im Laufe der Zeit je-
mals seine Vaterstadt besucht, bezw. etwas
für dieselbe gethan hat, ist nicht bekannt;
wenn aber Panly in seiner Beschreibung
des Oberamtes Wangen (Stuttgart und
Tübingen, 1841, bei Cotta, S. 190)

daran die Bemerkung knüpft, er hätte doch
nach ihrem schrecklichen Brandunglück von
1284 so viel Veranlassung dazu gehabt,
so muß dem entgegengehalten werden, daß
man von Reichtümern Heinrichs nichts
weiß und daß er in seiner rastlosesten,
aufreibenden Thätigkeit und Sorge um
bezw. für Reich, König und Diöcese, welche
ihm wohl keine Zeit zu Sammlung und
Erwerbung von Reichtümern, sowie zu
Reisen in die Heimat ließ, ganz aufging.
Sein Nachfolger wurde der schon genannte
Gerhard II. von Epp(en)stein (1289 bis
1305), welcher aber ihm entfernt nicht
gleichkam.
Vgl. zu diesem Artikel die in der allgemeinen
Encyklvpädie re. von Ersch und Gruber (II. Sek-
tion, 14—ldi, 3. Teil, S. 331) angeführten Quellen;
Will in der „Allg. d. Biographie", XI. Bd,
S. 539 und dessen „Regesten zur Geschichte der
Erzbischöfe ovn Mainz"; außerdem ellroni-m
inonasterii )-sner>sis lHandschrift, deren Anfang
in Heß monninentis 6aelpbicisj II, S. 275 fs.
abgedrnckt ist). Ei» soweit erschöpfendes bis
jetzt das beste Lebensbild von Heinrich und
ebenso von Konrad Probns hat N. Konrad Enbel
im historischen Jahrbuch der Görresgesellschafl
IX. Bd. (1888), 3. und 4. Heft, S. 393-449
und 650—73 mit zahlreichen Quellennachweisen
gegeben, wenn auch manche Einzelheiten und
Zeit bschnitte, namentlich ans Heinrichs jüngerer
Zeit, über welche vielleicht die fortschreitende
historische Forschung noch weitere Ausschlüsse er-
bringen wird , noch nicht genügend anfgehellt sind.
— Ein Bildnis von Heinrich ist dem Verfasser
nicht bekannt geworden; das persönliche Wappen,
daS er als Bischof von Basel führte, weist drei
Hufeisen auf, was für die Abkunft von einein
Schmiede spricht.

Veirrugr zur Geschichte einzelner
Wfarreien.
St. Io d v ks p f a r r e i in Ravens-
burg.
Von Pfarrer Busl in Hochberg.
I. Die Errichtung der Pfarrei.
Mau war bisher vielfach der Meinung,
die St. Jvdokskirche sei 1385 erbaut wor-
den. In diesem Jahre erscheint sie" aber
bereits vollendet und konsekriert. Die Ein-
weihung, über welche keine Urkunde er-
hallen ist, muß jedoch, wie aus nachfolgen-
dem erhellt, in demselben Jahre oder kurz
vorher vollzogen worden sein, lieber die
Errichtung der Pfarrei samt zwei Kaplaneien
liegt vine Pergamentnrkunde im Original im
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