Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 136
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Johann und Melchior Paulus bcigezogen
wurden, lau» niemand bezweifeln, der da
weiß, daß dem letzteren schon in seiner
Jugend Arbeiten für den Schöncnberg
anoertraut worden und daß er bis in sein
hohes Alter größere Werte dorthin fertig
stellte. Gerade in der nächsten Zeit nach
dem Jahre 1709 stand er im kräftigsten
Mannesalter. Sollte er da ans die Seite
geschoben worden sein? Die Engclsfignren
ans Gips, die man noch ans den Altären
sieht, stammen sicher von ihm her. Ob
er auch der Bildner der vier Evangelisten
an der Kanzel und des Erlösers darüber
sei, nnd der Urheber der Apostel, die über
den Gesimsen in Nischen stehen, darüber
ließe sich Gewißheit nur anS Rechnungen
gewinnen. Daß Apostel schon in der ersten
Kirche angebracht waren, ist, obschon über
sie keine Nechnnng vorliegt, erwiesen durch
eine Nechnnng des Werkmeisters Melchior
Einer vom 22. September 1694: „für
Gerüste zu den Aposteln anfmachen nnd
abbrechen 4 fl. 30 kr."
(Schluß folgt.)
Dviliginisacheu.
Von Pfarrer Reiter i» Vollmariiige».
1. In der Bescbreibnng des Königreichs
Württemberg w. (III., S. 318) ist bei
JselShansen (Filial von Nagold; früher
gehörten 2 bis 3 Hnser in die Pfarr
payndors, jetzt Lohndors bei Vollmaringen
csr. eine Urkunde von 1463 Freitag nach
'Martini im Horber Spitalarchiv) kein
Kirchenheiliger angegeben. Als solcher
wird in 3 PKrgamentnrknnden, welche sich
ans dem Nathanse zu JselShansen befin-
den, der hl. Jakobns genannt. Eine
Glocke von JselShansen mit der Jahres-
zahl 1520 trägt laut Oberamtsbeschrei-
bnng S. 191 die Umschrift: Maria 6otes
^elle . . . (csr. die Glockeninschrift von
'Neckarwestheim „D. Vvltsbl." Nr. 63
1895).
2. In der abgebrochenen Kapelle der
Sonsersiechen oder „VeltmeclieiG bei
Horb waren gnädig St. Katharina nnd
St. NyklaS. (In einer Urkunde von
1399, Dienstag vor St. JohannStag
Lun§elrteir erscheinen Pfleger der Kapelle
St. Katharinen nnd St. NyklaS bei den
Siechen zu Horb.)
3. Wenn bei Datierung von Urkunden

der Antonientag genannt wird, dann gilt
die Regel: Nnlonientag ohne nähere Be-
zeichnung ist stets der 17. Januar, an
welchen! daS Fest des hl. Antonius des
Einsiedlers gefeiert wird. Diese Regel
dürfte wohl auch ans die alten Antonius-
kapellen nnd AntoninSaltäre Anwendung
finden, so daß dieselben durchschnittlich
als Altäre und Kapellen des großen
Eremiten zu betrachten sind. So war
nun eine Antoninskapelle in Hochdorf,
OA. Horb (Hochdorfer Pfarr-Negistratnr),
nördlich an der Straße nach Nollmaringen.
Jetzt noch sollen die in der Nähe befind-
lichen Arcker Kapellcnäcker heißen. Eine
andere Antoninskapelle befand sich laut
Obcramtsbeschreibnng von Nagold S. 98
im Dorfe Sulz, OA. Nagold. Eine
weitere Antoninskapelle wird genannt in
einein Lagerbnchlein vom Jahre 1526
(v.Kechlerscbes Archiv, Schloß Unterschwan-
dorf). Schultheiß nnd Richter der Stadt
Nagold bezeugen dort, daß für sie kom-
men Hans Kecheler von schwündorff für-
haltend, wie er und der lieb heilig sannt
Anthoni Patron in der Cappel zu Und'
schwüdorff dein Schloß etlich gülte» zu
»agvlt nnd yselShnsen heilte».
Wo war Antonius Patron? Dürfte
man annehmen, daß er dies gewesen wäre
in der alten jetzt noch erhaltenen gotische»
Schloßkapelle, dann hätte» wir hier eine
neue Bestätigung der Thatsache, daß sehr
viele Schloß- oder Bnrgkapellen dem ge-
feierten Einsiedler geweiht waren. In-
dessen scheint eine solche Annahme nicht
begründet zu sein. Der VolkSmnnd nennt
jetzt noch Untcrschwandorf, OA. Nagold,
daS Schloß oder daS Schlößle nnd so
wird die Bezeichnung — zu Untcrschwan-
dorf dem Schloß — nicht ans daS Schloß-
gebände, sondern auf de» Ort bezogen
werden müssen. Die OberamtSbeschreibnng
von Nagold weiß denn auch S. 239 zu
berichten, daß fiüher oberhalb des Dorfes
Unterschwandorf auf der rechten Seite der
Waldach eine Antoninskapelle gestanden
haben soll, man finde daselbst zuweilen
Mancrwerk nnd die Stelle werde jetzt noch
zu St. Antoni genannt.
Wie verhält es sich mit der Antonins-
kapclle zu Hochmössingen, OA. Obern-
dorf? (Königreich Württemberg, 3. Bd.
S. 346.)
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