Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 13.1895

Page: 191
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Beitrag zur KeformaticmFgeschichte
des Masters Oerrcuatü.
Von Hvfrat vr. Giefel.
. Nothcuhäuslcr schreibt in seinem Buche:
Die Abteien und Stifte des Herzogtums
Württemberg im Zeitalter der Reforma-
tion S. 32, der Abt LucaS von Herrcu-
alb sei am II. September 1546 im Ge-
fängnis gestorben und liege zu Stuttgart
begraben. „WaS viele Konventualcu zu
Herrenalb au Glaubenstreue und Opfer-
willigkeit fehlen ließen, das ersetzt reichlich
die Treue und Festigkeit ihres Ables Lucas,
welchem als mutigem Bekenner ein ruhm-
volles Andenken bleibt, denn der Tod im
Gefängnis war für ihn ehrenvoller als
es der Tod ans dem AbtSstuhle gewesen
wäre."
NothcnhäuSler dürfte mit dieser Be-
hauptung, wie ans mehreren bisher im
K. Finanzarchive Ludwigsburg und nun-
mehr im K. Staatsarchive Stuttgart ver-
wahrten Aktenstücken hervorgeht, mit den
gcschicktlichen Thatsachcn >n Konflikt kom-
men. Abt LucaS saß mehrere Jabre auf
der Beste Hohen-Urach gefangen. Am
17. Mai 1543 berichtet Albrecht Jäger,
Vogt zu Urach, an Herzog Ulrich: Er-
haltenem Befehle gemäß habe er sich so-
fort nach Hohcn-Urach verfügt und dem
Abte im Beisein des Burgvogts die „Ber-
schreibung" verlesen. I» dieser Verschrei-
bung, die Abt Lucas am 2. Juli unter-
schrieb, erklärte er, aus wohlverschuldetcn
Ursachen in des Herzogs Gefängnis ge-
kommen zu sein. Er habe sich etwas der
Obrigkeit nicht allein zu Verdingen son-
dern auch an andern Orten wider den
Herzog mißgebraucht und der christlichen
evaugeliscben Religio» mit spottlicher Hal-
tung des hl. Nachtmahls sich widerfetzt,
den Hans Lutz, gewesenen Schultheiß zu
Unterderdingen, habe er angewiesen, daß
derselbe vor dem Stadtgerichte zu Vai-
hingen in einer Nechtsertigungssachc, daran
dem Herzog viel gelegen sei, eine Kund-
schaft anders antrage, glimpfigcr fürbringc,
auch die Zeugen ermahnen solle, ihre Aus-
sagen glimpfigcr und zum Vorteil der
Thäter zü machen der Wahrheit zuwider,
worauf dieselben ledig erkannt worden
seien. In wichtigen Sachen habe er zur
Zeit der freien Verwaltung seiner Abtei

entgegen dem Eid, den er dein Herzog ge-
schworen, wohlbedächtlick, aussätzig und
wissentlich die Wahrheit verschwiegen. Da-
her sehe er gut ein, daß der Herzog im
Rechte sei, wenn er mit allem Ernste und
aller Ungnade gegen ihn gehandelt und
ihn im Gefängnis behalte» habe. Ans
seine und seiner Freunde Fürbitte hi» habe
ihn der Herzog aus demselben unter der
Bedingung entlassen, in Stuttgart oder
an einem andern zu bestimmenden Orte,
den er ohne Erlaubnis nie verlassen dürfe,
gehorsam wohnen zu bleibe» mit einer Pen-
sion von 100 fl., 100 Matter Dinkel,
50 Malter Haber, 2 Fuder Wein und
20 Klafter Holz. An die Abtei Herren-
alb habe er gar keine Ansprüche mehr. Für
daS Gefängnis nehme weder er selbst noch
durch andere Racbe, es werde für ihn eine
Bürgschaft von 4090 fl. gestellt, er bleibe
eilt ehrloser, meineidiger Mann, der von
den päpstlichen und kaiserlichen Rechten
und Privilegien eines Prälaten von Herren-
alb keinen Gebrauch machen könne.
Der Abt erhielt den Adelberger Hof
in Stuttgart zur Wohnung augewieseu.
Da derselbe aber ohne Hausrat und außer-
dem schon von drei Partie» bewohnt war,
mußte er einstweilen in eine»! Wirtshaus
untergebracht werden.

ttloincre Mitteilungen.
Zur O b er a m t s b e sch r e i b n n g von E l l-
wangeu, 1886. — Von in E. thätig gewesenen
bezw. geborene» hervorragenderen Persönlich-
keiten wären noch zu nennen: 1. Rudolf Al-
brecht, zu Zürich geb., vr. insä., zuerst Stadt-
physikns in Ingolstadt, darauf i. I. 1661 Pro-
fessor der Arzneiwisseiischaften n» der gen.
Hochschule, wo er dis 1671 mit allein Bestalle
docierte, von da an Stadtphysikns in Ellwaugen,
zugleich Arzt bei dem Fürsten und Kapitel,
ch das. 1675. Man hat von ihm — nach Franz.
Jvs. Grien Walds rMbum IMeariae satric.
und Jvh. Jak. M e d ere r s Mrnales rvcaäemise
lliAolstaäieirsis —: 1. Historikern meciicam cts
! baemoplrt)'si per inocluin Loiisilii, welche nebst
noch andern Zchriflen von ihm in Phil. Jak.
Schvcnfelds Ilist. St Lur. mecl. Ilb. 1 er-
wähnt ist: 2. Lonsilium meäicum äs b)-pocbo»-
äriaca passione cum äolore capitis cbronico
vsrie inlestaote: item 6s Oris epilspticorum
instar conclusinne, et 6e äentium stupore,
nliisgue S)-mptomatis b)'poclron6riacis. Franz
Jgu. Thierinayr hat dieses consilium seinen
Lonsult et Sclrol. mecl., welche (früher wenig-
stens) in der Or. Snttlcrsche» Bibliothek bei dein
chnrfürstl. Skt. Glisabelhsspital in München in,
'Manuskript lagen, cinverleibt.
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